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Der Herr der Gesteine: Andreas Megerle

Waldbronner geht auf seinen Touren der Entstehung und Veränderung der Landschaft auf den Grund

Er liebt Steine: Andreas Megerle ist ein echter Experte in Sachen Entstehung der Landschaft und kennt sich auch im Albtal bestens aus.

Herr der Gesteine: Andreas Megerle an einer markanten Felsengruppe im Nordschwarzwald. Im August 2020 wurde in Bad Liebenzell unter dem Motto „Felsen, Klüfte und eine Burg” sein erster Geo-Tour-Erkundungsweg in Bad Liebenzell eingeweiht, den Gäste mittels einer 34-seitigen Broschüre mit Forschungsaufgaben erkunden können. Foto: Sabine Zoller

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Zoller

„Was mich an Steinen und Gesteinen fasziniert?“ fragt Andreas Megerle und antwortet prompt: „So ziemlich alles: Sie sind oft schön, vor allem Schmucksteine, laufen nie weg, sind zu allen Jahreszeiten präsent, prägen unsere Landschaft wie kaum ein anderer Ökofaktor und können zudem spannende Geschichten erzählen.“

Volzemer Steine sind eine der schönsten Felsenpartien.
Andreas Megerle über die Felsen bei Dobel

Die herrliche Landschaft im Nordschwarzwald bietet Naturliebhabern eine Vielzahl von interessanten Plätzen und Geo-Touren laden im Albtal zu spannenden Outdoor-Erlebnissen ein, um Wissenswertes zur 500 Millionen Jahre alten Vergangenheit der Erdgeschichte zu vermitteln. Gerade im Hinblick der immer dramatischer werdenden Auswirkungen der Klimaveränderung kommt den Gesteinen und dem Untergrund eine zunehmend wichtigere Schlüsselrolle zu, zumal die Gesteinswelt des Nordschwarzwalds Aufschluss darüber gebe, warum Dörfer und Siedlungen entstehen konnten, Quellen sprudeln und in heißen Sommermonaten wieder versiegen.

Als Deutschlands höchstes Mittelgebirge ist der Schwarzwald geografisch und geologisch in die drei Abschnitte Nord, Mitte und Süd gegliedert. Im Nordschwarzwald prägen die Gesteine des Buntsandsteins die dortigen Landschaften. „Denn Buntsandstein nicht gleich Buntsandstein“, erläutert Megerle, der über erhebliche Unterschiede der einzelnen Buntsandstein-Schichten berichtet. Zum einen besteht das Gestein aus Schichten, auf denen dank eines größeren Tonanteils Landwirtschaft möglich ist und aus diesem Grund Waldhufendörfer und Höhensiedlungen wie auf dem Dobel entstanden sind.

Wesentlich ärmer an Mineralien sind dagegen die Böden, die sich aus der Geröllsandstein-Schicht gebildet haben und heute oft als Felsen herausgebildet sind, so zum Beispiel auf dem Dobel oder im Nagoldtal. Auch Quellen entstehen nicht zufällig, sondern deshalb, weil in Gesteinsspalten Wasser aufsteigen und als Quelle entspringen kann, oder sich das Wasser über wasserundurchlässige Gesteine staut.

Steine als Element des Lebens haben den Geografen seit seiner Kindheit fasziniert und nicht mehr losgelassen, denn auch Lebewesen und Pflanzen benötigen zum Überleben ganz bestimmte Grundlagen. „Der Ameisenlöwe beispielsweise braucht lockeren Sand, den er nur in Sandstein und kaum in Kalksteingebieten findet“, berichtet Megerle, der auch ausführt, dass sich der Sprössling einer Insektenfamilie ausschließlich von Ameisen ernährt.

Der promovierte Geograph und Landschaftsexperte lebt in Waldbronn und ist als Dozent und Berater für den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord tätig. Bereits 2010 hat er geologische Konzepte zur Ausbildung der Schwarzwald-Guides erarbeitet und seither individuelle Geo-Touren mit Geo-Box sowie Geo-Kompakt-Broschüren in Kooperation mit dem Grafiker Bernd Schuler entwickelt. Für Entdecker bietet der Nord- und der Mittlere Schwarzwald mittlerweile über 20 verschiedene Geo-Touren an, die Laien interessante Details zur Geologie und zu den landschaftlichen Zusammenhängen vermittelt. Inklusive zu Flora, Fauna und Geschichte.

Blick in die Erdgeschichte

„Dabei wird unterschieden zwischen geführten Geo-Touren ohne Broschüren und den „self-guided”-Geo-Touren mit Broschüren“. Beides Mal geht es darum, „Schlüsselthemen“ zu identifizieren, was erst nach intensiven Literaturrecherchen und Geländebegehungen möglich ist. Um ein besonders interessantes „Fenster in die Erdgeschichte“ aufzuspüren, also Stellen ausfindig zu machen, „wo man Gesteine gut sehen und möglichst auch in die Hand nehmen kann“, nutzt der Profi auch gerne das Wissen von lokalen Gebietskennern, um dann den Verlauf einer Tour mit Forst, Schwarzwaldverein und Naturschutz abzustimmen.

„Natürlich kann man in einer gedruckten Broschüre nie so viel vermitteln wie bei einer persönlichen Führung“, so Megerle, der auch auf allen Albtal-Geo-Touren unterschiedliche und spannende Themen im Gepäck hat.

So berichtet er in Ettlingen über Geo-Themen in einer Stadt und im Untergrund, wo Steinzeitmenschen und Römer ihre Steinspuren hinterlassen haben. Bei Waldbronn steht das Thermalwasser im Vordergrund, bei Karlsbad der Wechsel zwischen Wüste (Buntsandstein) und Meer (Muschelkalk). In Marxzell spielt das Kloster Frauenalb eine wichtige Rolle. Und: Hier sind tatsächlich immer mal wieder Schmucksteine zu finden. Bad Herrenalb begeistert durch drei Erdzeitalter, die die Gesteinswelt und ihre Auswirkungen auf die Klostergeschichte zu einem spannenden Thema machen.

Steine können spannende Geschichten erzählen.
Andreas Megerle , Geograf und Landschaftsexperte

Mit geschulten Augen lassen sich in Straubenhardt Spuren alter Waldgewerbe entdecken, die direkt oder indirekt mit den Gesteinen zu tun haben wie Bergleute, Köhler oder Glasbläser, um nur einige Beispiele zu nennen. Fast schon schwärmerisch berichtet Megerle über die beiden Volzemer Steine auf dem Dobel, die er als „eine der schönsten Felsenpartien rund um das Albtal“ bezeichnet.

Service

Mehr Info zu den Geo-Touren im Albtal gibt es auf www.albtal-tourismus.de unter Rubik Albtal erleben/Aktiv & Draußen. Individuell Touren buchen kann man auf Megerles Seite www.erlebnissuedwest.de .

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