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Leere Regale in Supermärkten

Haben wir wegen des Coronavirus einen Mehl-Notstand?

Während der Corona-Krise ist Mehl in den Supermärkten ständig ausverkauft. Das verwundert selbst die Hersteller. Sie haben nicht mit so einer gewaltigen Nachfrage gerechnet und schieben nun teilweise Extraschichten. Droht trotzdem bald ein Mehl-Notstand?

Gefragt wie nie in der Corona-Krise: Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IRI verzeichnete der Einzelhandel in Deutschland Mitte März im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 185,2 Prozent bei Getreidemehl. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild

Am Telefon bekommt Kornelia Dewald seit einigen Wochen immer wieder die gleiche Frage gestellt: „Habt ihr noch Mehl?“ Das sei mittlerweile schon fast Standard, sagt die kaufmännische Leiterin der „Stettfelder Mühle“ in Ubstadt-Weiher.

So ganz nachvollziehen kann die 42-Jährige die Mehl-Hamsterei nicht. Da viele Kunden im Supermarkt aber leer ausgehen, erlebt ihr kleiner Verkaufsladen derzeit einen Ansturm nach dem nächsten. „Und ja, wir haben immer noch Mehl“, stellt Dewald klar. Auch bei Branchen-Kollegen gebe es ihres Wissens bislang keinen Notstand. Doch warum sind die Supermarkt-Regale dann ständig leer? Die BNN sind dieser Frage nachgegangen.

Engpässe bei kleineren Packungen

Bei der Bäko Mittelbaden werden hauptsächlich 25-Kilo-Säcke mit Mehl abgefertigt. Diese landen dann bei den Bäckern. „Da gibt es weiterhin keine Probleme“, betont Bäko-Geschäftsführer Jochen Knorpp auf Anfrage dieser Zeitung. Anders sehe es hingegen bei kleineren Packungen aus. „Da kann es mitunter zu Verzögerungen kommen“, sagt der Chef der Einkaufsgenossenschaft. Zurückzuführen sei dies auf den deutlich aufwendigeren Arbeitsprozess und fehlende Verpackungsmaterialien.

Das bestätigt auch Kornelia Dewald. „Die Nachfrage ist aktuell so groß – da hat wirklich niemand mit gerechnet.“ Die Hersteller kämen kaum mit dem Bedrucken der Verpackungen hinterher.

Wir sind überall ausgelastet.
Christopher Rubin, Geschäftsführer der Rubin Mühle in Lahr

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IRI verzeichnete der Einzelhandel in Deutschland Mitte März im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 185,2 Prozent bei Getreidemehl. Die Rubin-Mühle in Lahr etwa, die 80 Tonnen Mehl am Tag macht, hängt aufgrund der hohen Nachfrage „hier und da“ sogar noch eine Schicht dran. „Wir sind überall ausgelastet“, sagt Geschäftsführer Christopher Rubin.

Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter ist der Mehl-Mangel in Supermärkten Thema. „Ich habe tatsächlich Klopapier und Mehl gefunden. Und das in einem Laden“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer fragt sich: „Fangen jetzt plötzlich alle an zu backen?“ Dewald hofft nun, dass sich die Situation – auch bei Hefe – in einigen Wochen wieder etwas entspannt. Als erste Reaktion bieten Aldi, Lidl, Rewe und Co. jetzt vor allem Mehl in großen Packungen an.

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Bäckerinnungsverband Baden befürchtet Preisanstieg in Corona-Krise

Trotz der gestiegenen Nachfrage brauche sich laut Knorpp niemand Sorgen über einen Rohstoff-Mangel machen. „Wir verarbeiten jetzt die Ernte aus dem vergangenen Jahr. Im Juni oder Juli kommt dann die nächste“, sagt der Bäko-Chef. Auch darüber hinaus werde es keine Probleme geben, meint Dewald.

Wenn die Ernte geringer ausfällt, könnten auch die Mehlpreise steigen.
Thomas Backenstoß, Betriebsberater

Skeptischer äußert sich der Bäckerinnungsverband Baden. Zwar sei die Versorgung derzeit gewährleistet. Hinter der neuen Ernte stehe aber noch ein dickes Fragezeichen, sagt Betriebsberater Thomas Backenstoß. „Wenn die Ernte geringer ausfällt, könnten auch die Mehlpreise steigen“, befürchtet er. Bei der „Frießinger Mühle“ in Bad Wimpfen, die eigenen Angaben zufolge zu den fünf größten Mühlen Deutschlands gehört, will man sich hingegen auf BNN-Anfrage nicht zur aktuellen Situation äußern.

Gerade jetzt zu Ostern backen viele daheim

Doch warum ist gerade Mehl – neben Toilettenpapier und Nudeln – hierzulande in Zeiten von Corona so gefragt? Bäko-Chef Knorpp vermutet, dass sich Kunden so mit relativ wenig Geld einen großen Vorrat anlegen wollten. Aber auch die vielen Anwendungsmöglichkeiten und die lange Haltbarkeit von Mehl spielten wohl eine entscheidende Rolle.

„Gerade jetzt zu Ostern backen viele daheim“, weiß Dewald. Auch Brot-, Pfannkuchen- oder Pizzateig würden einige ihrer Kunden nun selbst herstellen. Obwohl Mehl bei richtiger Lagerung etwa ein dreiviertel Jahr haltbar sei, empfiehlt Dewald, lediglich kleinere Mengen zu kaufen. Denn: „Da Mehl ein Naturprodukt ohne Konservierungsmittel ist, sollte es möglichst kühl und trocken gelagert werden“, erklärt die Expertin. „Am besten bei 16 Grad.“ Diese Möglichkeit hätten aber nur die wenigsten Verbraucher.

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