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Teils erhebliche Kosten

Fall aus Karlsruhe: Wenn das Sozialamt Geld für den Elternunterhalt fordert

Erwachsene Kinder werden teils erheblich zur Kasse gebeten, wenn ihre Eltern pflegebedürftig werden. Betroffene müssen dem Sozialamt ihre Vermögensverhältnisse offen legen und mit teils erheblichen Kosten rechnen, wie ein Fall aus Karlsruhe zeigt.

Erwachsene Kinder pflegebedürftiger Eltern werden teils erheblich zur Kasse gebeten. Foto: N/A

Viele unruhige Nächte hat die Karlsruherin hinter sich. Der Brief vom Sozialamt kam aus heiterem Himmel und war ein Schock. Er forderte sie auf, ihre Vermögensverhältnisse darzulegen. Mittels ihrer Angaben setze das Amt dann eine Summe fest, die fortan monatlich als Elternunterhalt fällig werde, für ihren Vater im Pflegeheim.

Zahnzusatzversicherung gekündigt

Das passiert, wenn private Mittel für die Kosten jenseits der Pflegekassenleistungen nicht reichen, nicht vorhanden oder erschöpft sind. Im Schnitt zahlen deutsche Sozialämter für mittellose Pflegebedürftige pro Monat 500 bis 1 000 Euro.

Inzwischen ist der Bescheid da. Nun berappt die berufstätige Karlsruherin pro Monat über 300 Euro Elternunterhalt. Eine Versicherung für Zahnersatz hat sie gekündigt, um Fixkosten zu senken. Wenigstens die Zusatzvorsorge für ihr eigenes Alter will sie weiter speisen.

Das Amt erkennt die Kosten fürs Auto nicht an

Halten will sie auch das Auto. Das allerdings halten die Sachbearbeiter im Amt für verzichtbaren Luxus. Die Frau kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Arbeit gelangen. Da erkennt das Amt die Kosten für den Pkw nicht an.

Wie der Mittfünfzigerin in diesem authentischen, zum Schutz der Beteiligten nur verfremdeten Fall geht es immer mehr Menschen in der Mitte des Lebens. Zwar gibt die Sozial- und Jugendbehörde trotz Anfrage keine Auskunft darüber, von wie vielen Menschen sie Elternunterhalt verlangt. Doch sie teilt mit, dass rund 1 000 Heimbewohner über die Behörde „Hilfe zur Pflege“ beziehen. Die Namen ändern sich, die Länge der Liste sei aber konstant, so Silke Sarbacher von der Sozialrechtsstelle.

Bringt Gesetzesänderung Entlastung?

Im Alter pflegebedürftig zu werden, fürchten viele. Statistisch bleibt es zwei von drei Menschen erspart. Bei Unterhaltssachen aller Art schlagen Emotionen oft hoch, erklärt Karlsruhes Sozialamtsleiter Alfred Dietz. Wer aktuell zum Elternunterhalt verpflichtet werden soll oder bereits zahlt, erhofft Entlastung durch die geplante Gesetzesänderung.

Die angepeilte Grenze – 100 000 Euro brutto pro Jahr – sei praktikabel, und es sei gut, die Praxis zu ändern, betont die Leiterin der Sozial- und Jugendbehörde, Karina Langeneckert. „Altersarmut in Pflege würde das System sonst in die nächste Generation hinein fortsetzen.“

Mehr Information gewünscht

Typisch ist, unversehens mit dem Thema Pflege konfrontiert zu sein. Erste Anlaufstelle ist dann das Seniorenbüro mit Pflegestützpunkt der Stadt (Kaiserstraße 235 zwischen Leopold- und Hirschstraße). Das Informationsangebot umfasst auch die finanzielle Seite. Zum Thema Elternunterhalt berät gegebenenfalls das Sozialamt weiter.

Die betroffene Karlsruherin wünschte sich unabhängigere Auskunft, fand bundesweit aber kaum Informationen zu Elternunterhalt, die sich als verlässlich erwiesen. Und sie stellt fest: „Es ist schwierig, zu anderen Betroffenen Kontakt zu bekommen."

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