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Ausbildung stockt in der Pandemie

Weniger Einsätze: Corona bremst Rettungshunde des DRK Pforzheim

Rettungshundestaffeln sind zur Stelle, wenn jemand vermisst wird. Corona erschwert dies. Und die Pandemie wirkt in diesem Bereich womöglich lange nach.

Wollen helfen: Diese Rettungshunde gehören zur Pforzheimer Staffel. Foto: Natalie Friedrich

Regen hämmert gegen die bereits heruntergelassenen Rollläden der Wohnung. Um 22 Uhr dann ein Anruf von der Polizei: Ein Demenzpatient wird in einem Seniorenheim vermisst. Routinierte Rettungshundeführer greifen sofort zu Helm, Funkgerät und Jacke.

Die eigenen Hunde werden angeleint; bei jeder Pfoten-Bewegung blinkt ein Licht und wird von einer Glocke akustisch untermalt. Dann zum Mannschaftswagen und rein in einen unbekannten, unwegsamen Wald – manchmal bis vier Uhr morgens. Um sieben Uhr kündigt der Wecker dann wieder einen neuen Arbeitstag an. So in etwa sah ein typischer Einsatz für Anke Asché aus Ettlingen und ihre Kollegin Sabine Springer aus Malsch aus.

Weniger Einsätze in Corona-Zeit

Sie sind beide ehrenamtliche Rettungshundeführerinnen beim DRK Pforzheim, und vor der Corona-Pandemie hatten sie zwei bis drei Mal im Monat solche Einsätze. „Im Moment ist es aber relativ ruhig“, berichtet Springer. Asché, die 1998 ihren ersten Hund ausgebildet hat, fügt hinzu: „Die Polizei überlegt sich wegen der Sicherheitsvorschriften und Ausgangsbeschränkungen zweimal, ob sie eine Hundestaffel anfordern.“

Neben offensichtlichen Erschwernissen der Rettungshundeführer, wie beispielsweise das zusätzliche Mitführen von Masken, Handschuhen und Anzügen für sich selbst und die zu findende Person, oder dem Umstand, dass sie mit ihren Privatwagen zum Einsatzort kommen müssen, ergeben sich weitere Hindernisse, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind.

„Uns fehlen die Nachwuchshunde von 2020 bis 2022 – nach Corona wird da ein spürbares Loch klaffen.“ Springer sieht zu ihrer Kollegin, die übernimmt: „Wie lange ein Hund im Einsatz ist, hängt von seiner körperlichen Gesundheit ab. Aber grob kann man sagen, dass größere Hunde zwischen zehn und elf Jahren zu den Rentnerhunden zählen und kleinere Hunde zwischen zwölf und 13 Jahren.“

Sechs Hunde in Ausbildung

Derzeit befinden sich in der 26-köpfigen Staffel vier Hunde im Ruhestand und sechs Hunde in Ausbildung. Zwei davon haben am kommenden Sonntag ihre Prüfung. Zwei bis drei Jahre nimmt die Ausbildung für Hund und Halter in Anspruch.

Während der Mensch in Wochen- oder Wochenendkursen Fähigkeiten in den Disziplinen Erste Hilfe, Karte und Kompass, Einsatztaktik, Erste Hilfe am Hund sowie Kynologie erlangt, werden die Hunde spielerisch an ihre Aufgaben herangeführt. Beide Frauen betonen: „Es gibt nicht den Rettungshund. Wir haben die verschiedensten Rassen und auch Mischlinge bei uns, aber wichtig ist, dass die Hunde Spaß an der Arbeit haben.“

Gerade wegen dieser relativ langen Ausbildungszeit, die seit der Pandemie beinahe pausiert, werden die einsatzfähigen Hunde ausgehen - und das „macht Bauchweh“. „Hundearbeit braucht nun mal viele Hände“, erklärt Springer, „Für die Ausbildung braucht es zwei Ausbilder, einen Hundeführer und Versteck-Personen – und dann machen Sie mal mit zwei Auszubildenden einen Spielkreis! Zudem muss die Einsatzbereitschaft ja immer bestehen bleiben, weshalb nicht riskiert werden kann, dass bei einem positiven Fall in einer solchen Kleingruppe plötzlich vier komplette Teams ausfallen.“

Ebbe auf dem Spendenkonto

Da ein Hund nach 20 Minuten Suche „platt“ sei, müssen für größere Gebiete ohnehin mehr Staffeln angefordert werden – dezimiert sich nun aber noch die Zahl der einsatzfähigen Hunde, bringt das weitere Schwierigkeiten mit sich. Ein weiteres Problem: Durch die Pandemie fällt die Öffentlichkeitsarbeit inklusive Straßensammlungen weg, was zur Folge hat, dass das Spendenkonto der Staffel immer leerer wird, und Ausrüstungsgegenstände oder teilweise das Einsatzauto selbst finanziert werden müssen. Warum die beiden Frauen trotz all der Widrigkeiten weitermachen? „Die Arbeit mit unseren Hunden und das gegenseitige Vertrauen ist einfach schön. Wenn auch ein langer Weg“, schmunzelt Asché.

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