Skip to main content

Volkstrauertag

Trotz Corona: Ettlingen begeht Volkstrauertag in kleiner Runde

Wie pflegt man eine Erinnerungskultur, wenn für die meisten Menschen der Frieden normaler Alltag ist? Der stellvertretende VdK-Landesverbandsvorsitzende Werner Raab rät den nächsten Generationen dazu, wachsam zu bleiben.

In kleiner Runde: Oberbürgermeister Johannes Arnold (v.l.), der stellvertretende VdK-Landesverbandsvorsitzende und Vorsitzende des Bezirksverbands Nordbaden Werner Raab und der stellvertretende VdK-Kreisverbandsvorsitzende und Ettlinger Ortsverbandsvorsitzende Albert Tischler gedachten der Gewaltopfer aller Nationen. Foto: Judith Midinet-Horst

Viele Kommunen hatten die Feierstunde anlässlich des Volkstrauertags wegen Corona komplett abgesagt. Ettlingen entschied sich trotz der Pandemie auf dem Friedhof den Opfern von Krieg und Verfolgung zu gedenken.

„Dieser Tag ist zu wichtig, um ihn einfach abzusagen“, sagte Oberbürgermeister Johannes Arnold am Sonntag. Teil nahmen außer ihm nur wenige Vertreter des VdK und der Marinekameradschaft Ettlingen-Albtal.

Großer Zwiespalt in der aktuellen Situation

Der Zwiespalt in der aktuellen Situation sei groß, so Arnold. Einerseits müsse man Kontakte reduzieren, um gerade diejenigen zu schützen, die normalerweise in der Mehrzahl am Volkstrauertag teilnehmen. Andererseits müsse man sich gerade jetzt die Zeit nehmen, um sich zu erinnern. „Es muss täglich in den Köpfen der Menschen ankommen, dass das Wiederholen von gewaltsamen Auseinandersetzungen keine Option ist“, sagte Arnold.

Im Gedenken an Soldaten, die im Ausland ihr Leben ließen, Verfolgte, Menschen, die Widerstand geleistet haben, Opfer von Terrorismus, Fremdenhass und Gewalt hielt die kleine Runde einen Moment auf dem Ettlinger Friedhof inne. „Wir trauern mit allen, die Leid ertragen, und teilen ihren Schmerz“, sagte der Oberbürgermeister. Er sei dankbar dafür, dass er in Deutschland, in einem Land ohne Krieg, leben dürfe.

Am Volkstrauertag denkt man an Gewaltopfer aller Nationen. Ursprünglich wurde der Gedenktag für die über zwei Millionen gestorbenen Soldaten im Ersten Weltkrieg initiiert. Ein Jahr nach dessen Ende 1918 schlug der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge diesen Ehrentag vor. Inzwischen wird auch um die Toten des zweiten Weltkriegs und der Kriege danach getrauert. Außerdem ist der Volkstrauertag ein Tag, der zu Versöhnung, Verständigung und Frieden mahnt.

Meist erinnern sich ältere Menschen am Volkstrauertag

Normalerweise nehmen 40 bis 50 Menschen an der Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Ettlingen teil. Anschließend werden Sträuße auf die Kriegsgräber gelegt. Es sind meist ältere Menschen, die sich erinnern. „Die Versuche auch die Jüngeren einzuladen, waren bislang nicht nachhaltig“, erzählt der Oberbürgermeister im Gespräch mit den BNN. Erinnerungstermine treten also nicht nur wegen Corona in den Hintergrund. Ein anderes Format dafür zu finden, sei schwierig. „Der Friedhof ist der richtige Ort“, sagt Arnold.

„Der Volkstrauertag ist ein Ausdruck unserer Kultur, unseres Selbstverständnisses und eine Selbstverständlichkeit“, sagt Werner Raab, stellvertretender VdK-Landesverbandsvorsitzende und Vorsitzende des Bezirksverbands Nordbaden. Es sei für ihn eine Aufgabe, die Tradition des Volkstrauertages an die nächste Generation weiterzugeben.

Der Volkstrauertag ist so aktuell wie nie.
Werner Raab, stellvertretender VdK-Landesverbandsvorsitzender

Auch wenn die Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, immer weniger werden, müssten gerade diejenigen zu ihren Idealen stehen, so Raab. „Der Volkstrauertag ist so aktuell wie nie, leider verlieren wir nicht an Aktualität“, sagt er mit Blick auf den Konflikt in der Region Bergkarabach im Kaukasus und einen schwelenden Bürgerkrieg in Äthiopien. Die Trauer am Volkstrauertag sei nämlich — schon aus christlichen Gründen — nicht auf Deutschland reduziert.

Menschen sollen zum Nachdenken angeregt werden

Überall wo Krieg drohe, würden tausende Menschen flüchten und sogar ihren Tod in Kauf nehmen. „Was haben sie sonst für eine Chance, fragt sich Raab, „sie wissen, dass alles ihr Grab sein könnte“ — der Krieg in der Heimat oder die Flucht in ein anderes Land oder übers Meer. Der Volkstrauertag rege an, darüber nachzudenken.

„Wir müssen wach bleiben, wehret den Anfängen“, warnt Raab. Kein Land sei davor gefeit, dass sich Geschichte von Krieg und Despotismus wiederhole.

nach oben Zurück zum Seitenanfang