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Nestwärme zu Ostern

Flauschige Küken und jeden Tag ein frisches Ei: Das Huhn ist Trend

Eier direkt aus dem eigenen Garten gehören für Familie Gatzenmeyer aus Gaggenau zum Alltag. Das Huhn zieht inzwischen wieder auf die Grundstücke von Privatleuten. Die Gründe dafür liegen oft im Bewusstsein für das Tier und die Lebensmittel.

Hühner im eigenen Garten: Bei Familie Gatzenmeyer gackern gleich sechs Tiere auf dem Grundstück. Viele Privatleute wollen Eier aus eigener Produktion. Foto: Collet

Als Glucke bezeichnet zu werden, ruft bei den meisten Müttern nicht unbedingt eine positive Assoziation hervor. Doch in der Tierwelt bedeutet das im Grunde nur, dass eine Henne Küken, ausbrütet, sie großzieht, führt und beschützt. Unter ihren Flügeln schafft sie es, vor allem eines zu erzeugen: jede Menge Nestwärme. Und ohne die würde der flauschige Nachwuchs niemals zu einem großen Huhn heranreifen.

Die Küken schlüpfen in der behaglichen Wärme ihres Nests und ziehen sich dahin auch später immer wieder zurück, erklärt Klaus Steil, Vorsitzender des Kreisverbandes Karlsruhe der Rassegeflügelzüchter. Er selbst hält seit über 40 Jahren in Rheinstetten Hühner. „Der Mutterinstinkt eines Huhns ist sehr stark vorhanden.“ Ihr Nest verlässt die Glucke in der Brutzeit nur zum Trinken, Fressen und für ein kurzes Sandbad.

Die Glucke sorgt für die richtige Wärme

„Bei ihrer Geburt sind Küken noch nicht vollständig gefiedert. Das dauert sechs bis acht Wochen“, sagt Steil. Dennoch erkunden sie nach wenigen Tagen die Natur. Sobald es ihnen zu kalt wird, schlupfen sie in ihrem Nest unter die Glucke, welche ihnen wiederum reichlich Körperwärme abgibt – Nestwärme. „Je älter sie werden, desto selbstständiger sind sie und desto weniger brauchen sie das“, so Steil. „Wie bei Menschen und ihren Kindern.“

Deren Faszination für die Tiere sei groß. „Wir bekommen wöchentlich Anfragen von Privatleuten, die gerne ein paar Hühner im Garten halten möchten“, sagt er. Die örtlichen Vereine geben zu diesem Zweck auch Vögel ab.

Die Hühner gehören zur Familie

Sechs Hühner laufen bei Alex Gatzenmeyer frei auf dem Grundstück der Familie in Gaggenau herum. Marschiert mal eines über die Grundstücksgrenzen, bringen die Nachbarn es einfach zurück. „Sie kennen unsere Hühnerschar“, sagt die Familienmutter. Nur im Sommer müssen die Tiere innerhalb ihres Gatters bleiben: „Sonst zerpicken sie mir mein gesamtes Gemüsebeet.“

Jetzt haben wir jeden Tag sechs frische Eier.
Alex Gatzenmeyer aus Gaggenau

Den Impuls zur Haltung gab der inzwischen zehnjährige Sohn. Hühner und die industrielle Eierproduktion waren Thema im Grundschulunterricht, erinnert sich seine Mutter an den Moment vor vier Jahren. „Das fand er ganz schlimm.“ Platz im Garten war ausreichend vorhanden, zudem würden die Essensreste verwertet. „Jetzt haben wir jeden Tag sechs frische Eier“, sagt sie.

Nachhaltigkeit für zur Tierhaltung

Die Entscheidung der Familie beeinflusse seither nachhaltig das Bewusstsein für tierische Lebensmittel. „Wer Eier von seinen eigenen Hühner isst, weiß, mit was diese gefüttert und wie sie aufgezogen werden“, sagt Hühnerzüchter Steil. Zwei bis drei Tiere reichten schon aus, um sich selbst zu versorgen. „Am Ei erkennt man auch die Lebensqualität des Huhns“, sagt er. „Der Dotter hat eine kräftige gelbe Farbe.“

Es gibt den Menschen eben ein gutes Gefühl.
Manuel Denniger, Landwirt

Ein steigendes Bewusstsein gegenüber der Hühnerhaltung beobachtet auch Manuel Denninger, Landwirt und Inhaber des Geflügelhofs Denninger in Karlsbad. Auf täglichen Touren durch weite Teile des Landkreises Karlsruhe liefert er Hühnereier aus dem Betrieb zu den Kunden. „Wir haben ständig Zulauf“, sagt er. Etwa 10.000 Plätze für das Geflügel bietet sein Hof.

Das Nest sei immer die dunkelste Stelle im Stall. „Damit die Glucke ihre Ruhe hat.“ Dass ihm Privatleute nacheifern und zur Selbstversorgung tendieren, sieht er jedoch nicht als Konkurrenz. „Es gibt den Menschen eben ein gutes Gefühl“, so Denninger. „Aber sie müssen sich auch ihrer Pflicht bewusst sein, jeden Tag für die Tiere zu sorgen.“

Bürger schließen sich zusammen für eine Schar an Hühnern

Die Arbeit teilen sich in der Hühnergruppe des Vereins Neue Allmende – Gemeinschaft für nachhaltiges Wirtschaften Karlsruhe daher gleich sieben Parteien. „Jeder ist an einem anderen Tag der Woche dran“, erklärt Cordula Springer. Füttern, Stallsäubern und andere Arbeiten stehen auf dem Programm. „Das erdet und gleicht aus“, sagt sie. Seit vier Jahren hält die Gruppe im Stadtteil Grötzingen auf einer Streuobstwiese ihre eigene Schar aus rund 20 bis 30 Hühnern. Der Gedanke dahinter: Nachhaltigkeit und Lebensmittel aus eigener Produktion.

Akzente gegen Industrie

In Deutschland werde besonders die Diskussion um Legehennen sehr emotional geführt. „Wenn sich Privatleute Hühner anschaffen, wollen sie oft einen Akzent setzen, dass sie nicht einverstanden sind“, vermutet Springer. Hühnerhaltung sei nicht außergewöhnlich schwierig oder teuer. „Die Tiere haben eine strenge Hackordnung, aber mit der Zeit werden sie auch zahm.“

Auch für seine Nachzucht sorgt der Verein selbst – allerdings mit Brutapparaten und zugekauften Eiern. „Für Zucht und Brut in den Nestern braucht man viel mehr Wissen“, so Springer. „Wir können die Küken aber schlüpfen sehen. Das ist jedes Jahr beeindruckend.“

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