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Lausbuben hatten Heidenspaß

Woher die Ettlinger die Spitznamen „Dohlenaze“ oder „Dohletreppler“ haben

Wie sind die Ettlinger eigentlich zu ihren Spitznamen gekommen? „Dohlenaze“ oder „Dohletreppler“ werden sie genannt. Die Namen haben auf jeden Fall eine lange Tradition. Und sie haben mit Lausbuben und Abwasser-Rinnen zu tun

Im traditionellen Häs, das auf einer alten Ettlinger Sage beruht, präsentieren sich Franziska, Christian und Bernhard Kast von der Gruppe „Dohlenaze“ des ECV bei der Martinskirche, wo es früher Dohlen gab. Foto: Ulrich Krawutschke

Warum heißen die Ettlinger eigentlich „Dohlenaze“ oder bisweilen auch „Dohletreppler“? Die Geschichte der Namensgebung geht auf das 17. Jahrhundert zurück, als es in Ettlingen ein Kloster der Jesuiten gab, eines Ordens, der vom heiligen Ignatius von Loyola gegründet worden war.

Damals war es dann üblich, dass Gläubige ihre Söhne auf den Namen Ignaz getauft haben. Und daraus wurde bald der Rufname „Naze“, „der allgemein auch als Synonym für die Katholiken galt“, so David Depenau in seinem Buch „Die Necknamen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe“. Zu jener Zeit gab es in Ettlingen noch keine unterirdischen Abwasserkanäle. Die Abwässer flossen ungereinigt in muldenförmigen Gräben mitten durch die Stadt, unter anderem durch Kronenstraße und bei der Martinskirche.

Abwasser-Gräben waren mit Dohlen abgedeckt

Diese Gräben waren mit Stein- und Eisenplatten, den Dohlen, abgedeckt und vorwiegend die männlichen Kirchenbesucher genossen es, „sonntags vor und nach dem Gottesdienst auf diesen Dohlen lautstark herum zu trippeln“, so Depenau. Besonders den Lausbuben machte es einen Heidenspaß, mit ihren Holzschuhen auf den Platten gewaltigen Lärm zu machen.

Viele Naze und viele Dohlen führten dann dazu, dass die Ettlinger Dohlenaze oder auch mal Dohletreppler genannt wurden. Die Geschichte haben so auch Gaby Foss und Helmut Gattner in ihrem Buch „Ettlinger Sagen für Dohlenaze un Fremme“ in Mundart aufgearbeitet. Und da heißt es zum ehemaligen Jesuitenkloster: „Do wo frijer des Kloschder war, geht’s heit arig viel ugrischtlicher zu. Do isch jetzed ‚s Finanzamt drin“.

Begriff gab auch Ettlinger Fasnachtsgruppe ihren Namen

Der Begriff Dohlenaze ist nicht nur als Übername erhalten geblieben, sondern auch ganz ansehnlich beim 1968 gegründeten Ettlinger Carneval Verein (ECV). Gründungsmitglied war Elferrat Matthias Wiehe. Er war auch bei der Gründung der Schaugruppe Dohlenaze im ECV 1991 mit an vorderster Front.

„Wir wollten einen Bezug zur Ettlinger Geschichte“, sagt Wiehe zur Namensgebung. Ihr Häs, ein Narrenkostüm in der Tradition der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, besteht aus einer Holzmaske, traditionell Holzschuhen, die aber „nicht mehr getragen werden, weil die Knochen weh getan haben“, so berichtet Präsident Bernhard Kast, der selbst ein Dohlenaze-Häs trägt. Dafür haben die ECV-Dohlenaze aber Rätschen, mit denen sie wie einst die Dohletreppler viel Lärm machen können.

Das Oberteil ist vorne mit einer Nonne, einem Sauhirten und mehreren Schweinen bemalt, auf der Rückseite ist der auf dem Kopf stehende Lauerturm zu sehen. Ärmel, Hose und Mütze sind mit Eicheln und Eichenblättern in Handarbeit von jedem Träger selbst bemalt worden. Und das alles erzählt eine andere Ettlinger Sage. Die Gemarkung Ettlingen reicht früher bis hinter Frauenalb. In den Eichenwäldern dort hatten die Ettlinger ihre Sauweide und das stank den Nonnen vom Kloster Frauenalb im wahrsten Sinn des Wortes.

Ettlinger brannte Kloster nieder

1402, am Nikolaustag, beschlossen sie daher, die Sauen und ihre Hirten zu vertreiben und die Ställe niederzureißen. Was wiederum den Ettlingern stank. Die zwölf Stadtväter beschlossen, Rache zu nehmen, und brannten kurzerhand mit einer Horde das Kloster nieder. Die Äbtissin führte Klage beim Markgrafen, der das Gebiet dem Kloster zusprach, und die Ettlinger Säue mussten fortan auf der Seewies gehütet werden, wo es nur saures Gras gab.

Zudem musste der Lauerturm im Ettlinger Stadtwappen fortan auf dem Kopf stehen. Die zwölf Ratsherren aber wurden zum Tode verurteilt und öffentlich enthauptet. Nur einer nicht, weil der Markgraf seinen Hofnarren Hans von Singen fragte, ob ihm das Spektakel ebenso gefalle wie dem Volk.

Dessen Antwort war eindeutig: Wenn es Kohlköpfe wären, die jedes Jahr wieder nachwachsen dürfen, dann täte es ihm auch gefallen, aber so nicht. Der letzte Ratsherr, der Zwölfte, wurde begnadigt. Und so haben die ECV-Narren auch ihren Bezug zur Narrengilde gefunden, denn sie heißt im Unternamen „Bruderschaft des Hans von Singen“.

Zur Serie

Moggel, Besenbinder, Ofenröhrle oder Dohlenaze: Für die Bewohner der Orts- und Stadtteile in Ettlingen und Umgebung gibt es zahlreiche Spitznamen. Außenstehenden oder Zugezogenen geben sie oft Rätsel auf. Woher sie kommen, erklärt die BNN-Redaktion Ettlingen in einer losen Serie.

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