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„Was fehlt“

Förderkreis Kultur Karlsruhe ist seit 13 Monaten „außer Betrieb“

Mit Konzerten und Comedy bespielt der Förderkreises Kultur Karlsruhe üblicherweise mehrere Hallen und Säle in der Region. Seit Beginn des ersten Lockdowns läuft die Arbeit im Verborgenen als ständiger Verschiebebahnhof.

Beim Auftritt von Allan Taylor (Mitte) im Mai 2019 im Schalander Karlsruhe entstand dieses Bild mit Thomas Pfettscher und Roland Brecht links und rechts von dem Sänger, gemeinsam mit Helfern aus ihrem Team und Technikern. Foto: Förderkreis Kultur

Roland Brecht und Thomas Pfettscher sind Veranstalter. Je besser sie veranstalten, desto unsichtbarer sind sie für das Publikum, das die Konzerte, Comedyshows oder andere Programmangebote besucht. So unsichtbar, dass sie auch in der Coronakrise schnell übersehen werden.

Brecht und Pfettscher sind Teil des Förderkreis Kultur Karlsruhe und aktuell „außer Betrieb“, wie sie es nennen. Begonnen hat die Zwangspause für sie am 14. März 2020. In der Badnerlandhalle Neureut sollte die Band Field Commander C. auftreten. Das Konzert war quasi ausverkauft, die Musiker waren für die letzten Proben vorab nach Karlsruhe gekommen. Am Vortag des Konzerts kam der Anruf vom Ordnungsamt: Veranstaltungsverbot.

Weitere 22, zum Teil ausverkaufte Veranstaltungen des Förderkreises, konnten nicht stattfinden, drei davon mussten ersatzlos abgesagt werden. Die anderen 19 werden seitdem verlegt, teilweise zum wiederholten Mal.

Die Arbeit gleicht einem dauernden Verschiebebahnhof.
Roland Brecht, Förderkreis Kultur Karlsruhe

Das bedeutet nicht nur finanzielle Ausfälle, sondern auch eine Menge zusätzlicher Arbeit und noch mehr Organisationsgeschick. „Die Arbeit gleicht einem dauernden Verschiebebahnhof“, so die Veranstalter. Zudem hängen meistens ganze Tourneen der gebuchten Künstler an den Veranstaltungen.

„Es ist ein hohes Maß an Flexibilität erforderlich“, sagt Roland Brecht, der beim Förderkreis für das Booking verantwortlich ist. Da muss nicht nur ein Termin gefunden werden, der für die Künstler in den Tour- und den Veranstaltern in den Zeitplan passt, es müssen auch die Technikfirmen und die Räumlichkeiten Kapazität haben - ein Nachteil, wenn man kein eigenes Haus mit eigenen Technikern hat.

Vor- und Nachteile der Arbeit ohne eigenes Haus

Es hat aber auch den Vorteil, dass keine laufende Miete fällig ist. Die Veranstalter und die Veranstaltungsorte unterstützen sich gegenseitig und die reservierten Termine konnten unbürokratisch verschoben werden. Dennoch gibt es ein finanzielles Loch. Mitte 2020 hat der Förderkreis Kultur die so genannte Soforthilfe bekommen, auf die November- bzw. Dezemberhilfe 2020 wurde ein Antrag gestellt, auf die Auszahlung warte man noch.

Die Unterstützungsprogramme seien laut Förderkreis zwar zeitintensiv und die Auszahlung dauert, dennoch sind sie dankbar.

„Dass seit über einem Jahr eine ganze Branche nicht mehr arbeiten kann, wird aus unserer Sicht jedoch zu wenig beachtet“, so die Leiter. Sie betonen vor allem, dass sich die Menschen in der Branche bewusst für eine künstlerische Arbeit entschieden haben: „Was diese Zwangspause mit all diesen Menschen und ihrer Kunst macht – dieser Frage sollte die Politik auch nachgehen“.

Hoffnung auf Herbstkonzerte

Bei der Frage nach der Zukunft, ist man sich im Förderkreis ziemlich sicher, dass auch in der zweiten Jahreshälfte 2021 noch keine Stehkonzerte wie vor der Pandemie umsetzbar sind. Und auch bei Sitzplatzveranstaltungen bleibt noch ungewiss, was geht und umsetzbar ist. Hier sehe man nur mit vielen Tests und mehrheitlich geimpfter Bevölkerung eine mögliche Verbesserung für die Branche. Für die in den Herbst verschobenen Konzerte hofft man im Moment noch.

Mit dabei sind da etwa Konstantin Wecker mit Orchester, die Show Moving Shadows und die Tributeband The Doors Alive. Von Livestreams oder Autokonzerten habe man schon im letzten Jahr abgesehen: „Sie sind für uns keine Ersatzmöglichkeit für kulturelle Liveerlebnisse“.

Das große Glück im Unglück für den Förderkreis ist, dass alle vier derzeit dort Beschäftigten noch einem anderen Job nachgehen. Um ihre Existenz bangen sie also nicht. „Wir sehen mit einer gewissen Hoffnung in das Veranstaltungsjahr 2022“, so Pfettscher und Brecht. Für die unabhängigen Veranstalter ist die größte Angst, dass die vielen nötigen Partner wie Künstler, Agenturen, Technik- und Personalfirmen bis dahin nicht mehr durchhalten. „Diese Menschen und Unternehmen müssen von der Insolvenz bewahrt werden, wenn man weiterhin Kulturereignisse professionell durchführen möchte.“

Der Förderkreis Kultur Karlsruhe freut sich nach der Pandemie vor allem wieder auf das Zusammentreffen und die Kommunikation mit den vielen Partnern, die sie schon seit vielen Jahren kennen und natürlich auch auf die Zuschauer und das Live-Gefühl. „Das kann durch nichts ersetzt werden. Kultur ist etwas, was gemeinsam erlebt wird – auf dieses Erleben freuen wir uns.“

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