Skip to main content

Aufräumkommando rückt mit dem Holzhacker an

Holz entlang der B36 im Landkreis Karlsruhe verschwindet - mit Folgen für die Umwelt

Mit Bagger und Holzhacker lichten Arbeiter derzeit die Büsche und Bäume entlang von Straßen. Den Preis für eine höhere Verkehrssicherheit zahlen Insekten, Vögel und Pflanzen.

Das Aufräumkommando: Die erste Kolonne fällt die Bäume. Anschließend kommen die Kollegen mit Holzhacker und Abrollcontainer zum Aufräumen. Foto: Catrin Dederichs

Theodor Hellinger schmeißt seinen Holzhacker an. Scheinbar mühelos faltet sich der Greifer seines Fahrzeugs zu beeindruckender Größe auseinander. Wild schaukelt er hin und her. Dann packt das Greifwerkzeug ein ganzes Bündel von Büschen und Bäumen. Komplett mit Stamm und Krone zieht die Maschine die Bäume ins gefräßige Innere – und spuckt sie als Hackschnitzel vorn wieder aus.

Seit Anfang Oktober lässt der Landkreis Karlsruhe Holz und Büsche entlang von Straßen entfernen. Die Arbeiten dauern noch rund vier Monate. Firma Hellinger Landschaftspflege aus Karlsbad ist für das Fällen, Zurückschneiden und Entfernen der Hölzer zuständig. Kostenpunkt: rund 450.000 Euro, wie Landkreis-Pressesprecher Martin Zawichowski mitteilt. Das Holz soll zu Hackschnitzeln verarbeitet werden, der Landkreis bekommt dafür eine Vergütung.

Zurückschneiden erhöhen die Verkehrssicherheit

„Ziel der Pflegemaßnahmen ist, die Verkehrssicherheit auf den Straßen für die Verkehrsteilnehmer zu erhalten und wo notwendig zu verbessern“, sagt er. Größere Störungen für Autos, Laster oder Zweiräder erwartet er während der Arbeiten nicht. „Es läuft in der Regel unter Verkehr.“ Bedeutet, die Straße wird nicht komplett gesperrt, sondern beispielsweise mit einer Lichtsignalanlage abgesichert.

Der Pflegeumfang ist laut Zawichowski „annähernd gleich wie in 2019/2020“. Wenn Firma Hellinger Ende Februar 2021 fertig ist, soll es entlang der B293 in Wössingen 30 bis 40 Prozent weniger grün sein. In Ubstadt soll die Hälfte der Pflanzen an der Böschung beim Industriegebiet weichen und in Stettfeld ist ein Kahlschlag von Robinien, Zwiesel und dürren Bäumen geplant. Schrillen bei solchen Zahlen nicht bei sämtlichen Naturschützern im Land die Alarmglocken?

Wir können nicht sehenden Auges einen Unfall riskieren, indem wir alles erhalten.
Hartmut Weinrebe / BUND-Geschäftsführer Regionalverband Mittlerer Oberrhein

„Man muss verschiedene Belange betrachten“, sagt Hartmut Weinrebe, Geschäftsführer des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Auf der einen Seite gehe es um den Lebensraum von Pflanzen und Tieren. Auf der anderen stehe das Thema Sicherheit. „Das Grün entlang von Verkehrswegen hat eine Bedeutung für eine Vielzahl von Arten wie Käfer oder Fledermäuse. Aber wir können trotzdem nicht sehenden Auges einen Unfall riskieren, indem wir alles erhalten.“ Bäume könnten zur Gefahr werden, wenn sie im Herbststurm auf eine Straße fallen oder die Einsicht in eine Straße verhindern.

Das Verkehrsministerium hat einen Leitfaden herausgebracht, der beide Interessen unter einen Hut bringen soll. Er regelt unter anderem, welche Bäume für welche Vögel wichtig sind, und dass Gehölze in Abschnitten entfernt werden sollen. Auseinandersetzungen gebe es trotzdem. „In weiten Teilen sind wir da auf einem guten Weg, aber es gibt noch Luft nach oben“, sagt Weinrebe.

Hinten rein, vorne raus: Mit dem Greifer packt Inhaber Theodor Hellinger die abgesägten Bäume. Vorne pustet der Holzhacker Hackschnitz heraus. Foto: Catrin Dederichs

Weinrebe erklärt, dass sich die Natur besser erholt, wenn „die Arbeiter nicht mehrere hundert Meter hintereinander alles absägen“, sondern abschnittsweise vorgehen. „Manche Käfer und Schmetterlinge fliegen nur kurze Strecken. Wenn sie in der direkten Nachbarschaft Rückzugsräume finden, ermöglichen wir ihnen die Einwanderung.“

Kahlschlag entlang der B3 bei Ettlingen

In diesem Jahr hatte der BUND bislang nichts zu beanstanden. Anders in 2019: „Da haben unsere Ehrenamtlichen gemeldet, dass entlang der B3 bei Ettlingen sämtliche Bäume gefällt wurden“, sagt Weinrebe. Solche Eingriffe empfinde er als nicht verhältnismäßig, zumal Bäume auch einen Windschutz darstellten. „Wir sind der Auffassung, dass es durch Kontrolle möglich ist, dass an Straßen Gehölze stehen“, sagt er.

nach oben Zurück zum Seitenanfang