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Gefahr von oben

Was tun bei Starkregen? Ettlinger Forum informiert Bürger über geplante Schutzvorkehrungen

Als im September Starkregen für heftige Überschwemmungen in Rheinstetten sorgte, wurde Ettlingen verschont. Doch die Gefahr von oben kann jeden treffen.

Alb bei Hochwasser
Beschaulich, bei Hochwasser aber gefährlich: Die Alb, wie hier beim ehemaligen Kaufhaus Schneider. Wie Bürger und Stadt sich für Starkregenereignisse wappnen können, war Thema bei einer Infoveranstaltung des Ettlinger Forums in der Buhlschen Mühle. Foto: Tiefbauamt Stadt Ettlingen

„Ich wohne nahe dem Wasen an der Alb und die hat bei mir schon guten Tag gesagt“, erklärt Wilfried Jakob, warum er zur Infoveranstaltung des Ettlinger Forums (EF) zum Thema „Starkregenereignisse: Folgen und Maßnahmen“ in die Buhlsche Mühle gekommen ist. Jakob möchte erfahren, was an Maßnahmen geplant ist und was er selbst noch tun kann.

EF-Vorsitzende Brigitte Ochlich und Vorstandsmitglied Helmut Obermann machten mit Blick auf die Überschwemmungen im Ahrtal und die Starkregenereignisse 2021 in Karlsbad eingangs deutlich, dass das Thema angesichts des Klimawandels auch die Region über Jahrzehnte beschäftigen werde. Wobei Regionalität entscheidend sei, weil Starkregen – wie vor kurzem in Rheinstetten – wenige Kilometer weiter in Ettlingen schon keine Rolle mehr gespielt habe.

Obermann erläuterte kurz die Veränderungen im Klima, bei der vor allem sogenannte Jetstreams mit Geschwindigkeiten von bis zu 400 Kilometer pro Stunde eine Rolle spielen. Andreas Dittrich vom Institut für Wasserbau an der Technischen Universität (TU) Braunschweig sagte, dass die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) bei Flusshochwasser etwa am Rhein schon viel getan sieht, bei Starkregen dagegen weniger. Einen Schwerpunkt sieht er bei der öffentlichen wie privaten Bauvorsorge, etwa bei Tiefgaragen oder Untergeschossen mit Heizungen und Versorgungsleitungen.

Ettlinger Forum: Hochwasserkonzept für Ettlingen ist in Arbeit

Hilfreich seien Regenrückhaltebecken, „weil das Wasser nicht verloren geht und wieder genutzt werden kann“. Als Beispiel für solche Becken nannte er den Bouleplatz am Wasen oder etwa Wasserspeicher unter Photovoltaikanlagen. Wichtig sei auch eine Risikovorsorge durch Gefahrenkarten und Vorwarnmöglichkeiten, etwa über die Warnapp NINA.

Grünen-Stadtrat Reinhard Schrieber, stellvertretender EF-Vorsitzender, betonte, dass Maßnahmenanalysen in Arbeit seien und „in Quartiersplanungen wie die Kaserne Nord einfließen“. Beate Sommer, im Stadtbauamt Abteilungsleiterin für Hochwasserschutz, Gewässerbau und dezentrale Entwässerung, sagte, die Erarbeitung eines Hochwasserkonzeptes sei seit 2018 in Arbeit, mit den Schwerpunkten Risiko-, Flächen-, Bau- und Verhaltensvorsorge.

Sommer machte deutlich, dass das geplante Hochwasserrückhaltebecken im Albtal nur Schutz für Wassermassen von dort biete, nicht für andere Starkregenereignisse im Ettlinger Umfeld.

Wichtig sei der Stadt, die Zahl der Pegelmessungen zu erhöhen, um frühzeitiger Warnungen ausgeben zu können. Wichtig seien weitere Regenrückhaltungen in der Fläche, aber auch Straßen könnten als Notwasserweg ausgebaut werden, ebenso Einläufe in die Kanalisation. Hinzu kämen auch sogenannte Mulden, die bei Neubebauung im Überschwemmungsgebieten gefordert werden.

So etwa in der Buhlstraße, wo Annette und Jürgen Neumayer sowie Karin Seitz ein Doppelhaus bauen wollen. Alle drei sind zur Infoveranstaltung in der Buhlschen Mühle gekommen. Die Mulden als Ausgleich für eine größere Überbauungsfläche als bisher machen ihnen kein Problem, erklären sie – wohl aber, dass die Stadt eine um 30 Zentimeter höhere Bebauung ablehnt.

Überflutungsgefahr: Bestandsbauten bereiten Kopfzerbrechen

Im Raum stand auch die Frage, ob es Planungen der Stadt für gefährdete alte Baugebiete, Hilfen und Förderungen gebe. Förderungen kenne sie keine, Probleme bereite der alte Bestand, „bei Neubau wird schon etwas getan“, sagte Sommer.

Grünen-Stadträtin Christa Becker-Binder beklagte zunehmende Versiegelungen und Schrieber forderte Beratungen vor Ort wie zur Energieeinsparung. Bürger sollten prüfen, ob sie gefährdet seien und wie das Schadenspotenzial minimiert werden könne, etwa durch bauliche Maßnahmen, und ob der Versicherungsschutz ausreiche. Für Astrid Bettzüge war der Abend „sehr erhellend, ich wollte hören, was jeder tun kann, denn die Gefahr steigt“.

Informationen zur Starkregen-Gefahr

Eine Starkregengefahrenkarte, die potenzielle Risikogebiete zeigt, findet sich hier. Auf der Seite kann auch der Flyer „Schutz vor Kellerüberflutungen – Was tun bei Rückstau aus Kanalisation und Eindringen von Oberflächenwasser“ heruntergeladen werden.

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