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Eckbälle sind verboten

Vereine in der Region Karlsruhe dürfen wieder Sport für Kinder im Freien anbieten – aber nur wenn es die Inzidenz erlaubt

Sportvereine dürfen eigentlich endlich wieder Freiluft-Training für Kinder unter 15 Jahren anbieten. Doch die steigende Inzidenz in der Region könnte ihnen schon am Montag einen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem gelten für die Trainingseinheiten mitunter abstruse Regelungen.

Schön war die Zeit: Als Nachwuchskicker, wie hier bei den Ettlinger Fußballtagen, noch voller Tatendrang und ohne Abstand dem runden Leder hinterher jagen durften. Foto: Klaus Müller

Sascha Vetter, Vorstandsmitglied der FV Sportfreunde Forchheim kann nur noch den Kopf schütteln. „Nee, von Planungssicherheit für uns Vereine kann nun wirklich nicht die Rede sein“, macht er seinem Ärger über das Hick-Hack der Politik in der Corona-Krise Luft. In Abwandlung eines Sinnspruches gilt aller Voraussicht nach ab Montag für viele Vereine die Losung „rauf auf den Sportplatz, runter vom Sportplatz“.

Eigentlich haben sich die Vereine darauf eingestellt, wieder Sport anbieten zu dürfen – Sport unter freiem Himmel für Kinder unter 15 Jahren sieht die aktuelle Corona-Verordnung des Landes vor. Eigentlich. Die steigenden Inzidenz-Zahlen (über 100) dürften dem Vorhaben aber einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Regeln sind oft weit entfernt von Praxis

Dabei sieht die (Landes-)Verordnung ohnehin Freiluftsport nur unter strengen, mitunter auch etwas abstrusen Regelungen vor. Beispiel: Eckbälle zu trainieren, geht schon mal gar nicht. Diese Trainingseinheit gehört zu den Übungen, in denen über eine längere Zeit kein Abstand gewahrt werden könnte – eine Erkenntnis aus behördlichen Amtsstuben, die sodann in eine Vorgabe mündete.

Eben das Üben von Eckbällen im Strafraum untersagt die aktuelle Verordnung im Zuge der Pandemiebekämpfung. „Möglich ist ein kontaktarmes Training in Gruppen von bis zu 20 Kindern plus Betreuungspersonal in angemessener Zahl“, zitiert Michael Gißler, Verwaltungsvorstand des FV Malsch, aus der entsprechenden Verordnung.

Schuss und Tor: Das waren noch Zeiten, wie hier bei den Ettlinger Fußballtagen, als Nachwuchskicker coronafrei trainieren durften. Foto: Klaus Müller

Am Montag soll es beim FV wieder mit dem Fußballtraining losgehen. 120 Kinder haben sich laut Gißler dafür angemeldet. Das gilt freilich nur für den U-15-Bereich. „Die Nachfrage ist riesig.“ Einen Haken indes hat die Sache: Die Sieben-Tage-Inzidenz muss im Landkreis unter 100 liegen. Bei einer Inzidenz von über 100 soll die „Notbremse“ gezogen werden – was die Schließung von Außensportanlagen für den Amateur- und individuellen Freizeitsport zur Folge hätte.

Auch die Sportfreunde bieten „unter Einhaltung der Hygienevorgaben“ im U-15-Fußballbereich Trainingsangebote an. Die Nachfrage? „Die ist ganz klar da. Die jungen Kicker wollen“, so Vetter. „Wir alle sind uns der Verantwortung bewusst und handeln entsprechend.“ Seit gut einer Woche darf sich der sportliche Nachwuchs der SSV Ettlingen wieder im Freien tummeln.

Kinder müssen bereits umgezogen zum Training kommen

„Jede Gruppe ist für sich“, klärt Geschäftsführer Lucian Henkelmann auf. „Umkleidekabinen und Duschen dürfen nicht genutzt werden.“ Angepasst wurden die Trainingsprogramme. Jede Sportart muss dabei individuell betrachtet werden. „Da muss man kreativ sein. Aber es funktioniert. Und den Kindern macht´s Spaß, sich überhaupt wieder bewegen zu dürfen“, berichtet Henkelmann. Leben herrscht inzwischen auch wieder im Stadion des SV Langensteinbach.

„Wir können auf unser Hygienekonzept aus dem Vorjahr zurückgreifen. Das hat sich bewährt“, sagt Holger Philipp, Spartenleiter der SVL-Leichtathleten. Und eins ist für ihn klar: „Kein Online-Angebot kann das echte Training ersetzen.“ Ins Stadion dürfen auch die SVL-Turner. Außen vor bleiben müssen in den Vereinen vorerst die „Ü 15“, alle die über 15 Jahre alt sind. Von einer „widersinnigen Regelung“, nämlich dass beim Freiluftsport nur fünf Personen aus zwei Haushalten zusammenkommen dürften, spricht FV-Mann Gißler.

Das alles könne doch bald niemand mehr nachvollziehen. Trotz all dieser bürokratischen Regelflut halten die meisten Mitglieder ihren Vereinen nach wie vor die Treue. Noch. Ein weiteres Coronajahr mit weiteren Lockdowns hätte fatale Folgen. Eine ganze Sportlergeneration, befürchtet nicht nur Vetter, könnte wegbrechen.

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