Skip to main content

Reisen in Corona-Zeiten

Urlaub in Deutschland? In Bad Herrenalb entdecken manche den Schwarzwald für sich

Italien? Spanien? Schwarzwald! Die Besitzer von Ferienwohnungen in Bad Herrenalb bemerken eine höhere Nachfrage von Menschen, die die Region bislang nicht als Urlaubsziel auf dem Schirm hatten. Der ganz große Ansturm blieb aber bisher aus.

Fachwerkhäuser und ein altes Kloster: Sehenswertes gibt es auch in Bad Herrenalb. Statt im Meer kann man sich hier an der Alb abkühlen und die Füße ins Wasser strecken. Foto: Trauden

Durch den Kurpark bahnt sich die Alb ihren Weg ins Tal, auf grünen Wiesen und am Ufer laden Bänke zum Verweilen, Bäume spenden wohltuenden Schatten: Wer Ruhe und Entspannung sucht, der dürfte in Bad Herrenalb an der richtigen Adresse sein.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Doch bietet sich die Schwarzwald-Kurstadt mit ihren rund 8.000 Einwohnern auch für einen längeren Urlaub an – zumal wegen der Corona-Beschränkungen zahlreiche andere, weiter entfernte Reiseziele nicht in Betracht kommen?

Die Menschen wollen
die Alternativen abwarten.Matthias Wedner, Vermieter von Ferienwohnungen

Fragt man die Besitzer von Ferienwohnungen in Bad Herrenalb, fällt die Bilanz unterschiedlich aus. Es kämen vermehrt Anfragen von Bürgern aus anderen Teilen Deutschlands, darunter auch Menschen, die den Schwarzwald zum ersten Mal als Reiseziel ausgewählt haben. Allerdings blieben die meisten nur wenige Tage und nicht während der ganzen Ferien.

Aussicht auf Urlaub in der Ferne

„Die Menschen wollen die Alternativen abwarten“, sagt Matthias Wedner, der zusammen mit seiner Ehefrau acht Ferienapartments für Urlauber anbietet. Mit der voraussichtlichen Öffnung einiger Ländergrenzen im Juni bestehe noch die Aussicht auf Urlaub in der Ferne – zum Beispiel in Kroatien oder Spanien.

Durch den Kurpark fließt die Alb hinunter ins Tal. Hier laden grüne Wiesen und Schatten spendende Bäume zum verweilen ein. Foto: Trauden

Raus aus der Stadt, rein in den Schwarzwald

Von seinen acht Apartments hat Wedner aktuell drei vermietet. Das Pfingstwochenende sei gut gelaufen, blickt er zurück, aber seither habe sich die Besucherzahl wieder ausgedünnt. Unter den Besuchern an Pfingsten seien Stammgäste gewesen, aber auch Neukunden, „Leute, die einfach mal raus wollen aus der Stadt“.

Mehr als 80 Prozent Buchungsrückgang

Vergleicht Wedner das jetzige Buchungsaufkommen mit den Vorjahren, stellt er einen Rückgang um mehr als 80 Prozent fest. Schuld daran sei auch die Absage von Veranstaltungen wie Hochzeiten, zu denen normalerweise viele Übernachtungsgäste anreisen.

Nachdem die Lockerungen am 18. Mai bekannt wurden, kamen viele Anfragen.
Lucie Moormann, Vermieterin von Ferienapartments

Richtig gut läuft’s derweil bei Lucie Moormann und ihren Ferienwohnungen am „Schwarzwaldstrand“. Die drei Apartments am Rande der Alb sind in den kommenden drei Wochen ausgebucht. „Nachdem die Lockerungen am 18. Mai bekannt wurden, kamen viele Anfragen“, berichtet die Vermieterin.

Ihr "Schwarzwaldstrand" ist gut besucht: Lucie Moormann ist bislang zufrieden mit dem Besucheraufkommen in ihren Ferienwohnungen. Foto: Trauden

Gäste aus dem Ausland müssen Buchungen stornieren

Unter den Gästen seien auch Schwarzwald-Debütanten. Eine Familie aus Düsseldorf etwa, die eigentlich Urlaub in Tirol machen wollte, habe die Region „für sich entdeckt“. Einige Buchungen von ausländischen Gästen, die ihren Schwarzwaldurlaub schon vor Corona geplant hatten, musste Moormann stornieren. Sie kommen zum Beispiel aus England oder dem arabischen Raum.

"Villa Sophie" ist in den nächsten drei Wochen ausgebucht

Bis 18. Juni ist auch die „Villa Sophie“ ausgebucht, die Saartje Brockmans zusammen mit ihrem Mann Raphael Volz vermietet. Für bis zu elf Personen eignet sich das Haus mit Sauna, Bibliothek und Fitnessstudio. Mit drei Bädern auf drei Stockwerken ist es nicht schwierig, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.

Die Geigerin am Ufer der Alb wartet noch auf Gesellschaft: Der große Ansturm der Ferientouristen blieb in der Kurstadt bislang aus. Foto: Trauden

Pralinen statt Handschlag zur Begrüßung

Wegen Corona vermietet Brockmans die Villa aktuell aber nur an eine Person und höchstens an zwei befreundete Familien. Statt einer persönlichen Begrüßung gibt es für die Urlauber nur noch einen kontaktlosen Willkommensgruß: ein paar Pralinen vom örtlichen Konditor. In die Ferienwohnungen kommen sie mit einem Zahlencode, Fragen werden telefonisch beantwortet.

Man merkt, dass Gäste kommen, die sonst niemals hier gewesen wären.
Swaartje Brockmans, Vermieterin der "Villa Sophie"

Brockmans rechnet weiter mit Stornierungen von Buchungen, vor allem von ausländischen Gästen – sie sieht die Situation aber auch als Chance: „Man merkt, dass Gäste kommen, die sonst niemals hier gewesen wären.“

Mehr Tagestouristen als Langzeiturlauber

Im Bad Herrenalber Kurpark finden sich von denen in der ersten Woche der Pfingstferien aber wenige. Ein Ehepaar aus Karlsruhe ist mit Walking-Stöcken unterwegs, allerdings nur für einen Tag.

Der Schwarzwald sei für sie für einen längeren Urlaub keine Option: „Höchstens mal für zwischendurch, zwei oder drei Tage, als Tapetenwechsel.“ Normalerweise verbringen sie die Ferien in Italien, erzählen die beiden – dieses Jahr haben sie stattdessen die Ostsee oder den Schliersee in den Alpen ins Auge gefasst.

Im Restaurant im Kurpark ruhen sich am Nachmittag einige der Touristen aus und genießen die Sonne. Foto: Trauden

Die Leute halten sich noch zurück.
Isolde Lösch, Urlauberin aus der Pfalz

Edwin Sturm und Isolde Lösch aus der Pfalz sind Wiederholungstäter. Dreimal im Jahr kommen sie nach Bad Herrenalb. Was ihnen gefällt? „Die Ruhe und die schönen Wege im Wald“, sagt Lösch.

Sie hoffe darauf, dass sich die Leute, was den Urlaub betrifft, in Corona-Zeiten „auf die Region besinnen“. In Bad Herrenalb hat sie aber keinen Wandel bemerkt: „Die Leute halten sich noch zurück.“

Ich bin fasziniert von der guten Luft.
Gitta Böhmer, Urlauberin aus Wuppertal

Aus Wuppertal angereist sind Michael und Gitta Böhmer – sie sind tatsächlich zum ersten Mal im Schwarzwald. Aber nicht mangels Alternativen. Den einwöchigen Aufenthalt hatten sie schon im Februar, vor Corona, gebucht.

Auch interessant:

Sie verbinden ihn mit einem Familienbesuch in Ettlingen. Was ihnen besonders gefällt? „Ich bin fasziniert von der guten Luft und vom Duft der Bäume im Wald“, schwärmt Gitta Böhmer.

nach oben Zurück zum Seitenanfang