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Weltgrößte Messe in Köln

Gamescom: So wichtig ist Karlsruhe für die Videospiel-Branche im Südwesten

Die Spiele-Messe Gamescom wächst von Jahr zu Jahr mit dem Markt. Wie die Besucherzahlen klettert auch der Umsatz der Branche. Auch eine größere Zahl von Politikern mischt sich deshalb unter die Computerspiel-Freunde auf dem Messegelände in Köln – es geht vor allem um Fördergelder.

Am Dienstag war Medien- und Fachbesuchertag auf der Gamescom. Foto: Benjamin Horn/Imago Images

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist zur Eröffnung gekommen. Und natürlich lässt sich Dorothee Bär, Staatssekretärin für Digitalisierung, einen Besuch nicht nehmen. Die CSU-Politiker liefern sich sogar ein Duell an der Konsole – Bär macht dabei den etwas professionelleren Eindruck. Deshalb sind sie aber letztlich nicht hier. In erster Linie geht es um die Wirtschaftskraft der Spielebranche. Und ums Geld.

Henriette Reker, Andreas Scheuer und Dorothee Bär bei der Eröffnung der weltgrößten Computerspielmesse Gamescom 2019. Foto: xJ.xKrickx/xFuturexImage/Imago Images

Die nationale Branche wünscht sich eine stärkere finanzielle Förderung, um international mithalten zu können. Scheuer sicherte zu, weiterhin die im Koalitionsvertrag verankerte Förderung von 50 Millionen Euro fließen zu lassen.

Und ergänzte: „In jeder meiner Prioritätenlisten steht die Förderung der Games-Branche an erster Stelle.“ Ob und wie lang das Geld tatsächlich weiter fließt, ist unklar. Für die Branchenvertreter steht aber unabhängig davon fest: Es darf gerne etwas mehr sein.

Branche gewinnt im Südwesten an Bedeutung – Förderungen weiter nötig

„Eine erhöhte Förderung wäre wichtig, um aufzuschließen mit anderen Länderförderungen“, sagt beispielsweise Angela Frank. Sie ist Unitleiterin Kultur- und Kreativwirtschaft bei der Medien- und Filmgesellschaft (MFG) Baden-Württemberg.

Auch für den Südwesten gewinnt die Games-Branche an Bedeutung. 61 Entwickler und Publisher mit knapp 950 Beschäftigten – 2018 waren es lediglich etwa 820 – haben laut MFG ihren Sitz im Südwesten. Zählt man Bildungseinrichtungen, Dienstleister und andere Institutionen dazu, die mit dem Spiele-Sektor verknüpft sind, habe die Branche sogar über 1 700 Beschäftigte. Bundesweit sind es knapp 28 000.


Drei Fragen an Tom Burck vom Karlsruher Spiele-Entwickler Gameforge

Welche Spiele-Trends zeichnen sich auf der diesjährigen Gamescom ab?

gamescom2 Foto: None

Welche Rolle spielt die Messe für die Unternehmen aus dem Südwesten? Wie bringt sich Gameforge auf der Gamescom ein?

Viele kleine Studios haben Sitz im Raum Karlsruhe

Ein Schwerpunkt in Baden-Württemberg bildet der Raum Karlsruhe. Hier haben neben Branchengrößen wie Gameforge und Flaregames auch viele kleine Studios ihren Sitz. Die MFG will die Gamescom vor allem nutzen, um diese bekannter zu machen. Es gelte „noch weiter auf die Stärken des Standortes hinzuweisen“, so Frank.

Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, „dass das Land und die Unternehmen Präsenz auf der Gamescom in Köln“ zeigen. Etwa 23 Firmen aus dem Südwesten sind beim weltweit wohl wichtigsten Branchentreffen dabei.

Baden-Württemberg hat laut MFG vor allem im Bereich Entwicklung „großes Potenzial“. Frank betont, dass die Hochschulabsolventen hier eine entscheidende Rolle spielen. Sie kann sich aber auch vorstellen, dass es künftig verstärkt zu „crossinnovativen Kooperationen“ zwischen Industrie, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie den Spiele-Firmen kommt.

Um diese Neuheiten geht es auf der Gamescom

Über diese Dinge wird in Köln hinter den Kulissen gesprochen. Wenn das breite Publikum in die Hallen strömt, geht es jedoch in erster Linie um Neuheiten. An dieser Stelle haben meist die Anbieter aus dem Ausland die Nase vorn. Google stellt etwa seinen Dienst Stadia vor. Er soll es ermöglichen, dass Spiele direkt aus einer Cloud heraus gezockt werden können. Dadurch lassen sich auch aufwendige Entwicklungen beispielsweise am Smartphone spielen, weil sie nicht heruntergeladen werden müssen.

Sony oder Microsoft kontern mit ähnlichen Angeboten. Allerdings ist dort im Gegensatz zum Google-Dienst weiterhin eine Spielkonsole als Basis notwendig. Dem Cloud-Gaming wird in der Branche generell eine große Zukunft vorausgesagt. Doch auch die deutschen Anbieter wollen in Köln nicht zurückstecken. Klassiker wie „Siedler“ oder die „Anno“-Reihe vom Hersteller Ubisoft Blue Byte sollten wieder viele Fans bis einschließlich Samstag in Köln vor die Bildschirme ziehen.

Gaming als innovativer Wirtschaftszweig und deutsches Kulturgut
Staatssekretärin Dorothee Bär

Die Messe wird die Verkaufszahlen weiter beflügeln. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz in Deutschland um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, wie der Branchenverband game mitteilte. „Wer sich bewusst macht, dass jeder zweite Deutsche spielt und die größte Spielergruppe die über 50-Jährigen sind, dem wird klar: Gaming ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Staatssekretärin Bär. Sie wolle sich persönlich dafür einsetzen, dass „Gaming auch als innovativer Wirtschaftszweig und deutsches Kulturgut noch weiter etabliert wird.“

Damit stößt sie beim Branchenverband game auf offene Ohren. Dessen Geschäftsführer Felix Falk betonte: „Auf der Gamescom wird für jeden sichtbar, dass Games Millionen Menschen bewegen, technologische Innovationen vorantreiben und ein bedeutender Kultur- und Wirtschaftsfaktor sind. Dieses enorme Potenzial müssen wir auch in Deutschland stärker als bisher nutzen.

Während kostümierte Fans durch die Hallen ziehen, wird also vermutlich weiter kräftig um die Förderung gefeilscht.

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