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Jahrzehnte engagiert im Tierschutz

Der Vogel-Wohnungsbau ist die Leidenschaft von Willi Kleinfeld in Ettlingen

Er ist der Glöckner von Ettlingen und seit fast 50 Jahren im Nistkastenbau und Vogelschutz aktiv. Was Willi Kleinfeld (81) im Einsatz für die gefiederten Freunde antreibt, der jetzt eine Finanzspritze über den Kreisumweltschutzpreis erhielt.

Blick in einen Nistkasten
Fachmännischer Blick: Willi Kleinfeld inspiziert hier einen Nistkasten für Turmfalken im Ettlinger Rathausturm. Vor kurzem hat sich der 81-Jährige Baumaterial für neue Kästen von der Sparkassen-Baustelle in der Altstadt gesichert. Foto: Rainer Obert

Schweren, aber sicheren Schrittes steigt Willi Kleinfeld die Stufen des Ettlinger Rathausturms hinauf. Der 81-Jährige, den man eigentlich nur mit der charakteristischen Schiebermütze und im Arbeitsanzug in der Stadt kennt, ist hier seit rund 20 Jahren ehrenamtlich Glöckner.

Noch länger kümmert der Rentner sich nämlich um Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse. Heute ist er jedoch auf dem Weg zum Falkenkasten hoch oben.

Sein mehr als 45-jähriges Engagement im Nistkastenbau und der nach dem Aufhängen anfallenden Wartung und Pflege wurde zuletzt mit dem Kreisumweltschutzpreis des Landkreises und 1.000 Euro Preisgeld gewürdigt. Was treibt den Mann?

Engagement begann in den 1960er Jahren

„Gut, je älter ich werde, desto öfter setze ich mich mal hin und höre dem Vogelgesang zu.“ Für Unterkünfte der Vögel zu sorgen, das mache schon Spaß. „Mir würde was fehlen.“ Eigentlich ist der Nistkastenbau auch seiner Eigenart geschuldet, nichts wegwerfen zu können, das man noch als Bauholz verwenden kann.

So kam es, dass er in seiner Zeit als Fernmeldetechniker in der Raffinerie in Karlsruhe in den 1960er Jahren Sperrholzplatten verarbeitete, in die gelieferte technische Geräte „verpackt“ waren.

Nistkästen hingen alsbald auf dem weitläufigen Gelände der Raffinerie, später am Wohnort in Ettlingen-Neuwiesenreben, erzählt er.

Zurück in den Rathausturm: „Die Falkenwohnung wird auf Vordermann gebracht“, betont Kleinfeld mit Blick auf den Nistkasten. Seit Juni 2011 hängt dieser, Greifvögel finden sich dort aktuell nicht.

Zwei Jahre war der Kasten zu Anfang von Falken belegt. „Dann kamen Tauben und Dohlen, die machen Konkurrenz.“ Ein Vorrecht genieße der Turmfalke im Spiel der Wohnungssuchenden eben nicht.

Falkenkasten haben andere Vögel in Beschlag

Der Falkenkasten ist eine prominente Behausung, insgesamt betreut Kleinfeld jedoch rund 85 Nistkästen im Stadtgebiet – in Neuwiesenreben, am Wasen, am Stadtfriedhof, bei der Stadthalle und im Apothekergarten beim Schloss.

Auf Sonderwünsche werde schon mal eingegangen, was die Standortwahl angeht. So habe er auf Wunsch der Stadt Ettlingen schon verstärkt Nistkästen an Kastanienbäumen angebracht – um die Vögel als natürliche Fressfeinde des Schädlings Rosskastanienminiermotte in Position zu bringen. Das habe funktioniert.

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Alle Vöglein seien schon lange nicht mehr da. In Sachen Vogelvielfalt „ist es nicht besser geworden“. Mit Meise und Spatz sehe es seiner Erfahrung nach ja noch gut aus, auch mit Blick auf die Belegungen der Nistkästen. Wenngleich gesagt werden muss, dass Kleinfeld nicht akribisch Buch führt. „Ich bin ein Schrauber, kein Schreiber.“

So mancher Bürger habe inzwischen einen Nistkasten von ihm auf dem Grundstück hängen, so Kleinfeld. „Da rufe ich dann jedes Jahr an und frage nach der Belegung.“ Kurioses ereigne sich bei den Nistkästen mitunter auch.

Eichhörnchen als des Rätsels Lösung

So habe er sich gewundert, dass am Berliner Platz in Neuwiesenreben immer wieder die Schiebetür mit dem Einflugloch entfernt war. „Ich dachte schon, ob das vielleicht Kinder waren.“ Doch dann beobachtete er, dass ein Eichhörnchen mit dem Schwanz das Holz nach oben schob. Kleinfeld sah es dann eilig davon flitzen.

Es fehlen mir Leute in dieser kleinen Firma.
Willi Kleinfeld, Nistkastenbauer und -pfleger

Er sieht bei den Inspektionen direkt, wenn er die Nistkasten-Klappe öffnet, welche Art ein Nest gebaut hat. Vertreter etwa von Rotschwänzchen, Star oder Kleiber seien leider selten geworden.

Öfter sehe er indes Nester der heimischen Hornisse und von Wespen in Nistkästen. Um die Fledermäuse steht es leider schlecht im Stadtgebiet. Früher habe man diese oft, etwa an der Stadtmauer beim Lauerturm, gesehen.

Mann mit Nistkasten
Doppelt belegt: Wespen nisteten in diesem Kasten für Vögel, und zwar auf dem verlassenen Nest einer Meisen-Familie. Auch Eichhörnchen hatte Willi Kleinfeld schon in den Holzkisten. Foto: Rainer Obert

Immer wieder erwähnt Willi Kleinfeld, dass er Helfer brauche, wenngleich er froh um die mit anpackenden Ariane Blappert, Dieter Rimat und Andreas Kußmaul sei, denen der Umweltschutzpreis gleichermaßen gebühre. „Es fehlen mir Leute in dieser kleinen Firma.“ Wer wolle, könne sich bei ihm melden unter (0 72 43) 7 93 02.

Den trockenen Humor hat Kleinfeld nicht verloren. Landrat Christoph Schnaudigel habe er bei der Preisverleihung angeboten, einen Nistkasten für Pleitegeier zu entwickeln. „Das hat er nicht angenommen.“

Kreatives Finanzierungsmodell trägt

Spaß beiseite. Die Arbeit gehe nicht aus. Einmal im Jahr sollten die Nistkästen gesäubert werden, die Hängesicherheit sei zu prüfen, mitunter fallen Reparaturen an. Finanziell komme man „so rum“.

Eine neue Leiter habe die Stadt zuletzt finanziert, ansonsten kämen Spenden etwa bei gelegentlichen Führungen im Rathausturm zusammen. „Bei der Stadt muss man manchmal ein bisschen betteln, aber es funktioniert.“

Und der Senior ist ja auch ein Sammler. Baumaterial hat er jedenfalls wieder. „Das Restholz habe ich an der Baustelle vom Sparkassengebäude gegenüber gesehen.“ Auf Nachfrage konnte er es mitnehmen. „Die verarbeite ich schon noch zu Nistkästen.“ Solange es geht, mache er weiter, betont Willi Kleinfeld.

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