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Drei Frauen für Kretschmann

Grüne setzen im Landkreis Karlsruhe auf weibliches Trio

Frauen stärken Frauen? Die drei Landtagskandidatinnen der Grünen im Landkreis Karlsruhe wollen sich bei der Kanzlerfrage „Annalena Baerbock oder Robert Habeck“ noch nicht festlegen.

Ungeklärte Frage: Wer bei den Grünen bei der Bundestagswahl als Kanzlerkandidat antritt, Annalena Baerbock oder Robert Habeck, steht noch nicht fest. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Von den Parteien, die Mitte März bei der Landtagswahl antreten, weisen die Grünen laut Statistischem Landesamt mit 45,7 Prozent den höchsten Frauenanteil unter den Kandidaturen auf. Landesweit liegt der Frauenanteil bei den Kandidaturen insgesamt bei 26,7 Prozent.

Im Landkreis Karlsruhe gehen mit Andrea Schwarz (Wahlkreis Bretten, seit 2016 im Landtag), Barbara Saebel (Wahlkreis Ettlingen, seit 2016 im Landtag) und Nicole Heger (Wahlkreis Bruchsal) gleich drei Frauen ins Rennen.

Die BNN haben die Grünen-Politikerinnen zur Kanzlerkandidatur, Landwirtschaft der Zukunft, die Tradition des Einfamilienhauses und der Pandemie befragt.

Annalena Baerbock oder Robert Habeck?

Die Grünen auf Bundesebene machen es spannend. Noch immer haben sie nicht die Frage geklärt, welcher der beiden Parteichefs, Annalena Baerbock oder Robert Habeck, die Kanzlerkandidatur übernimmt.

Die Landtagskandidatinnen aus dem Landkreis Karlsruhe zeigen sich bei dieser Frage sehr zurückhaltend, wollen keine Position beziehen. Frauen stärken also nicht unbedingt Frauen? „Ich halte beide für sehr kompetent, ich habe noch keinen Favoriten“, sagt Nicole Heger.

Landtagswahl_Bruchsal_Heger_Grüne Foto: Dennis Williamson.

Auch Andrea Schwarz erklärt: „Ich habe mich noch nicht entschieden. Das lasse ich noch auf mich zukommen.“ Barbara Saebel hält die Frage vor der Landtagswahl nicht für „vordringlich“. Konkret werden die Frauen nur bei Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Er hat den Mut und die Besonnenheit, Baden-Württemberg voranzubringen“, meint Andrea Schwarz.

Die Zukunft der Landwirtschaft

Die Grünen in Baden-Württemberg möchten bis 2030 den Einsatz von Pestiziden um 40 Prozent gesenkt haben, 40 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse sollen bis dahin aus biologischem Anbau kommen. Landwirte sollen bei der Umstellung mit Förderprogrammen unterstützt werden. Experten kritisieren, dass dadurch weniger Lebensmittel produziert, ganze Kulturen sogar wegbrechen könnten.

Andrea Schwarz, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Bretten Foto: Tom Rebel

„Die Landwirte müssen lernen, umzudenken“, kontert Andrea Schwarz. „Man kann nicht mehr mit den Mitteln von vorgestern arbeiten.“ Die Expertin für ökologische Landwirtschaft sieht dabei viele konventionelle Landwirte im Landkreis bereits auf einem guten Weg, die ihre Böden mit Humus verbesserten oder Schweine im Freien halten. „Qualität ist Gesundheit, Masse ist nicht Gesundheit“, sagt Barbara Saebel, die der Forschung eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft zuschreibt.

Barbara Saebel Wahlkreis 31 Ettlingen Die Grünen Foto: Lena Lux

Bewusster leben, regional einkaufen, weniger wegwerfen sei Aufgabe der Konsumenten. „Wenn wir weniger Fleisch essen, werden auch weniger pflanzliche Mittel für die Tierfuttermittelerzeugung benötigt“, sagt Nicole Heger.

Das Einfamilienhaus

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hatte sich zuletzt mit des Deutschen liebstem Kind angelegt: dem Einfamilienhaus. Abgeschafft werden soll und kann es nicht, das ist geklärt. Doch gerade im Großraum Karlsruhe lässt die Flächenkonkurrenz von Siedlungen und Landwirtschaft kaum noch Kapazität für neuen Wohnraum.

„Neubau können wir uns auf Dauer nicht leisten“, sagt Barbara Saebel. Man müsse den Bausektor mit neuen Augen betrachten, sanieren statt abreißen. Dies sei auch günstiger als ein Neubau.

Oft fehle aber Architekten das nötige Fachwissen im Bereich Sanierung. „Baulücken schließen und Leerstände beheben“, hält Andrea Schwarz für ein wichtiges Instrument gegen knappen Wohnraum. Quartiersplanung ist nach Ansicht von Nicole Heger der richtige Schritt Richtung zukunftsweisendes Wohnen — keine reinen Wohnviertel, sondern in sich geschlossene Wohngebiete mit einer kompletten Infrastruktur.

Lockdown ohne Ende?

Die Corona-Pandemie ist nach wie vor dominierendes Thema in der Politik. Während in Rheinland-Pfalz von Montag an auch Zoos und kulturelle Einrichtungen wieder öffnen sollen, hält sich Baden-Württemberg noch vorsichtig zurück. Fürchten die Politikerinnen keine Verdrossenheit bei den Wählern, die sich nach einer Perspektive sehnen?

„Wir müssen den Menschen eine Perspektive bieten“, findet Andrea Schwarz, die sich für eine sukzessive Öffnung ausspricht, die sich am Infektionsgeschehen orientiert. Barbara Saebel sieht eine Öffnung mit Teststrategie kritisch: „Haben wir dann genügend Testmöglichkeiten und Menschen, die es können“, fragt sie sich.

Ein „vorsichtiges Lockern“ hält Nicole Heger mit einer guten Teststrategie für nötig, um den Menschen ein positives Zeichen zu geben. Eine „gute App“ hält die Expertin für Digitalisierung dabei für unerlässlich.

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