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Erfinderische Gelatieres

Wegen Corona verschickt Eisdiele aus Karlsruhe ihre Ware per Post

Nach der Corona-Verordnung des Landes müssen auch Eisdielen geschlossen bleiben. So brauchen die Inhaber eine Menge Fantasie, um sich über Wasser zu halten. Neben Lieferdiensten haben die Karlsruher Gelatieres auch ganz originelle Ideen.

Claus-Jürgen Kuhn, Inhaber des Eiscafés Eis Oma in Grünwinkel verpackt die Bestellungen, die er an die Kunden liefert. Foto: jodo

Das Wetter ist schön wie lange nicht mehr, rund um die Osterfeiertage. Der strahlend blaue Himmel und Temperaturen jenseits der 20 Grad laden zum Eis essen im Freien ein. Nur: das geht nicht.

Explizit sieht die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg auch eine Schließung der Eisdielen vor. Das gilt selbstverständlich auch für Karlsruhe. Was für die Kunden schade ist, nagt bei den Inhabern an der Existenzgrundlage. Ideen sind also gefragt, wie das Eis doch an die Frau und den Mann kommen kann, ohne gegen Recht und Gesetz zu verstoßen.

Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, wie auch Beispiele aus der Fächerstadt zeigen.

Mit Trockeneis gekühlt ins ganze Land

Besonders originell ist die Idee der Eisdiele Cassata, die normalerweise in der Oststadt ihre Kunden mit der süßen, kalten Creme beglückt. Mit ihrer Klopapier-Eistorte ging die Familie, die weitere Läden in Rastatt und Gaggenau betreibt schon durch die Medien . Nun sorgt der Inhaber der Karlsruher Filiale, Giuseppe Cimino, gemeinsam mit seinen Brüdern mit einer speziellen Methode der Lieferung für Aufsehen. Statt in der Waffel gibt es das Eis nämlich im Paket – deutschlandweit mit der Post geliefert.

„Unsere Eisbecher werden zusammen mit Trockeneis verpackt, das 72 Stunden kalt hält“, erklärt Cimino. Dann geht es mit Expressversand raus an die Kunden. Am nächsten Tag soll es da sein. Vier Becher zu je 500 Milliliter kosten 37 Euro. Es gibt dieselben Sorten wie üblich.

Die Cimino-Brüder, die drei Eisdielen besitzen, machen die Eisbecher für die Verpackung bereit. Foto: Privat

„Für uns ist das die einzige Möglichkeit, unser Geschäft offen zu halten“, ist der Gelatiere überzeugt. Ein Lieferservice in Karlsruhe kommt für ihn nicht in Frage. „Das ist sehr schwierig bei den ganzen Baustellen. Deshalb verschicken wir unser Eis“, sagt Cimino. „Es ist uns eine Ehre, unseren Kunden auch an Ostern den Tag zu versüßen.“

Mit dem Fahrrad in der Styroporbox zum Kunden

Thavakumar Maniam, der seit 2013 die Eisdiele Arte Dolce in der Kaiserallee betreibt, versucht es hingegen mit einem eigenen Lieferdienst – wie viele seiner Konkurrenten in der Stadt auch. „Im Moment ist das noch etwas schwierig von der Koordination, weil uns einfach die Erfahrung fehlt“, gibt er zu.

Es ist aber aktuell die einzige Möglichkeit, den Betrieb am laufen zu halten. Geliefert wird zwischen 14 und 18 Uhr mit einem Fahrrad und zwei Autos. An Sonn- und Feiertagen ist es noch eines mehr. Viele wollen auf das selbst gemachte Eis einfach nicht verzichten – allen Alternativen in den Supermärkten zum Trotz.

Auf seiner Homepage vermerkt Maniam am Abend, welche Sorten es am nächsten Tag gibt, 14 bis 17 verschiedene sind es. In Styroporboxen gehen die Lieferungen dann raus auf die Straße.

Seinen Eiswagen hat Claus-Jürgen Kuhn um die Süßspeisen während der Fahrt zum Kunden kalt zu halten. Kuhn ist Inhaber des Eis-Cafés Eis-Oma, das Filialen in Grünwinkel, Forchheim und Mörsch hat.

Bei ihm gibt es Spaghetti-Eis und diverse Becher zu bestellen, für die Zustellung verlangt er keinen Aufschlag. „Für die Eisdielen ist das eine sehr schwierige Situation“, sagt Kuhn. Die Wintermonate müsse man ohnehin ohne die großen Einnahmen überbrücken. Und ausgerechnet jetzt, wo die Sonne scheint und es die Leute ins Freie locken würde, müssen die Läden geschlossen bleiben. „Der Lieferservice ist auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Eis-Oma-Chef.

Verordnung wird unterschiedliche ausgelegt

Ob nun Giuseppe Cimino, Thavakumar Maniam oder Claus-Jürgen Kuhn – sie alle hätten es deutlich leichter, wenn die Behörden ihnen auch die Selbstabholung durch die Kunden erlauben würden. Was etwa beim Hamburger oder Döner erlaubt ist, wird bei Eisdielen sehr uneinheitlich gehandhabt, obwohl die Corona-Verordnung Abholdienste auch für sie grundsätzlich zulässt.

Während in anderen Städten behördliche Schreiben an die Gelatieres rausgingen, in denen unter Auflagen die Freigabe für Abholungen erteilt wurde, warten die Eisdielenbesitzer der Fächerstadt bislang vergeblich darauf. Eine klare Aussage der Stadtverwaltung war zu diesem Thema nicht zu bekommen. Schön wäre gewesen, so sagen es die Betreiber, wenn noch vor Ostern Klarheit in dieser Frage geherrscht hätte.

Dass der Straßenverkauf nicht erlaubt ist, sieht Maniam ein: „Die Schlangen waren schon sehr lang, als es noch erlaubt war“, sagt er. Das sei für die Besitzer auch schwer zu kontrollieren.

Warum aber nicht im Zehn-Minuten-Takt Vorbestellungen abgearbeitet werden dürfen, die der Kunde mit nach Hause nimmt, versteht er nicht. Doch so lange das der Fall ist, gilt: Wenn der Kunde nicht zum Eis kommt, dann muss das Eis eben zum Kunden kommen.

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