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Brauerei in der Oststadt

Manche Hoepfner-Biere kommen gar nicht mehr aus Karlsruhe

Auf den Bieretiketten der traditionsreichen Brauerei Hoepfner steht nach wie vor „Karlsruhe“. Doch nicht mehr jede Sorte wird dort auch gebraut.

Der Schein trügt: Obwohl auf dem Hoepfner-Gelände viele Fässer zu sehen sind, ging der Fassabsatz in diesem Jahr um rund 50 Prozent runter. Foto: Lara Teschers

Es riecht nach Malz, das Bier in den Becken reicht fast bis an den Rand. Oben bildet sich Schaum. Seit rund 120 Jahren wird in der Hoepfner-Burg in der Karlsruher Oststadt Bier gebraut. Inzwischen gehört die Privatbrauerei zur Paulaner-Gruppe – und das hat Folgen. Erst verlor der Traditionsstandort die Flaschenabfüllung.

Jetzt wird bekannt: Manche Biersorten werden nicht in Karlsruhe produziert, sondern rund 100 Kilometer entfernt im Odenwald. „Einzelne Hoepfner-Sorten werden inzwischen bei der Privat-Brauerei Schmucker im Odenwald gebraut“, sagt Geschäftsführer Willy Schmidt im Gespräch mit den BNN.

„Dazu kam es schrittweise in den vergangenen beiden Jahren. Es sind weitestgehend Sorten, die wir vorher in Karlsruhe nicht hatten“, sagt Schmidt. Welche Sorten betrifft das?

Als Beispiele nennt der Brauereichef das Rosébock und den Schwarzen Picher. Die alkoholfreien Hoepfner-Biere kommen schon länger aus Südhessen. „Wir hatten hier nie eine Entalkoholisierungsanlage”, sagt Schmidt. „Die Zusammenarbeit mit Schmucker ist deshalb sehr wichtig. Denn es gibt eine Riesenentwicklung in Richtung alkoholfreier Alternativen.” Schmucker gehört ebenfalls zur Paulaner-Gruppe.

8 von 17 Sorten werden ausdrücklich in der Hoepfner-Burg gebraut

Welche weiteren Hoepfner-Sorten im Odenwald produziert werden, lässt die Karlsruher Brauerei trotz Nachfrage offen. Auf deren Internetseite sind alle 17 Sorten aufgeführt. Bei acht von ihnen wird ausdrücklich erwähnt, dass sie in der Hoepfner-Burg gebraut werden. Bei neun Sorten – inklusive der alkoholfreien – steht nichts dazu. Das habe aber nichts damit zu tun, ob diese Sorten in Karlsruhe produziert werden oder nicht, heißt es auf Nachfrage.

Auf den Flaschenetiketten ist nicht zu erkennen, woher das Bier wirklich stammt. Selbst bei den beiden Sorten Rosébock und Schwarzer Picher, die laut Schmidt bei Schmucker gebraut werden, prangt auf der Flasche der Schriftzug „Privatbrauerei Hoepfner Karlsruhe“

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Karlsruhe steht drauf, ist aber nicht drin: Die Sorte „Schwarzer Picher“ wird im Odenwald gebraut. Foto: Daniel Gräber

Rechtlich sei das so in Ordnung, sagt Heike Silber, Lebensmittel-Expertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Karlsruhe ist der Firmensitz, gebraut werden darf das Bier auch an anderen Orten. Es sei denn, es würde ‚gebraut in Karlsruhe‘ auf dem Etikett stehen, dann müsste es auch vor Ort hergestellt werden“, erläutert sie.

Bis 2005 war die Brauerei Hoepfner in Familienbesitz. Der damalige Eigentümer, Friedrich Georg Hoepfner, hatte keinen Nachfolger gefunden und verkaufte sie an die Brau Holding International (BHI), die gleichzeitig auch die Brauerei Fürstenberg aus Donaueschingen übernahm. Die BHI wurde später zur Paulaner-Gruppe.

Hoepfner ist und bleibt das Karlsruher Bier.
Willy Schmidt, Hoepfner-Geschäftsführer

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnte damals vor einer Produktionsverlagerung. Denn im Gegensatz zu Mineralbrunnen, bei denen das Wasser vor Ort abgefüllt werden muss, unterlägen Biermarken nicht dieser Standortpflicht. Andere sahen die Gefahr eines „Einheitsbiers“, das sich nur durch Etiketten unterscheide.

Verlagerung der Abfüllung hilft in der Corona-Krise

Ein Jahr nach der Übernahme von Hoepfner und Fürstenberg schluckte die BHI auch die Privatbrauerei Schmucker in Mossautal. Dorthin verlagerte die Karlsruher Brauerei Hoepfner im Frühjahr 2018 ihre Flaschenabfüllung. Auch das rief Kritiker auf den Plan. Eine Online-Petition forderte: „Bier braucht Heimat, und eine Stadt ihre Biere!“

Hoepfner-Geschäftsführer Schmidt steht nach wie vor zu der damaligen Entscheidung. Die eigene Abfüllanlage stammte aus den 1990er-Jahren, die bei Schmucker war neuer. Gerade jetzt im Corona-Jahr, mit einem stark gesunkenen Bierabsatz, profitiere Hoepfner von der Auslagerung der Flaschenabfüllung. „Ich bin heilfroh, dass wir das gemacht haben”, sagt Schmidt. Das sei die „Krisenabsicherung”. So müsse die Brauerei nicht zu große Flächen bespielen und werde nicht von Fixkosten erschlagen.

Eines steht jedoch fest: Den traditionsreichen Standort in der Karlsruher Oststadt will Hoepfner auf jeden Fall halten, so Schmidt: „Hier sind wir zu Hause. Hoepfner ist und bleibt das Karlsruher Bier. Unser Pilsner und alle Fassbiere werden ausnahmslos zu 100 Prozent in Karlsruhe gebraut.“ Auch die Fassabfüllung ist weiterhin in Karlsruhe.

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