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Hilfe für die Spargel-Erzeuger

Flugzeuge mit Erntehelfern aus Rumänien am Baden-Airpark gelandet

Durch die Corona-Krise bangen die Landwirte um ihre Ernte - weil viele Helfer fehlen. Am Donnerstag sind auf dem Baden-Airpark jetzt die ersten Flugzeuge mit Saisonarbeitern aus Osteuropa gelandet. Viele Landwirte erwarteten ihre Helfer ungeduldig direkt am Flughafen.

Corona-Krise: Rumänische Erntehelfer mit Atemmasken kommen am Baden-Airpark an. Foto: Spether

Martin Walther musste nach der langen Anreise auch noch lange warten. Mit 50 Minuten Verspätung landete der erste von sieben Fliegern mit Erntehelfern aus dem rumänischen Cluj an diesem Donnerstag am 14.50 Uhr auf dem Baden-Airpark in Rheinmünster-Söllingen.

Walther und viele andere Landwirte warteten da bereits vor dem Terminal. Rund 1.300 Rumänen werden an diesem Tag in den sieben Flugzeugen an Bord sein. Walther nahm fünf davon mit auf die 250 Kilometer lange Reise zurück nach Spalt, südwestlich von Nürnberg, wo seine Familie einen Sonderkulturen-Betrieb betreibt. Ohne die Helfer aus Rumänien, sagt Walther, hätte sie in Bezug auf die Spargelernte wohl nur noch zehn bis 15 Tage durchgehalten. Auch Stefan Huber, vom Huber-Hof in Iffezheim nimmt fünf Rumänen in Empfang, 189 insgesamt waren mit dem ersten Flug gekommen. Huber sagt: „Leider waren die Kontingente vergriffen, wir erwarten aber nächste Woche noch einmal 25.“

Erleichterung über Lockerung der Einreisebeschränkungen

Die Spargel-Erzeuger aus Deutschland sind erleichtert, dass die Bundesregierung vor einer Woche die Einreisebeschränkungen für Erntehelfer aus Osteuropa gelockert hat. Je 40.000 Menschen, vorwiegend Rumänen, dürfen nun im April und Mai einreisen. Normalerweise arbeiten rund 148.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa auf deutschen Feldern im Jahr. Im Corona-Jahr 2020 erwartet Simon Schumacher, Geschäftsführer vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeerbauern (VSSE) in Bruchsal, mindestens 20 Prozent weniger Erntehelfer.

Über eine eigens frei geschaltete Webseite des Deutschen Bauernverbands können seit Anfang dieser Woche Betriebe ihren Bedarf anmelden, seit diesem Donnerstag fliegen die ersten Flieger mit Erntehelfer acht Flughäfen in Deutschland an. Auch den Baden-Airpark, wo in den nächsten Tagen weitere Flugzeuge aus Rumänien erwartet werden. Die Flugtickets müssen die Bauern selbst bezahlen, Walther kostet das 280 Euro pro Person. Normalerweise reisen die Erntehelfer mit dem Auto oder im Kleinbus an und tragen die Kosten selbst.

Landwirte aus halb Deutschland sind gekommen

In Zeiten von Corona holen die Bauern die Arbeiter mit kleinen oder großen Bussen vom Flughafen ab. Im Baden-Airpark ist wieder einmal etwas los, der Flugverkehr ist wegen der Corona-Krise ja lahmgelegt. An diesem Donnerstag aber kommen die Bauern - aus Baden, der Pfalz, Bayern und Hessen, auch ein Bauer aus Gifhorn hat eine sechs Stunden lange Fahrt aus Norddeutschland auf sich genommen, um die dringend nötige Hilfe für die Spargelernte abzuholen.

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Die Saisonarbeiter müssen - noch bevor ihre Papiere von der Bundespolizei geprüft werden – durch einen Corona-Check. Ein Arzt vom Gesundheitsamt in Rastatt und vier Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) nehmen die ersten Ankommenden in Augenschein und messen Fieber. Auf Drängen des Landratsamts Rastatt mussten sich die Rumänen in ihrem Heimatland ein ärztliches Attest besorgen, das eine Corona-Infizierung ausschließt.

Dabei hat viele Osteuropäer neben der Flugangst auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus in Deutschland, zögern lassen. Hierzulande ist die Infektionsrate aktuell deutlich höher als in Rumänien. Vieles ist mit heißer Nadel gestrickt seit dem Go von der Bundesregierung. „Ich bin froh, dass sie sich rüber trauen“, sagt Landwirt Walther. Stefan Huber aus Iffezheim kann verstehen, dass langjährige Vorarbeiter aus Polen, die jenseits der 50 sind, dieses Jahr wegen Corona nicht kommen. Weh tut das ihm aber sehr.

Die Dinge müssen sich einspielen, die Aktion ist ja keine Eintagsfliege, wir erwarten ja weitere Flüge in den nächsten Tagen und Wochen.
Martin Stiebitz, Bereitschaftsleiter des DRK vom Kreisverband Bühl/Achern

Martin Stiebitz überwacht die Gesundheitskontrollen am Baden-Airpark, der Bereitschaftsleiter des DRK vom Kreisverband Bühl/Achern sagt: „Die Dinge müssen sich einspielen, die Aktion ist ja keine Eintagsfliege, wir erwarten ja weitere Flüge in den nächsten Tagen und Wochen.“ Es gehe um eine schnelle Einschätzung. Nach dem ersten Flug stockte er die DRK-Mitarbeiter von vier auf sechs nach oben, um schneller arbeiten zu können.

14 Tage Quarantäne

Die Landwirte müssen dafür sorgen, dass die Erntehelfer 14 Tage in Quarantäne leben nach ihre Ankunft, sie dürfen keinen Kontakt mit der Bevölkerung und den anderen Arbeitern haben. Der Franke Martin Walther bringt seine Arbeiter in einer Ferienwohnung unter, am Samstag geht es für sie los auf dem Feld, Stefan Huber die seinen auf dem Gelände des Betriebes in Miet-Containern, „ein kleines Quarantänedorf“ sei das, sagt er. Er hätte sich das lieber erspart.

Einen Einbruch bei der Ernte werden er und Walther aber trotz der Helfer bei der Spargelernte erleben. Walther sagt, er wird rund 30 bis 40 Prozent weniger Spargel produzieren in diesem Jahr. Die Gastronomie ist als Abnehmer weggebrochen, Betriebe, die ausschließlich ihren Spargel an Gaststätten und Restaurants verkaufen, sind in ihrer Existenz bedroht. Martin Walther sagt: „Ein Jahr kann ich so durchhalten, aber zwei?“

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