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In Parks und Museen:

Im Großraum Karlsruhe kann man dem Wolf an vielen Stellen begegnen

Der Wolf ist wieder da - begegnen wird ihm in der Natur aber kaum jemand. Aber es gibt im Großraum Karlsruhe viele Möglichkeiten, Wölfe zu sehen und sich über sie zu informieren.

Wolf
Hat viele Möglichkeiten, um sich zurückzuziehen: Ein Wolf aus dem Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald. Tiere aus schlechten Haltungen bekommen hier die Chance, doch noch ihre natürlichen Instinkte zu entdecken. Foto: Stiftung für Bären

Wölfe faszinieren und ängstigen viele Menschen gleichermaßen. Das Interesse an den Tieren ist groß – einem Wolf in der Natur begegnen wollen aber die wenigsten Menschen.

Die Chancen sind allerdings auch sehr gering. Es gibt aber in der Region mehrere Möglichkeiten, die Tiere in Parks zu beobachten und sich über ihre Lebensweise und ihre Bedürfnisse zu informieren. Ein Überblick.

Vier Wölfe leben aktuell im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald bei Bad Rippoldsau-Schapach. Dahinter steckt ein Tierschutzprojekt, erklärt Teagan Wernicke, die sich um die pädagogische Arbeit im Park kümmert.

Tiere können bei Bad Rippoldsau-Schapach ihre ursprünglichen Instinkte entdecken

Tiere aus unzureichenden Haltungen werden hier aufgenommen. Sie haben hier die Möglichkeit, doch noch ihre ursprünglichen Instinkte zu entdecken und sich in zehn Hektar natürlichem, abwechslungsreichem Gelände zu bewegen.

Für die Besucher bedeutet dies, dass sie beim Rundweg um das umzäunte Wald- und Wiesengebiet, das sich die Wölfe Basco, Berix und Brax mit den Bären teilen, die Augen offenhalten müssen. Und manchmal entdecken die Besucher die Wölfe auch von den Aussichtspunkten nicht.

„Es ist eben ihr natürliches Verhalten, sich tagsüber auch mal ins Dickicht zurückzuziehen und zu schlafen“, gibt Teagan Wernicke zu bedenken. Wichtigster Ansatzpunkt sind möglichst naturnahe, tiergerechte Bedingungen.

Weshalb es auch keine täglichem Schaufütterungen gibt, sondern alle paar Tage eine Ganzkörperfütterung, also ein komplettes (totes) Tier – wie das auch bei jagenden Wolfsrudeln der Fall ist.

Unsere Wölfe hatten in ihrem früheren Park viel Stress und konnten sich überhaupt nicht ausweichen, es gab deshalb viele Beißereien.
Teagan Wernicke, Pädagogin im Alternativen Wolf- und Bärenpark

Von den Infotafeln, bei Führungen und regelmäßigen Veranstaltungen wie der „Nacht der glühenden Augen“ erfahren die Besucher vieles über Wölfe – und die Schicksale der einzelnen Tiere. Die Rüden Basco, Berix und Brax sind drei von sechs Brüdern aus einem Wurf von 2010.

„Sie hatten in ihrem früheren Park viel Stress und konnten sich überhaupt nicht ausweichen, es gab deshalb viele Beißereien“, berichtet Wernicke. 2017 kamen die Tiere in den Schwarzwald und blühten sichtlich auf.

In der Natur wären sie längst eigene Wege gegangen – so bald sie geschlechtsreif sind, verlassen die Tiere den Familienverband. „Hier funktioniert es, weil die Wölfe daran gewöhnt sind – aber als beispielsweise im Mai ihr Bruder Branco gestorben ist, mussten sie sich neu positionieren“, erklärt sie.

Wölfin Gaja wurde wie ein Hund gehalten

Der vierte Wolf ist ebenfalls stark auf Menschen geprägt und käme draußen nicht mehr zurecht: Die fünfjährige Gaia wurde in einem Wald in Litauen als Welpe gefunden, von Privatpersonen aufgezogen und wie ein Hund gehalten.

Als erwachsene Wölfin landete sie in einer Auffangstation für Hunde und zeigte dort extreme Störungen, schildert Teagan Wernicke. „Sie hat nicht gelernt, sich wie ein Wolf zu verhalten“, sagt sie. Seit zwei Jahren lebt das Tier nun im Schwarzwald, teilt sich das Gehege mit einem einzelnen Bären und kommt mit Distanz von den Menschen deutlich besser zurecht.

Im Wildparadies Tripsdrill leben aktuell fünf Europäische Wölfe

Abseits von Achter- und Wildwasserbahnen gehört zum Freizeitpark Tripsdrill auch ein Wildpark mit heimischen Tieren. Wölfe gibt es im bewaldeten „Wildparadies“ schon lange – gerade wurde ihr Gehege vergrößert und soll weiter modernisiert werden, erzählt der leitende Tierpfleger Benedict Stirblies.

Aktuell leben im Wildpark fünf Europäische Wölfe. Die drei Rüden und zwei Fähen kamen vor zwei Jahren aus einem riesigen Rudel eines französischen Tierparks nach Tripsdrill, so Stirblies.

Vier der Tiere sind Geschwister, und doch harmoniere die Gruppe erstaunlich gut, findet er. Gerät ein Rudelmitglied doch einmal unter Druck, könne man es separieren – aber in Sichtweite der anderen Tiere, damit es wieder integriert werden kann.

Wölfe im Tierpark Tripsdrill
Rudel im Tierpark: Die Wölfe von Tripsdrill harmonieren die meiste Zeit ziemlich gut. Foto: Erlebnispark Tripsdrill

Die Sozialstruktur der Wolfsrudel ist nur eines der Themen, die bei den Fütterungsrunden zu dem Beutegreifern immer mal wieder zur Sprache kommen. Täglich außer freitags starten diese um 14.30 Uhr bei den Wölfen.

„Es wird auch immer wieder gefragt, ob Wölfe wirklich so gefährlich sind“, erzählt Stirblies. Dann stelle er klar, dass Wölfe große Raubtiere sind und sie die Scheu vor den Menschen ablegen, wenn sie beispielsweise angefüttert werden.

Mehr zu den Tieren kann man bei Führungen für Gruppen sowie den regelmäßigen „Exkursionen ins Abendrot“ erfahren. Nach Parkschluss um 18.30 Uhr geht es dann auf einen lehrreichen und spannenden Rundgang mit dem Wildhüter. Die Wölfe sind bei vielen der Veranstaltungen Thema – beispielsweise auch im Vergleich mit den Polarwölfen.

Auch von dieser Wolfsart gibt es im „Wildparadies“ fünf Tiere. „Sie sind sozialer als die Europäischen Wölfe und leben in größeren Verbänden“, erzählt Stirblies. Und sie seien verspielt und neugierig – und deshalb bei den Parkbesuchern besonders beliebt.

Karlsruher Naturkundemuseum zeigt detailgetreue Spuren

Im Karlsruher Naturkundemuseum kann man dem Wolf schon seit Jahrzehnten begegnen. Eines der Dioramen aus den 1960er Jahren zeigt ein Rudel, das gerade eine Gämse zur Strecke gebracht hat. Die Szene ist im Dinarischen Gebirge in Bosnien-Herzegowina angesiedelt, erklärt Albrecht Manegold, Kurator für Wirbeltiere im Naturkundemuseum.

Die Bemalung im Hintergrund zeigt diese Berglandschaft, aus der einige der präparierten Wölfe auch stammen. So sei die Gämse zu erklären, von der zwei der sechs Wölfe bereits fressen – Hauptbeutetier ist jedoch Rehwild, stellt Manegold klar.

Die Tiere in ihrem Lebensraum zu zeigen, das war die Absicht, als man einst die kunstvollen Dioramen gestaltete, erklärt er. Detailgetreu sind diese, zeigen beispielsweise auch Spuren der Wölfe im teilweise von Schnee bedeckten Boden.

Diorama mit präparierten Wölfen
Wölfe in ihrem Lebensraum: Seit den 1960er Jahren zeigt ein Diorama im Karlsruher Naturkundemuseum ein Rudel nach erfolgreicher Jagd. Durch zwei große Scheiben, die durch eine Säule getrennt werden, haben die Besucher Einblick. Foto: Volker Griener/SMNK

Besonders sympathisch wirken die Wölfe, von denen drei drohend Ohren und Rute stellen, nicht. Dazu trägt auch das Blut der Gämse bei, das aus ihrem Maul in den Schnee läuft.

Erklärt wird, dass Wölfe in Familienverbänden mit meist drei bis acht Tieren leben und dass auf ihrem Speiseplan neben Reh- und Rotwild eben auch Gämsen, Wildschweine, Hasen, Aas und sogar Elche stehen. Nutztiere wie Schafe machen weniger als ein Prozent ihrer Nahrung aus, legte Museumspädagogin Daniele Klüger jüngst bei einer Führung dar.

Nachzulesen ist beim Diorama auch, dass es beim Fressen schon einmal zu Auseinandersetzungen kommen könne. Wölfe kommunizieren nicht nur über Knurren und Zähne fletschen, sondern auch über eine Reihe von Körpersignalen wie eben Haltung, Blicke, Gesichtsausdruck und Stellen der Nackenhaare.

Baden-Württembergs erster Rückkehrer

Deutlich neutraler ist die Darstellung in der aktuellen Sonderschau „Neobiota – Natur im Wandel“, die noch bis einschließlich Sonntag, 11. September, zu sehen ist. Der präparierte Wolf dort gleicht einem großen Hund und wirkt nicht bedrohlich.

Als „Rückkehrer“ hat er seinen Platz in der Ausstellung – 2015 gab es den ersten Wolfsnachweis in Baden-Württemberg seit seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert.

Zu beiden Ereignissen gibt es Exponate: Ein Foto des Wolfsteins im Naturpark Stromberg-Heuchelberg, wo 1847 der letzte Wolf Württembergs erschossen wurde, sowie der Schädel des Rückkehrers von 2015.

Schädel eines Wolfes
Der erste Nachweis: Der Schädel des Wolfes, der 2015 bei Lahr überfahren wurde, ist nun im Naturkundemuseum. Foto: SMNK

Das junge männliche Tier war aus der Schweiz zugewandert und wurde bei Lahr überfahren, schildert Manegold. Der Kadaver sei beim Fund in einem so schlechten Zustand gewesen, dass er nicht präpariert werden konnte.

Die Knochen kamen, wie der Schädel, in den Fundus des Museums. Dermoplastiken verschiedener Wolfsarten gibt es im Magazin noch mehrere , die je nach Themenschwerpunkt in die Ausstellungen genommen werden können.

In der Neobiota-Schau zeigen Nachbildungen von Fußabdrücken und Kot, welche Spuren der Wolf hinterlässt. Auf Knopfdruck ist das Heulen eines Wolfes zu hören.

Die kontroversen Ansichten zur Rückkehr des Raubtieres sind ebenfalls Thema: Ein Jäger, ein Schäfer, eine Tier- und Umweltschützerin sowie ein Wissenschaftler haben sich differenziert geäußert. Und auch die Ausstellungsbesucher können ihre Stimme hinterlassen: Ihre Meinung können sie dokumentieren, indem sie eine Kugel in den entsprechenden Glasbehälter werfen.

Noch dominieren die Befürworter – fast genauso viele Besucher aber wissen noch nicht so recht, was sie von der Rückkehr des Wolfes halten sollen.

Dauerausstellung im Nationalparkzentrum am Ruhestein

Im Nationalparkzentrum am Ruhestein trifft man ebenfalls auf den Wolf. Schließlich ist der Nationalpark Schwarzwald seit kurzem Teil eines großen Wolfsgebietes. In der Dauerausstellung um die Vielfalt der Arten- und Lebensräume gibt es neben Auerhahn, Uhu, Fuchs und Co auch einen präparierten Wolf in einem Wald-Diorama zu entdecken.

Zudem ist der Wolf auch bei Veranstaltungen Thema. So wird Ende Oktober (und voraussichtlich im kommenden Jahr erneut) eine Exkursion mit dem Titel „Rotbäckchen und der liebe Wolf“ angeboten. Neben Informationen zur Biologie und der Lebensweise der Tiere soll auch die Geschichte von Wolf und Mensch thematisiert werden – und geklärt werden, wie viel denn nun dran ist am Märchen vom bösen Wolf.

Den im Nordschwarzwald ansässigen Wolf wird man sehr wahrscheinlich nie im Sinne einer Sichtung im Freien erleben.
Franziska Lemoine, Pressesprecherin im Nationalpark

Mehr Wolf-Begegnung ist im Nationalpark nicht zu erwarten: „Den im Nordschwarzwald ansässigen Wolf wird man sehr wahrscheinlich nie im Sinne einer Sichtung im Freien erleben“, meint Franziska Lemoine von der Pressestelle des Nationalparks. „Genauso wenig wie in anderen Lebensräumen, in denen Wölfe in Deutschland ansässig sind.“

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