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Vor allem Waldstadt betroffen

Folgen der Dürresommer: In Karlsruhe werden zahlreiche kranke und beschädigte Bäume gefällt

Drei trockene Sommer in Folge haben in den Karlsruher Wäldern ihre Spuren hinterlassen. Deutlich mehr Bäume als üblich mussten wegen Schäden durch Trockenheit gefällt werden. Besonders betroffen sind Baumbestände in der Waldstadt. Das gefällt aber nicht allen Anwohnern.

Kahlschlag: Auf einem Privatgrundstück an der Schneidemühler Straße in der Waldstadt wurden zahlreiche Bäume gefällt, Foto: Jörg Donecker

Die vielen gefällten Bäume hinter seiner Wohnung in der Waldstadt beobachtet Reinhard Tischer mit Sorge. „In der Waldstadt werden im Winter fast täglich irgendwo Bäume gefällt“, sagt Tischer. „Aber in diesem Ausmaß habe ich das noch nicht erlebt.“ Der Baumbestand auf dem Gelände zwischen den Gebäuden Schneidemühler Straße 24 und 26 sei in den vergangenen Wochen systematisch ausgedünnt worden.

Anwohner seien dabei nicht informiert worden und auch eine Anfrage bei der Stadtverwaltung führte zu keinen neuen Erkenntnissen. Er könne sich zwar gut vorstellen, dass die Bäume nach drei trockenen Sommern krank waren und gefällt werden mussten, so Tischer, aber aus Naturschutzgründen sehe er die Maßnahme durchaus kritisch.

Privatleute müssen Baumfällungen vom Amt genehmigen lassen

Im Gartenbauamt ist die Frage nach dem Sinn und Zweck der Maßnahme bereits angekommen, bestätigt Evelyn Burkart von der Baumschutzabteilung auf Anfrage der BNN. „Es handelt sich um ein Privatgrundstück und die Genehmigung für das Fällen von Bäumen wurde erteilt“, so Burkart.

In den kommenden Tagen wollen die Baumschützer des Gartenbauamts überprüfen, ob eventuell zu viele Bäume entfernt wurden. Auf die Schnelle könne sie den Sachverhalt allerdings nicht klären. Der Grund: In Karlsruhe wurden in diesem Jahr wieder mehrere Hundert Anträge zum Fällen von Bäumen gestellt und bis zum meteorologischen Winterende am 28. Februar hat das Gartenbauamt deshalb noch alle Hände voll zu tun.

Welche Bäume gefällt werden dürfen, wird durch die städtische Baumschutzsatzung geregelt. Bäume außerhalb des Waldes, die einen Meter über dem Boden einen Umfang von 80 Zentimeter haben, stehen prinzipiell unter Schutz. Bei Obstbäumen beträgt der Mindestumfang 1,50 Meter, bei Eiben, Buchsbäumen und Stechpalmen 40 Zentimeter.

Eine Ausnahme vom Schutzstatus kann das Gartenbauamt in begründeten Fällen erteilen, etwa wenn der Baum krank ist und herabfallende Äste eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer oder Fußgänger darstellen. Bei unerlaubten Eingriffen in einen geschützten Baumbestand drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.

Gefällt werden dürfen Bäume in Baden-Württemberg lediglich von Anfang Oktober bis Ende Februar.

Holzernte im Staatswald läuft noch auf Hochtouren

Die Baumpfleger des Gartenbauamts haben in diesem Winter ebenfalls viel Arbeit. Etwa 1.200 alte und kranke Bäume in Grünanlagen, auf Spielplätzen und an Straßen mussten zum Schutz der Bürger gefällt werden, größere Fällungen gab es in der Waldstadt, an der Südtangente, an der B 36 und an der Putlitzstraße in der Südweststadt.

Wegen Dürreschäden mussten in diesem Winter nach Angaben des Gartenbauamts deutlich mehr Bäume gefällt werden als üblich. Deshalb blieb auch die Zahl der Neupflanzungen um rund 200 hinter der der gefällten Bäume zurück.

Die Forstämter nutzen die Herbst- und Wintermonate ebenfalls für das Fällen von abgestorbenen oder stark beschädigten Bäumen sowie die planmäßige Holzernte. Alleine im Staatswald wurden in diesem Jahr bereits 6.500 Meter Holz geschlagen. Noch weitere 1.300 Festmeter sind geplant, teilt Hardtwald-Revierleiter Christoph Weihrauch vom Forst Baden-Württemberg mit.

Eine größere vollautomatische Holzernte von 800 Festmetern ist dabei am Pfinz-Entlastungskanal geplant. Viele Bäume mussten laut Weihrauch in diesem Jahr wieder außerplanmäßig gefällt werde. Gründe waren die Trockenheit in den vergangenen Jahren, die vor allem im Hardtwald einen großen forstwirtschaftlichen Schaden verursacht hatte, sowie das Eschentriebsterben.

Anteil der kranken Bäume ist stark angestiegen

In den städtischen Wäldern haben die Dürresommer auch ihre Spuren hinterlassen. Der Anteil von geschädigten Bäumen an der gesamten Holzernte stieg nach Auskunft des Forstamts in den vergangenen vier Jahren von einem auf 55 Prozent. Und im vergangenen Winter musste wegen des Eschentriebsterbens eine größere Waldfläche beim Erlachsee im Oberwald komplett geräumt werden.

In diesem Winter beläuft sich die Holzernte im Stadtwald auf 9.500 Festmeter. Außerdem war das städtische Forstamt während der Vegetationsruhe noch mit Rückschnitten und Fällungen zur Wahrung der Verkehrssicherheit entlang von viel befahrenen Autostraßen wie der Theodor-Heuss-Allee beschäftigt.

Aktuell laufen laut Fortstamtsleiter Ulrich Kienzler noch Verkehrssicherungsmaßnahmen an der verlängerten Gustav-Heinemann-Allee sowie in der Waldstadt. Neue Holzerntemaßnahmen werden wegen der beginnenden Brut- und Setzzeit im Stadtwald allerdings nicht mehr begonnen.

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