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Nicht genügend Fahrzeuge

Mutter sorgt sich um Sohn: Abstandhalten ist in der Straßenbahn von Ettlingen nach Bad Herrenalb kaum möglich

1,5 Meter Abstand wird in Corona-Zeiten empfohlen. In der Bahn, die nachmittags von Ettlingen nach Bad Herrenalb fährt, drängen sich die Schüler dicht an dicht. Wieso die Verkehrsbetriebe keine größeren Fahrzeuge zur Verfügung stellen oder Zusatzfahrten anbieten, fragt sich eine Mutter aus Marxzell.

Einfahrt in den Ettlinger Stadtbahnhof: Noch besteht die S1 aus zwei Waggons. Der hintere Teil wird jedoch an diesem Halt abgekoppelt, nur der vordere fährt weiter nach Bad Herrenalb. Foto: Julia Trauden

Weiße Sneaker berühren schwarze Turnschuhe, zwischen den Beinen in Jeanshosen sind höchstens 20 Zentimeter Abstand: Ein Foto aus der S1, die nachmittags um 15.30 Uhr von der Haltestelle Erbprinz/Schloss in Ettlingen Richtung Bad Herrenalb fährt, zeigt, wie eng es dort mitunter zugeht – trotz Corona. Ihr Sohn, der das Foto mit seiner Handykamera gemacht hat, fahre jeden Montag mit dieser Bahn nach Hause, erzählt Sandra Küffner-Axtmann aus Marxzell und fragt: Kann man daran nicht etwas ändern? Schließlich seien auch im Busverkehr zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt worden, um die Schülermassen zu entzerren. Sie macht sich Sorgen, dass ihr Elfjähriger sich mit dem Coronavirus anstecken könnte.

Waggon wird am Stadtbahnhof abgekoppelt

Sie versteht nicht, warum von der Stadtbahn, die an der Haltestelle Erbprinz noch zwei Waggons umfasst, am Stadtbahnhof Ettlingen einer dieser Waggons abgekoppelt wird. Denn erst dann werde es richtig eng. „Es gab auch schon die Situation, dass dadurch die Fahrgäste, die in Ettlingen Stadt zusteigen wollten, keinen Platz mehr bekommen haben“, schreibt Küffner-Axtmann in einer E-Mail an die Redaktion. Vor einigen Tagen, habe ihr Sohn berichtet, „kam sogar die Durchsage, dass die Fahrgäste näher zusammenrücken sollen, damit alle einsteigen können“. Sie findet: „Im Hinblick auf die steigenden Corona-Fallzahlen ein Unding, wie die AVG sich hier verhält.“

Letzte Woche kam sogar die Durchsage, dass die Fahrgäste näher zusammenrücken sollen, damit alle einsteigen können.
Sandra Küffner-Axtmann, Mutter aus Marxzell

Küffner-Axtmann ist nicht die einzige Mutter, die sich über volle Bahnen ärgert. „Die Situation ist derzeit sehr kritisch“, berichtet Seher Conzen, die Vorsitzende des Ettlinger Gesamtelternbeirates. Einige Elternvertreter hätten deshalb auch schon die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) kontaktiert – und erste Erfolge erzielt: „Zu manchen Uhrzeiten hat es sich gebessert.“ Allerdings sei in einigen Fahrzeugen zu den Stoßzeiten morgens, mittags und nachmittags immer noch zu wenig Platz.

Wann immer es möglich sei, setze die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) längere Fahrzeuge ein, erklärt der Pressesprecher des Verkehrsunternehmens, Michael Krauth, auf Nachfrage. Allerdings weiß er auch: „Im Einzelfall kann es mal kürzer werden.“ Man sei sich bewusst, dass die Situation nicht immer optimal sei. Die langen Bahnen mit zwei aneinander gekoppelten Zügen würden vorrangig in den stark frequentierten Zeiten eingesetzt, etwa am Morgen, wenn viele zur Arbeit fahren.

Aber auch dort komme es mitunter zu Engpässen. Berufspendlern rate man, wenn möglich eine frühere Bahn zu nehmen. 320 Fahrzeuge hat die AVG und VBK in ihrem Fuhrpark. Immer mal wieder müssten einige von ihnen gewartet oder repariert werden, daher seien sie nicht ständig einsetzbar.

Anders als im Schüler-Busverkehr, wo die Karlsruher Verkehrsbetriebe (KVV) seit Anfang Oktober zusätzliche Fahrten anbieten, sei es im Bahnverkehr nicht so einfach möglich, mehr Fahrzeuge auf die Strecke zu bringen. Jedes neue Fahrzeug koste mehrere Millionen Euro. Die Verstärkerfahrten im Schulbusverkehr würden vom Land Baden-Württemberg gefördert – der Einsatz zusätzlicher Bahnen im Schienenverkehr nicht. Noch bis Ende des Jahres trägt das Verkehrsministerium 80 Prozent der Mehrkosten, die Landkreisen durch die Verstärkerfahrten mit Bussen entstehen. Voraussetzung ist ein Auslastung von mehr als 100 Prozent der Sitzplätze und 40 Prozent der zulässigen Stehplätze. Bis zu zehn Millionen Euro stehen zur Verfügung. Für die Verstärkerfahrten würden etwa Fahrzeuge von Reisebusunternehmen eingesetzt, erklärt Krauth.

Zweiter Waggon wird für stärker frequentierte Strecke benötigt

Der Waggon der S1 werde am Stadtbahnhof Ettlingen abgehängt, weil er für Fahrten in Richtung Karlsruhe benötigt werde. Diese seien stärker frequentiert als die lange Strecke ins Albtal. „Würde man die Bahn auf die lange Strecke ins Albtal schicken, wo weniger Fahrgäste einsteigen, würde sie in Ettlingen fehlen“, sagt er. Krauth appelliert angesichts der manchmal nicht einzuhaltenden Sicherheitsabstände in den Bahnen an die „Verantwortung jedes Einzelnen, sich zu schützen“, vor allem durch das Tragen einer Maske. Die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern muss in Bus und Bahn anders als etwa in Restaurants oder Kinos nicht gewährleistet werden.

Könnte man denn einen Bus als Ersatz für den abgehängten Waggon nach Bad Herrenalb fahren lassen? Dieser Vorschlag sei schon einmal an die AVG herangetragen worden, erklärt Krauth. „Das ist aber eine politische Entscheidung“, und diese müsse der Landkreis als Aufgabenträger treffen, nicht die AVG. Irgendjemand müsse schließlich die Kosten für diese zusätzliche Fahrt tragen.

Versetzte Stundenpläne entzerren Schülerverkehr auch

Bisher habe ihn nur eine Mutter kontaktiert, die ebenfalls über eine überfüllte Bahn geklagt hat, sagt auf Nachfrage Helmut Obermann, der geschäftsführende Schulleiter in Ettlingen. Mit den Verstärkerbussen und versetzten Stundenpläne gelinge es, die Schülermassen zu entzerren, spricht er für das Albertus-Magnus-Gymnasium. Dort ist Obermann Rektor. „Ein Teil der Schüler kommt zur ersten Stunde und nach der sechsten, der andere Teil kommt zur zweiten und geht nach der siebten“, erklärt er das Prinzip. Die Busse seien auf diese Zeiten angepasst. Rund 780 Schüler zählt das Albertus-Magnus-Gymnasium aktuell, die Anne-Frank-Realschule, die sich im selben Gebäude befindet, hat knapp 600 Schüler.

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