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Der Karlsruher Kommandant im Portrait

Florian Geldner arbeitet in seinem Traumberuf als Feuerwehrkommandant in Karlsruhe

Seit Juni 2015 ist Florian Geldner Leiter der Branddirektion Karlsruhe und Kommandant der Berufs- und der 16 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr. Auch ihm als Profi bleibt manches mehr in Erinnerung: etwa das Feuer im Karlsruher Zoo.

Schon als Kind wolle Florian Geldner Feuerwehrmann werden. Er ist Leiter der Branddirektion Karlsruhe und damit auch Kommandant der Berufs- und der 16 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in der Fächerstadt. Foto: ARTIS - Uli Deck

Bei der Antwort auf die Frage, ob er in seinem Traumberuf arbeite, muss Florian Geldner keine Sekunde überlegen: „Absolut“, sagt er. „Ich wollte schon immer Feuerwehrmann werden und nichts anderes!“

Seit fünfeinhalb Jahren ist er nun schon Leiter der Branddirektion Karlsruhe und damit auch Kommandant der Berufs- und der 16 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in der Fächerstadt. Als der Gemeinderat ihn im Juni 2015 in dieses verantwortungsvolle Amt wählte, war er gerade mal 33 Jahre alt.

„Ich war schon immer und überall einer der Jüngsten“, sagt Geldner, der auch die Schule und sein Bauingenieur-Studium im Eiltempo durchlief. „Bauingenieur wurde ich für den Fall, dass es mit der Feuerwehr aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte.“ Ein Jahr arbeitete er sogar in diesem Beruf, bevor er 2010 zur Karlsruher Berufsfeuerwehr wechselte.

Als Leiter der Branddirektion ist Geldner auch Chef der Katastrophenschutzbehörde und als solcher musste er sich im vergangenen Jahr sehr viel mit dem Thema Corona befassen. „Wir sind seit einem Jahr fürs Krisenmanagement der Pandemie zuständig“, sagt der vierfache Vater.

Unter anderem habe man die Impfzentren aufgebaut und viele Masken beschafft. „Die Schwerpunkte unserer Arbeit haben sich dadurch schon verschoben.“

Kameradschaft spielt große Rolle

Geändert hat sich auch viel für die Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr. Wegen der strengen Hygieneregeln trifft man sich nur noch in kleinen Einheiten und bei den Freiwilligen Feuerwehren mussten nicht nur monatelang alle Übungen ausfallen, sondern auch alle Freizeitveranstaltungen.

„Gerade bei den Freiwilligen spielt die Kameradschaft aber eine große Rolle“, weiß Geldner, der einst als 13-Jähriger in die Jugendfeuerwehr seines damaligen Wohnorts Marbach am Neckar eintrat.

„Wir sind die Guten“

Während Polizei und Sanitäter oder Notärzte zuletzt immer häufiger Angriffe auf Rettungskräfte beklagten, bleibt die Feuerwehr laut Geldner davon noch weitgehend verschont. Nur „in geringem Umfang“ könne man feststellen, dass der Ton grober und respektloser werde.

„Und wenn es dann mal einen Zwischenfall gibt, bin ich jedes Mal schockiert.“ Wie damals, als ein Zeitgenosse die Stoßstange eines im Einsatz befindlichen Feuerwehrautos wegtrat. „Wir haben nun mal große Fahrzeuge und da müssen wir manchmal auch so halten, dass andere behindert werden.“

Insgesamt aber, so freut sich Geldner, sei die Feuerwehr außerordentlich beliebt bei den Menschen. „Wir sind die Guten und wir kommen, um zu helfen.“ Nicht umsonst sei die Feuerwehr bei vielen Umfragen seit Jahren unangefochtener Spitzenreiter, wenn es um die „angesehensten Berufe“ geht.

Anspruchsvolle Prüfung

Wer heute in den mittleren Dienst der Berufs-Feuerwehr wechseln möchte, der hat laut Geldner durchaus gute Chancen. „Zwar gibt es auf zehn Stellen etwa 100 Bewerber, aber viele schaffen die anspruchsvolle Prüfung nicht.“

Zwei Tage lang muss man nicht nur schriftliche Aufgaben lösen, sondern auch sportliches und handwerkliches Geschick beweisen. Unter anderem gilt es, möglichst schnell eine 30 Meter hohe Feuerwehrleiter hochklettern. Das ist nicht jedermanns Sache…

Zur Person

Florian Geldner wurde am 15. Januar 1982 in Ludwigsburg geboren und wuchs in Marbach am Neckar und vier Jahre lang in den USA auf. Nach seinem Studium in Stuttgart arbeitete er ein Jahr als Bauingenieur, bevor er 2010 zur Berufsfeuerwehr Karlsruhe wechselte, die er seit Juni 2015 leitet. In seiner Freizeit geht er laufen oder bouldern (klettern in der Halle ohne Sicherung). Im Alltag ist er fast immer mit dem Fahrrad unterwegs. Mit seiner Frau und vier Kindern im Alter zwischen einem und neun Jahren lebt er in Durlach.

251 Einsatzbeamte hat die Karlsruher Berufsfeuerwehr im Moment: Nur drei davon sind Frauen. Insgesamt arbeiten in der Branddirektion 275 Mitarbeiter, davon 17 weibliche. Höher ist der Anteil bei den Freiwilligen Feuerwehren: Unter den 684 Aktiven in Karlsruhe sind immerhin 89 Frauen.

3.500 Einsätze pro Jahr

Zu rund 3.500 Einsätzen wird die Karlsruher Feuerwehr pro Jahr gerufen, die Hälfte davon sind Brände (inklusive der Fehlalarme). Das Spannende am Job sei unter anderem, so Geldner, dass praktisch jede Sekunde etwas passieren könne.

Bei Großeinsätzen fährt er, der sich mit zwei Kollegen „ganz normal im Führungsdienst abwechselt“, selbst mit raus, um den Einsatz zu leiten. „Tagsüber bin ich mehr oder weniger Manager, aber Feuerwehrchef bin ich rund um die Uhr.“

Explodierende Sauerstoffflaschen

Fragt man Geldner nach einem besonders spektakulären Einsatz der Feuerwehr, fällt ihm sofort ein Vorfall aus dem August 2015 ein. „Da gab es in der Honsellstraße einen eigentlich harmlos aussehenden Fahrzeugbrand. „Der Kleinlaster hatte allerdings Sauerstoffflaschen geladen, die kurz nach dem Eintreffen der Feuerwehr explodierten.

Einige Kollegen wurden meterweit durch die Luft geschleudert. Es gab mehrere Verletzte.“ Auch an das Feuer im Zoo im November 2010 erinnert sich Geldner natürlich, obwohl er an diesem Tag nicht im Dienst war. Unvergessen für ihn sind die große Betroffenheit und Trauer innerhalb der Bevölkerung, die dieser Brand auslöste.

Feuerwehr ist eine große Familie

Gibt es eigentlich so etwas wie einen positiven „Feuerwehrvirus“, der junge Leute zur Feuerwehr bringt? „Ja“, sagt Geldner, „den hatte und habe ich auch“. Und dieser Virus schweißt zusammen. Nicht zuletzt wird die Feuerwehr auch immer gerne als große „Familie“ bezeichnet.

Eine Familie, die in Karlsruhe bald umziehen wird, denn die neue Hauptfeuerwache in der Wolfartsweierer Straße ist fast fertig. „Wir ziehen Ende April um“, freut sich Geldner. Die 1926 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Haupt­feu­er­wa­che in der Ritter­stra­ße entspricht heute nicht mehr den Standards, die an eine Feuerwache zu stellen sind.

Katzen und Kinder vom Baum geholt

Letzte Frage an den Kommandanten: „Wie viele Katzen holt die Feuerwehr pro Jahr von den Bäumen?“ Geldner lacht: „Das sind tatsächlich immer so etwa zehn. Wobei es nicht nur Katzen sind, sondern auch andere Tiere wie Waschbären oder Schlangen.“

Und hin und wieder passiert es sogar, dass man ein kletterfreudiges Kind, das hoch oben in einem Baum sitzt und sich nicht mehr herunter traut, aus dem Wipfel befreien muss. Gut möglich, dass dieses Kind dann so begeistert von seinen Rettern ist, dass es später auch mal zur Feuerwehr gehen möchte.

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