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Prominenter Standort nahe der A5

Über den Seehof zofften sich Ettlingen und Karlsruhe immer wieder

Das Landratsamt Karlsruhe am Ettlinger Seehof? Nur eine von vielen Ideen, die es zur Bebauung dieses Filetstücks am Stadteingang schon gab, und die wieder verworfen wurde.

Der Seehof ist Ettlingens prominent gelegener Stadteingang nahe der A 5. Links unter die alten AVG-Gebäude, die genauso ungenutzt sind wie die sie umgebenden Flächen. Ettlingen und Karlsruhe wollen das Gelände gemeinsam entwickeln. Foto: Andrea Fabry

Lang war es still um den Ettlinger Seehof. Bis ihn Lüppo Cramer, Fraktionschef der Karlsruher Liste (KAL) vor einigen Wochen überraschend als Standort für ein neues Landratsamt ins Gespräch brachte.

Seine Idee: Der Landkreis Karlsruhe könne dort ein neues Dienstleistungszentrum rascher und einfacher bauen als im Karlsruher Zentrum. Kaum hatte Cramer seinen Vorschlag publik gemacht, kam das „Nein” aus dem Ettlinger Rathaus.

Das Landratsamt müsse auf Gemarkung Karlsruhe bleiben, verkündete Oberbürgermeister Johannes Arnold im Gemeinderat. Das sei so in einem Landesgesetz geregelt. Und davon einmal abgesehen, wolle Ettlingen am Seehof keine Behörde, sondern gemeinsam mit dem großen Nachbarn Karlsruhe ein „interkommunales Gewerbegebiet” entwickeln, von dem beide Städte profitieren sollen.

Der Seehof ist Ettlingens prominentester Stadteingang, aber er ist nicht wirklich schön. Zwar haben Fahnen, Willkommenstafeln und Pflanzbeete, die anlässlich der Kleinen Gartenschau 2017 in Bad Herrenalb angelegt wurden, die optische Situation verbessert. Doch steht da noch immer das großräumig eingezäunte, früher von der Albtal Verkehrsgesellschaft (AVG) genutzte Backsteingebäude und sonst eigentlich nichts.

Karlsruhe hat dort Gelände - Ettlingen die Planungshoheit

Dabei ist der Standort attraktiv: Er liegt direkt an der B 3, zur Autobahn A 5 ist es nur ein Katzensprung. Von den 4,3 Hektar Fläche dort zwischen Bundesstraße, Straßenbahnlinie und Karlsruher Straße gehörten ein Hektar der Stadt Karlsruhe, denn die AVG ist zu 100 Prozent deren Eigentum. Die Planungshoheit am Seehof hat aber die Stadt Ettlingen. Genau diese Konstellation hat am Seehof schon so manches Vorhaben scheitern lassen.

18.11.2018 Messe Karlsuhe Foto: Rake HORA Rake HORA

Multiplex-Ansiedlung scheiterte am Karlsruher Widerstand

Als Mitte der 1990er Jahre der damalige AVG-Chef und Karlsruher „Nahverkehrspapst” Dieter Ludwig, der bis zu seinem Tod in Ettlingen wohnte, einen Freizeitkomplex aus Multiplexkino, Großdisco, Motel und Drive-In-Restaurant am Seehof ins Spiel und auch gleich Investoren dafür brachte, war Ettlingen sehr interessiert. Zwar regte sich Widerstand beim Bürgerverein im nahe gelegenen Stadtteil Neuwiesenreben, doch sahen Verwaltung und Gemeinderat ein solches Vorhaben als Chance für die Stadtentwicklung.

Es scheiterte nach vielen Monaten am Widerstand Karlsruher Kommunalpolitiker im AVG-Aufsichtsrat. Sie wollten das Multiplex lieber auf dem IWKA-Gelände in Karlsruhe (Brauerstraße) und lehnten einen Verkauf am Seehof ab. Die Enttäuschung in Ettlingen war groß und an die Adresse des damaligen Karlsruher Oberbürgermeisters Gerhard Seiler, ging der Vorwurf, er habe sich als AVG-Aufsichtsratsvorsitzender von den „Karlsruher Gemeinderatslobbyisten zurückpfeifen” lassen.

Der Standort am Seehof ist für uns gestorben.
Der Ettlinger Gemeinderat in seiner Ablehnung der Messe Karlsruhe 1998

Nur wenige Jahre später klopfte Karlsruhe bei Ettlingen an: Die Fläche am Festplatz war für Messen wie die offerta zu klein geworden und deshalb suchte man für die „Neue Messe Karlsruhe” einen geeigneten Standort. Der Seehof war plötzlich wieder im Gespräch, vor allem wegen seiner hervorragenden Anbindung ans überörtliche Straßennetz.

Allerdings wurden die Messe-Verantwortlichen enttäuscht: Im November 1998 lehnte der Ettlinger Gemeinderat eine Messe am Seehof mit den Worten ab: „Der Standort ist für uns gestorben”. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die Furcht vor einem Verlust der Grünzäsur zu Karlsruhe und einem Siedlungsbrei, außerdem Bedenken wegen des Hochwasserschutzes.

Denn nicht nur einmal waren in der Vergangenheit die Flächen am Seehof und entlang der B3 bedingt durch Albhochwasser überflutet. Und eine Messe auf Stelzen konnten sich die Ettlinger Volksvertreter beim besten Willen nicht vorstellen.

Kein Autohaus und keine Ansiedlung von Ikea

In den 2000er Jahren zeigte sich dann die Schoemperlen & Gast Automobil AG am Seehof interessiert, wollte dort ein Autohaus bauen. Doch kam das Investment aufgrund hoher Erschließungskosten einerseits und Altlasten auf dem Areal andererseits nicht zum Tragen. Genauso wenig glückte die Ansiedlung von Ikea, die 2005 zur Diskussion stand . Dem schwedischen Möbelriesen war das Seehof-Grundstück schlicht zu klein. Er gab Karlsruhe den Vorzug.

Außer Fahnen und Werbetafeln gibt es nichts am Seehof. Im Hintergrund sieht man die Häuser von Neuwiesenreben, dem angrenzenden Ettlinger Wohngebiet. Foto: Andrea Fabry

Erst muss der Hochwasserschutz im Albtal kommen

Und jetzt? Jetzt wollen Karlsruhe und Ettlingen das Filetstück Seehof gemeinsam entwickeln und beide ein Stück vom Kuchen abbekommen, den man „Gewerbesteuereinnahmen” nennt. Eine städtebauliche Studie für die interkommunale Gewerbeflächenentwicklung liegt vor , allerdings wird sich von heute auf morgen nichts tun. „

Erst wenn wir das Problem Hochwasserschutz gelöst haben durch das Hochwasserrückhaltebecken im Albtal können wir daran gehen, am Seehof Planungsrecht zu schaffen”, dämpft Ettlingens Rathauschef Johannes Arnold die Erwartungen. Er rechnet damit nicht vor 2024.

Eine bessere Schuhschachtel kommt dort für uns nicht in Frage.
Johannes Arnold, Oberbürgermeister von Ettlingen

Derzeit werde Vorarbeit durch einen Projektmanager geleistet. Geklärt werden müsse unter anderem, wer was an den Erschließungskosten trage und was mit den Altlasten am AVG-Gebäude sei.

Arnold wie Ettlingens Chefplaner Wassili Meyer Buck erwarten, dass sich der Seehof „hervorragend vermarkten lassen wird, weil Gewerbeflächen sowohl in Ettlingen als auch in Karlsruhe inzwischen sehr knapp sind.”

Wenn der Ettlinger Stadteingang wirklich aufgewertet werden solle, dann müsse dort architektonisch anspruchsvoll gebaut werden. „Eine bessere Schuhschachtel kommt für uns da nicht in Frage.”

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