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Unfalldaten der Polizei

Fahrradunfälle in Karlsruhe: Wo es warum wie oft kracht

Polizei und Statistikämter sammeln Tausende Daten zu Verkehrsunfällen in ganz Deutschland. Eine BNN-Auswertung zeigt, wo in Karlsruhe besonders neuralgische Orte sind und wie viele Radfahrer im Stadtgebiet jährlich zu Schaden kommen.

Radunfälle2018-3 Foto: None

582 Unfälle mit Personenschäden und Beteiligung eines oder mehrerer Radfahrer gab es 2019 in Karlsruhe. Das geht aus Unfalldaten des Karlsruher Polizeipräsidiums hervor. Die Behörden speichern zu jedem erfassten Unfall Angaben zu Tag, Uhrzeit, Unfallhergang, Straßen- und Lichtverhältnissen, beteiligten Fahrzeugarten und zum Schweregrad der Verletzungen.

Viele Unfälle gehen glimpflich aus

Die BNN haben unter allen Fahrradunfällen aus Karlsruhe diejenigen mit Personenschaden ausgewertet, also keine reinen Blechschäden. Die meisten dieser Unfälle gingen 2019 glimpflich aus: Der Großteil der Rad- oder Pedelecfahrer verletzte sich höchstens leicht. 2018 und 2019 verunglückte jeweils ein Radler im Karlsruher Stadtgebiet tödlich. 2017 waren es noch fünf gewesen.



Wenig Unfälle bei Dunkelheit und Glätte

Gute Beleuchtung ist für Radfahrer überlebenswichtig. Das stimmt natürlich, obwohl der Großteil der Fahrradunfälle mit verletzten Personen bei Tageslicht passiert. Tagsüber sind aber auch deutlich mehr Radler, Autofahrer und Fußgänger unterwegs als nachts. Eine direkte Kausalität kann also nicht abgeleitet werden.

Ähnlich sieht das beim Straßenzustand aus: Nur ein Fahrradunfall ereignete sich in Karlsruhe 2019 bei winterglatter Straße. Bei 108 Unfällen war die Straße nass oder feucht. Bei 473 – und damit 81% der Unfälle – war sie trocken. Da es aber einerseits viel seltener glatt ist als trocken, und da andererseits bei winterglatten Straßen weniger Radler unterwegs sind als im Sommer, kann hieraus keine Aussage abgeleitet werden, das Radfahren im Winter sei mehr oder weniger gefährlich als im Sommer.




Wo Fahrradfahrer in Karlsruhe oft verunglücken

In den Unfallstatistiken ist jeder Datensatz mit Koordinaten versehen. Man kann also genau nachvollziehen, wo sich welcher Unfall ereignet hat. Auf einer interaktiven Webseite der Statistischen Ämter können alle Unfälle auf einer Karte dargestellt und gefiltert werden , zum Beispiel nach den beteiligten Fahrzeugarten.

Wer sich nur Fahrradunfälle anzeigen lässt, erhält für Karlsruhe im Jahr 2018 diese Ansicht. Die Daten für 2019 sind noch nicht eingepflegt. Jeder gelbe Punkt steht für einen Unfall mit mindestens einem beteiligten Radfahrer. Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Ansicht.

Unfälle mit Personenschaden und Fahrradbeteiligung 2018 Foto: None

Ein etwas genauerer Blick auf die Karlsruher Innenstadt zeigt, wo Fahrradfahrer besonders häufig verunglücken. Der Unfallatlas berechnet für jeden Straßenabschnitt von 250 Metern Länge die statistische Unfallhäufigkeit. Auf rot eingezeichneten Strecken verunglückten innerhalb eines Jahres drei bis zwölf Radler.

Auch Fahrradstraßen können Unfallschwerpunkte sein

Besonders auffällig: Der Zirkel, der als Fahrradstraße für Radler besonders angenehm und sicher zu befahren sein soll, ist nach den Daten von 2018 ein solcher Unfallschwerpunkt. Auch 2019 ereigneten sich hier nach BNN-Recherchen mindestens fünf Unfälle mit verletzten Fahrradfahrern. Ein Radler wurde auf dem Zirkel sogar schwer verletzt – und zwar beim Zusammenstoß mit einem Auto im Oktober, also einige Monate nach der Errichtung von Durchfahrtssperren für Autos.

Entlang der Erzbergerstraße, ebenfalls eine wichtige Fahrradstraße und Nord-Süd-Achse in Karlsruhe, ereigneten sich 2019 zwölf Unfälle, allesamt zwischen Radlern bzw. Pedelecfahrern und Autofahrern. Die Tatsache, dass viele Fahrradstaßen in Karlsruhe für den motorisierten Verkehr freigegeben sind, stößt immer wieder auf Kritik.

Andere neuralgische Straßenabschnitte finden sich zum Beispiel am Europaplatz, in der südlichen Waldstraße,  der westlichen Kriegsstraße und der Reinhold-Frank-Straße. Deren Kreuzungen mit Kaiserallee und Kriegsstraße stoßen besonders ins Auge.

Ich weiß nicht, wie ich dort abbiegen soll, ohne Angst um mein Leben haben zu müssen.
Ein Radfahrer über die Situation am Mühlburger Tor

Mehrere Leser haben uns bereits von ihren negativen Erfahrungen und ihrer empfundenen Unsicherheit an diesen Stellen berichtet. "Ich weiß aktuell nicht, wie ich dort abbiegen soll, ohne Angst um mein Leben haben zu müssen", schreibt ein Radreporter-Leser über die Situation am Mühlburger Tor.

Er sei beim Linksabbiegen von der Kaiserallee in die Reinhold-Frank-Straße schon so knapp überholt und in den Gegenverkehr gedrängt worden, dass er neuerdings in der Mitte der Fahrspur radle.

"Dies führte dazu, dass ich zweimal sehr scharf links überholt wurde, einmal von rechts überholt wurde, mehrfach von hinten aggressiv angehupt wurde und, mein neuestes Highlight: Dass eine Frau sich extra die Mühe gemacht hat, auf der Straße auf meine Geschwindigkeit zu bremsen, die Scheibe herunterzulassen und mich als Arschloch zu beschimpfen", schildert der Radfahrer.

Radreporter Logo Foto: Christian Bodamer

BNN-Radreporter

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Er habe sich hilfesuchend an die Polizei und den ADFC gewendet. Beide hätten ihm bestätigt, sich nach der Straßenverkehrsordnung korrekt zu verhalten. Allerdings könne laut Polizei "nicht ausgeschlossen werden, dass aggressivere Autofahrer sich dadurch provoziert fühlen und dann riskant überholen." Dem Radler sei geraten worden, sich einen anderen Arbeitsweg zu suchen.

"Natürlich kann ich eine andere Route wählen, so wie es zwei Freunde von mir aus Angst vor genau dieser Stelle bereits machen", schreibt er den BNN. "Ich sehe es aber nicht ein, als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse behandelt zu werden."

Wenn Radfahrer mit Autos oder Fußgängern kollidieren

Das Mühlburger Tor ist vielleicht auch deswegen so unübersichtlich, weil dort viele verschiedene Verkehrsteilnehmer um den Platz auf der Straße konkurrieren. Neben Autos und Bussen passieren auch Straßenbahnen die Kreuzung von Kaiserallee und Reinhold-Frank-Straße, für Fahrradfahrer gibt es keine eigenen Abbiegespuren.

An den meisten Fahrradunfällen mit Personenschaden in Karlsruhe sind auch Pkw beteiligt: 2019 gab es in Karlsruhe 335 Unfälle zwischen Radlern und Autofahrern. Dem standen 49 Unfälle zwischen zwei oder mehreren Fahrradfahrern gegenüber.

107 Radfahrer sind ohne Beteiligung einer anderen Person verunglückt, weil sie etwa auf nasser Straße ausgerutscht oder gegen Hindernisse geprallt sind.



Die Zahlen von Unfallfluchten sind insgesamt relativ gering. Von allen 582 Fahrradunfällen in Karlsruhe 2019 ist nur bei wenigen Datensätzen vermerkt, dass einer der Hauptbeteiligten sich vom Unfallort entfernt hat. Allerdings waren dies häufiger Auto- als Fahrradfahrer.



Und wieso passieren all die Unfälle nun überhaupt? Um diese Frage zu beantworten, werfen wir abschließend noch einen Blick auf Unfallarten und -ursachen. Dabei wird schnell klar: Unfälle beim Kreuzen oder Einbiegen sind der mit Abstand häufigste Unfalltyp.



Radler fahren oft falsch, Autofahrer nehmen häufiger die Vorfahrt?

In den Daten des Karlsruher Polizeipräsidiums sind für beide Hauptbeteiligte pro Unfall jeweils bis zu drei Hauptursachen angegeben. So könnte zum Beispiel herausgelesen werden, dass ein betrunkener Radler auf der falschen Straßenseite fuhr und von einem abbiegenden Auto erfasst wurde, dessen Fahrer übermüdet war und die Ampelzeichen missachtet hatte.

Allerdings lassen sich diese Angaben nur begrenzt interpretieren. Insbesondere kann aus den Ursachen nicht auf die Schuldfrage geschlossen werden. Dennoch lohnt ein Blick darauf, wie häufig welche Gründe als Hauptursachen bei welchen Verkehrsteilnehmern angegeben werden.

So wird zum Beispiel sichtbar: Radfahrer fahren häufig auf der falschen Straßenseite oder auf dem Gehweg. Wenn eine Vorfahrtsverletzung als Hauptursache angegeben ist, liegt diese jedoch viel häufiger auf der Seite anderer Verkehrsteilnehmer, hauptsächlich bei Autofahrern.



- "Falsches Fahren": - "Geschwindigkeit": - "Vorfahrtsverstoß": - "Sonstiges":
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