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Motorsportwelt steht still

Hockenheimring rechnet wegen Corona-Krise mit Millionenverlusten

Nichts geht mehr auf dem Hockenheimring. Die nordbadische Rennstrecke ist wegen der Coronakrise in einer Zwangspause bis Mitte April. Vor dem neuen Geschäftsführer-Duo stehen schwere Monate. Mit Millionen-Verlusten wird gerechnet. Wann die Motoren auf der Strecke wieder heulen, weiß niemand. Und doch hat der Ring etwas Glück im Unglück

Hockenheimring in Hockenheim. Badische Traditionsrennstrecke Foto: Hockenheimring

Es ist ruhig auf dem Hockenheimring. Genauer gesagt: Es ist mucksmäuschenstill. Zwischen Ende März und Anfang April dröhnen auf den 4,5 Kilometern durch den Hardtwald sonst die Motoren von Tourensportwagen um die Wette. Nach dem Ausbruch des Coronavirus steht die Rennsportwelt still. Die DTM-Testfahrten? Abgesagt. Rennserien wie der GTC-Cup? Vorerst verschoben. Bis Mitte April ruht der gesamte Betrieb. Das heißt: Keine Strecke, kein Museum, kein Hotel.

Deckungsbeiträge fallen weg

„Das trifft uns mit aller Härte. Die Deckungsbeiträge fallen weg“, sagt Jorn Teske. Gemeinsam mit Jochen Nerpel hat er im September 2019 die Geschäftsführung übernommen. Und damit das Erbe von „Mister Hockenheim“ Georg Seiler, 40 Jahre Ring-Chef. Dessen Fußstapfen waren groß. Die finanzielle Herkulesaufgabe wegen der Corona-Krise war für das Duo nicht absehbar.

Schon jetzt ändern die Organisatoren von DTM und ADAC GT Masters die Rennkalender europaweit. Im Herbst häufen sich die Termine der Meisterschaftsläufe. So wurde der Masters-Auftakt in Oschersleben ans Saisonende verschoben. Das Rennen in Hockenheim im September wackelt bisher nicht. Dafür jagen die DTM-Piloten nach aktuellem Stand im November statt im Oktober über die badische Piste. Teske und Nerpel hoffen auf einen vollen Kalender in der zweiten Jahreshälfte. „Wir versuchen alle unterzukriegen. Das liegt aber auch am Veranstalter“, sagt Teske.

Formel-1-Aus am Hockenheimring kein Unglück

Viele Jahre war auch die Formel 1 zu Gast in Hockenheim. Dabei riss sie Löcher in den Sparstrumpf – so wie auch bei anderen Streckenbetreibern. Medienberichten zufolge belaufen sich die Schulden des Rings auf 28 Millionen Euro. 2020 taucht Hockenheim nicht im Rennkalender auf. Ring und Betreibergesellschaft Liberty Media hatten sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen können. Ist das in Corona-Zeiten Glück im Unglück? „Stellen Sie sich vor, wir hätten da eine Rückabwicklung über 30.000 bis 40.000 Tickets, ohne Ahnung zu haben, wann der Nachfolgetermin wäre“, bejaht Nerpel. Teske mutmaßt, dass der Ring auf den Kosten von Marketing und Vertrieb sitzen geblieben wäre. Und wird deutlich: „Es ist aus finanzieller Sicht kein Verlust.“

Dennoch gehen die Ringchefs wegen der Corona-Krise bis Juni von Millionenverlusten aus: Daher laufen Gespräche mit Banken, Teile des Personals gehen in Kurzarbeit, nicht relevante Instandhaltungsarbeiten werden geschoben. Was nach Mitte April passiert, ist ungewiss. „Vielleicht gibt es die Möglichkeit, Veranstaltungen zu machen, bei denen kein Risiko besteht“, sagt Teske und spekuliert über Testfahrten mit nur einem Fahrer pro Auto, jeder in einer Box. Eben, um einen kleinen Teil des Geschäfts zuzulassen. „Die fehlende Tagesvermietung an Kunden tut uns weh“, erklärt Nerpel.

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Das Land Baden-Württemberg hat Sportveranstaltungen mit Publikum bis zum 15. Juni untersagt. „Kann man deshalb ab dem 16. Juni planen? Ich vermute nicht“, sagt Teske. Zehn Großveranstaltungen sind bereits verschoben worden. Die Schraubermesse Veterama und die Formula Student wurden ganz abgesagt. „Die Hockenheim Historic tut uns weh“, spricht Nerpel die Show mit alten Formel- und GT-Rennwagen an, bei der in den Vorjahren meist 20.000 Menschen gekommen waren. Auch hier gibt es bisher kein neues Datum. Noch mehr Zuschauer hätte im Sommer ein Open-Air-Konzert versprochen. Die Tour des Künstlers sei abgesagt worden. Wer den Ring gerockt hätte? Das bleibt geheim. Teske verrät: „Größenordnung vor der Südtribüne.“ In der Vergangenheit bedeutete das zum Beispiel: AC/DC oder Ed Sheeran – mit je 100.000 Fans.

Auch mit Veranstaltern von Rennserien, Herstellern und Teams sind die Geschäftsführer im Austausch. Auf ausstehende Zahlungen pochen wollen die Ring-Chefs nicht: „Es wäre kontraproduktiv, den Markt durch unverhältnismäßige Forderungen zu überfordern“, sagt Nerpel. Stattdessen müsse man die Zeit gemeinsam überstehen. „Viel mehr als für den Herbst oder 2021 zu planen, bleibt uns nicht“, so Nerpel.

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