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Personal in Arbeitsquarantäne

Hohe Corona-Fallzahlen am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße: Mitarbeiter in Ausnahmesituation

Um den Klinikbetrieb aufrecht zu erhalten und die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, wurden am Donnerstag am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße Patienten und Beschäftigte als Kontaktpersonen der Stufe I eingestuft. Die Mitarbeiter dürfen zwar zur Arbeit, müssen aber in ihrer Freizeit in Quarantäne.

Angespannte Situation: Wegen der stark gestiegenen Corona-Zahlen unter Mitarbeitern am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße müssen die Beschäftigten in ihrer Freizeit in häusliche Quarantäne. Foto: Judith Midinet-Horst

Die Situation am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße ist sehr angespannt. Das machte Geschäftsführer Guido Gehendges in einer Pressekonferenz am Donnerstag zur aktuellen Situation in den zum Klinikum gehörenden Standorten Landau, Annweiler und Bad Bergzabern deutlich.

Mitarbeiter hatten keine Symptome

Patienten und Mitarbeiter würden in den Kliniken „massiv gescreent“, also auf das Coronavirus getestet. Dabei habe man zusätzliche Infektionen unter den Mitarbeitern entdeckt, die keine Symptome hatten.

In Bergzabern seien zwei Mitarbeiter nachweislich mit Corona infiziert, in Annweiler elf Mitarbeiter und elf von insgesamt 20 Patienten, in Landau seien es 47 Mitarbeiter und 31 von insgesamt 65 Patienten, führte Gehendges aus.

Die Mitarbeiter seien nicht mehr im Einsatz. „Die Zahlen steigen nicht mehr, aber wird sind nicht über den Berg“, erklärte er. Deshalb habe man sich gemeinsam mit den zuständigen Behörden dazu entschieden, die übrigen Mitarbeiter in Landau und Annweiler als Kontaktpersonen der Kategorie I einzustufen.

Sie dürfen zwar arbeiten, müssen sich aber bis 19. Dezember in ihrer Freizeit in häusliche Quarantäne begeben. So soll die Versorgung der Patienten sichergestellt werden. Anfang nächster Woche sollen alle Mitarbeiter erneut getestet werden.

„Unser Schicksal aktuell ist kein Gutes“, sagte Gehendges, „wir sind sehr eingeschränkt dadurch.“ Aber durch Hygienekonzepte allein habe man dem Infektionsgeschehen keinen Einhalt mehr bieten können. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr, in dem kein einziger Mitarbeiter infiziert gewesen sei, sei die Zahl der Covid-Patienten am Klinikum jetzt wesentlich höher. Der Geschäftsführer versicherte aber, dass der Klinikbetrieb ganz normal funktioniere.

Standen Rede und Antwort: der Bürgermeister und Klinik-Aufsichtsratsvorsitzender Maximilian Ingenthron (von links), die Leiterin des Gesundheitsamtes Anett Schall, Oberbürgermeister Thomas Hirsch, Landrat Dietmar Seefeldt, DRK-Geschäftsführer Jürgen See und (per Video zugeschalten) Klinik-Geschäftsführer Guido Gehendges. Foto: Judith Midinet-Horst

Sollte sich die Lage zuspitzen und sich noch mehr Mitarbeiter infizieren, so dass der Krankenhausbetrieb gefährdet ist, könnten nach der neuen Landesverordnung in Rheinland-Pfalz sogar symptomfreie infizierte Mitarbeiter weiterarbeiten – allerdings nur mit Corona-infizierten Patienten.

Infektionsketten sind nicht mehr nachzuverfolgen

„Alle sitzen in einem Boot“, betonte Anett Schall, Leiterin des Gesundheitsamtes Landau-Südliche Weinstraße, dass die Quarantäne alle Mitarbeiter einschließe, auch Reinigungskräfte. So wolle man die Gefahr von großen Infektionsketten einschränken. „Es entsteht sonst ein riesiger Baum an Kontakten“, erklärte sie.

Die Infektionsketten seien aktuell nicht mehr nachzuverfolgen. Das Virus verteile sich diffus, die Zahlen stiegen und stiegen. „Die Hotspots sind kaum noch zu identifizieren“, sagte Anett Schall.

Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch betonte, dass es deshalb auch keinen „Schuldigen“ am Klinikum gebe, der das Virus eingeschleppt habe. Die Fallzahlen seien schlicht dem aktuellen Infektionsgeschehen geschuldet.

Phasenweise waren kaum noch Intensivbetten frei

Hirsch erklärte, dass die Situation in der ganzen Versorgungsregion Rheinpfalz, zu der das Klinikum Landau-Südliche Weinstraße zählt, kritisch sei. Durch die hohen Infektionszahlen in Ludwigshafen und Speyer seien phasenweise nur noch acht Intensivplätze in den Kliniken frei gewesen.

Deshalb habe man auch die Möglichkeit geprüft, Patienten ins benachbarte Bundesland, ins Städtische Klinikum nach Karlsruhe, bringen zu können. Aktuell gebe es aber wieder 20 freie Plätze (Stand Donnerstag) in der Region.

„Wir halten diese Maßnahmen für erforderlich, um die Lage in den Griff zu bekommen“, erklärte Landrat Dietmar Seefeldt. Er betonte aber: „Das Klinikum ist arbeitsfähig und auch in Notfällen durch die Rettungsdienste anfahrbar. Es muss sich keiner Sorgen machen, dass er nicht ins Krankenhaus kann.“

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