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Schulen, Seniorenheime, Familien

Hühner für den eigenen Garten in Karlsruhe mieten: Wie „Miet ‘n Piep“ funktioniert

Insbesondere in der Stadt und seit der Pandemie sind Hühner im eigenen Garten sehr beliebt. In Karlsruhe ist das Modell, Hühner zu mieten, besonders erfolgreich. Was steckt dahinter und wie läuft „Miet ‘n Piep“ ab?

Hühner zum Mieten, das bietet der Karlsruher Rüdiger Gärtner an. Einer seiner Ställe mit vier Hennen steht derzeit im Garten des Friedensheim Karlsruhe. Foto: Jörg Donecker

Elli nimmt all ihre Kraft zusammen und flattert wild über den Zaun, als sie die herannahenden Gäste sieht. Gleich greifen mehrere Hände nach dem braun-weiß gefiederten Huhn, um es wieder einzufangen.

„Das ist nun schon das zweite Mal, dass eines ausbüxt“, sagt Marcella Hasselböck. Sie ist Pflegedienstleiterin im Friedensheim Karlsruhe in der Südweststadt. Auf einer etwa 40 Quadratmeter großen Rasenfläche im Garten hinter dem Heim picken seit rund zwei Wochen Karla, Bertha, Trudi und Elli. Für die Bewohner ist es allerdings ein begrenztes Vergnügen, denn die Hühner sind nur gemietet.

„Miet ‘n Piep“ heißt das Unternehmen von Rüdiger Gärtner aus Bad Schönborn. Das Logo mit einem roten, herzförmigen Huhn hat Gärtners Frau entworfen. Mit der Herzhenne wirbt er für gemieteten Piep im eigenen Garten. Vier Hennen inklusive gelegte Eier, Stall, Zaun, Futter und Spender, Wassertränke, Lieferung, Auf- und Abbau, Einführung in die Hühnerkunde sowie einer Endreinigung.

Die Hühner haben eine beruhigende Wirkung auf unsere Bewohner.
Thomas Schmitt, Sozialpädagoge

Im Friedensheim Karlsruhe halten die Hühner die Bewohner und Mitarbeiter ganz schön auf Trab. Mindestens eine Stunde pro Tag kümmern sich die beiden Sozialpädagogen Lisa Ringwald und Thomas Schmitt um Fütterung und Säuberung. Doch die Mühe lohnt sich, sagt Schmitt. „Die Hühner haben eine beruhigende Wirkung auf unsere Bewohner. Die Tiere lassen sich sogar streicheln.“

Gehege der „Miet ‘n Piep“-Hühner beim Friedensheim Karlsruhe wird zum Treffpunkt

Waltraud Schäfer hat den Logenplatz. Sie kann aus dem Fenster ihres Zimmers direkt in den Garten und das Hühnergehege blicken. „Wenn eines der Hühner ein Ei gelegt hat, kommt es aus dem Stall heraus, stellt sich oben auf die Leiter und macht einen Mordslärm.“ Das Hühnergehege ist zum neuen Treffpunkt geworden. „Mittags sitzen die Bewohner wie im Kino um den Zaun herum und schauen, was die Hühner machen“, erzählt Schäfer. Die Seniorin gesellt sich mit ihrem Rollator dann auch gerne zu ihren Mitbewohnern.

Hin und wieder füttert sie die Tiere auch mit Löwenzahnblättern. Denn das meiste Gras haben die Hennen schon verputzt. Da sie liebend gerne mit ihren Krallen scharren, sieht es inzwischen aus wie auf einem sehr beanspruchten Bolzplatz. „Der Rasen ist jedenfalls gut vertikutiert, wenn die Hühner Ende Oktober wieder abgeholt werden“, kommentiert der Sozialpädagoge Schmitt. „Unser Gärtner freut sich.“

Kochen und Backen mit Eiern aus dem eigenen Garten

Waltraud Schäfer hat das erste Ei gefunden und gleich in die Küche gebracht. „Dort haben sie mir fürs Mittagessen ein Spiegelei gemacht. Das hat einfach besser geschmeckt als die gekauften Eier.“

Das Ei hat einfach besser geschmeckt als die gekauften Eier.
Waltraud Schäfer, Bewohnerin im Friedensheim Karlsruhe

Auch die Bewohnerin Savelia Stuberger meint, dass das Eigelb der im Garten gelegten Eier gelber sei. Sie kocht und backt immer wieder mit der Sozialpädagogin Ringwald. Eiersalat, Omelett oder Pfannkuchen stehen nun auf dem Speiseplan. Als nächstes will Ringwald mit Stuberger eine Biskuitrolle backen.

Rüdiger Gärtner vermietet die Hälfte seiner Hühner zwischen Karlsruhe und Heidelberg

„An manchen Tagen gibt es nur ein Ei. Die Hühner haben aber auch schon mehrmals vier Eier gelegt“, sagt Ringwald. Das bedeutet, dass es dem Federvieh gut geht, erklärt Rüdiger Gärtner. Bei sich zu Hause hält er auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs 28 Hühner. Etwa die Hälfte vermietet er insbesondere an Familien, Kindergärten, Schulen und Seniorenzentren zwischen Karlsruhe und Heidelberg.

In Karlsruhe kommen die Miet-Hühner besonders gut an. „In Neureut habe ich die Hennen an eine Familie vermietet und die kamen in dem Viertel so gut an, dass sie eineinhalb Monate von Nachbar zu Nachbar gewandert sind“, berichtet Gärtner. Insbesondere während der Lockdowns, als die Kinder und Jugendlichen mehr Zeit zu Hause verbracht haben, sei die Nachfrage groß gewesen.

„Miet ‘n Piep“: Geschäftsmodell mit vermieteten Hühnern in Karlsruhe wird kopiert

Das Geschäftsmodell werde sogar zunehmend kopiert, sagt Gärtner. Wer Hühner vermieten will, muss eine Prüfung beim Veterinäramt ablegen. „Einige Leute haben die Genehmigung aber nicht und vermieten trotzdem“, klagt er. Auch von seiner Homepage hätten andere schon Teile übernommen.

Für den Namen „Miet ‘n Piep“ und das Logo will er sich deshalb die Rechte sichern. Immerhin hat er seit der Gründung seiner Firma vor zweieinhalb Jahren bereits einige Stammkunden. Etwa zehn bis 15 Prozent haben sich anschließend selbst Hühner angeschafft. Und bei manch einem Kind kullerten schon die Tränen, als er die Tiere wieder abholte, berichtet Gärtner.

Für Ostern sind schon fast alle Hühner fast ausgebucht.
Rüdiger Gärtner, „Miet ‘n Piep“

Aus den Hühnern, die er einem Freund für dessen Garten auslieh, hat er ein Erfolgsmodell gemacht. „Für Ostern sind schon fast alle Hühner fast ausgebucht“, sagt Gärtner. Noch einmal ein paar Pieps mieten, kann sich die Leitung des Friedensheims gut vorstellen. Ringwald ergänzt mit einem Zwinkern: „Die Bewohner spekulieren auch schon, ob beim nächsten Mal eine Kuh oder ein Schaf kommt.“

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