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Umfrage unter Verkäufern

In der kreativen Szene in Karlsruhe ist viel Bewegung

Wie steht es um die lokale Kreativszene? Sie ist in Bewegung. Das ergab eine Umfrage bei Verkäufern und Produzenten. Karlsruhe alleine reiche aber nicht aus, heißt es. Und das obwohl die Nachfrage nach lokalen Produkten immer weiter gestiegen sei.

Dagmar Ruf (wohnstueck.de/ Foto: links) und Claudia Kappenberger (Family Tree Shop) im Laden in der Rueppurer Str. 25 Peter Sandbiller Foto: None
Von unserer Mitarbeiterin Nina Setzler

An Weihnachten haben Marina Eggen und Claudia Kappenberger ihren „Family Tree Shop“ aufgegeben, in dem sie fünf Jahre lang Design-Produkte lokaler Labels verkauft haben. „Wir haben festgestellt, dass der bürokratische Aufwand zu groß ist für das, was am Ende übrig bleibt. Für die Entwicklung neuer Produkte blieb uns zuletzt nur wenig Zeit“, sagt Claudia Kappenberger, die wie ihre Geschäftspartnerin auch als angestellte Grafikerin in Teilzeit arbeitet. Ursprünglich gaben eigene Entwürfe wie der Schaukelstuhl „See-Saw“ und der Hocker „Tête-à-Tête“ den Anlass zur Gründung des Shops, nach und nach kamen Produkte anderer Karlsruher Labels hinzu.

Entwurf schaffte es ins Badische Landesmuseum

Etwa die Glaskaraffen von Laura Jungmann in der Form klassischer Sprudelflaschen der 70er- und 80er Jahre. Der originelle Entwurf hat es sogar in die Sammlung des Badischen Landesmuseum geschafft. „Kunden, die dafür 76 Euro zahlen, statt fünf Euro bei IKEA oder 50 Euro bei WMF, treffen eine bewusste Entscheidung. Als kleines, lokales Label bedienen wir keinen Massenmarkt“, so Laura Jungmann, die es überraschend findet, wie groß das Interesse des Karlsruher Publikums es für solche Arbeiten sei. „Anfangs haben viele gesagt, wie teuer wir sind. Mittlerweile nehmen sie das Geld in die Hand und kaufen lokale Produkte. Im Kontext der Fridays-For-Future-Bewegung steckt in unseren Ideen mehr Potenzial als gedacht“, so die Designerin.

Wunsch-Motive sind möglich

Neben ihrem Onlineshop setzt sie in Sachen Vertrieb auf gut kuratierte Galerien und Läden, wie „Wohnstück“ von Dagmar Ruf. Die frühere Partnerin des „Family Tree Shop“ betreibt die Ladenfläche mit ausgewähltem Design künftig allein und stellt dort auch selbst Filz-Objekte wie Handyhüllen, Gürtel oder Schlüsselanhänger her. „Ich biete zudem individuelle Textildrucke für Einzelpersonen oder auch Firmen-Werbegeschenke an. Jeder kann sich sein gewünschtes Motiv auf mitgebrachte Shirts oder Ähnliches drucken lassen, das ist mit Flock- und Flex-Folien ab zehn Euro möglich“, erklärt die studierte Architektin. Ihr Laden in der Rüppurrer Straße trage zur Hälfte des Umsatzes bei, daneben verkaufe sie über Amazon, Etsy und andere Plattformen im Web. „Die Nachfrage an lokal hergestellten Produkten ist zwar gestiegen, aber Karlsruhe allein reicht nicht, man muss seine Produkte schon etwas weiter streuen“, findet Dagmar Ruf.

Spezialisierung auf lokale Manufakturen

Auch Manuela Seith hat sich mit ihrem „Laden Zwei“ auf lokale Manufakturen spezialisiert: „Wir führen die Karlsruher Labels wie Chrima, Vogelbacher oder Ninja Boulderarts, außerdem Hersteller aus Baden-Baden und der Schwäbischen Alb.“ Die Shop-Besitzerin sagt, dass lokale Labels sich zwar gut verkaufen, heute allerdings vor allem mit außergewöhnlichen Produkten. „Früher kamen auch einfache Bastelarbeiten gut an, heute machen die Kunden vieles selbst und werden durch die Fülle an Kunsthandwerker-Märkten auch schneller satt“, glaubt Manuela Seith. Neben Schmuck und Accessoires führt sie auch Postkarten lokaler Künstler wie Steve Faraday.

Brite zeichnet die Häuser von Karlsruher Privatleuten

Der Brite lebt seit 28 Jahren in Karlsruhe und ist in den letzten Jahren zum zeichnenden Chronisten geworden. „Ich zeichne prägnante Gebäude, Kneipen oder Baustellen, mein Stil ist hier mittlerweile bekannt und verkauft sich gut. Privatleute engagieren mich sogar, um ihr Haus zu zeichnen, Architekten wollen, dass ich ihre Projekte für die Website festhalte“, so Faraday. Er versuche es manchmal mit anderen Motiven, die liefen jedoch nicht so gut wie Marktplatz, Orgelfabrik und Co. „Jetzt bin ich eben auf Karlsruhe spezialisiert. Manchmal schmuggle ich bei Ausstellungen ein Reise-Motiv dazu – nur kaufen mag das eben fast keiner“, verrät Steve Faraday und lacht. Tagsüber arbeitet er als Designer in einer Firma, abends oder in der Mittagspause bringt er seine „Sketches“ zu Papier – zuletzt die evangelische Stadtkirche und das Café Ludwig.

Umhängetaschen: Made in Karlsruhe

Zentral in der City arbeitet auch Udo Bögelsack an seinen handgemachtem Umhängetaschen aus Polster- und Deko-Stoff. „Die haben einen stabilen Holzboden und beginnen preislich bei 150 Euro, je nach Material kommt man rasch auf 250 Euro. Das Besondere an meinen Produkten ist, dass ich in Größe und Gestaltung auf den Wunsch meiner Kunden eingehen kann“, so Bögelsack. Viel Laufpublikum hat im Hinterhof-Atelier in der östlichen Kaiserstraße nicht, zumal er den Standort womöglich im Sommer aufgeben muss und sich der Einkaufsschwerpunkt zudem spürbar ans Ettlinger Tor verlagert habe, wie er sagt. Deshalb veranstaltet er auch Verkaufspartys und besucht Kunsthandwerker-Märkte. „Das große Geld macht man in meiner Branche sicher nicht, das muss man schon wirklich gerne machen. Aber dann klappt es auch meistens – bald feiere ich zehnjähriges Firmenjubiläum!“

Termine:

*Sale im „Family Tree Shop“ vom 8. bis 11. Januar 2020

*Ausstellung „Urban Life – die Stadt und ihre Menschen“ mit Kunst von Steve Faraday und anderen. Bis 28. Februar 2020 bei CAS Software AG, CAS-Weg1, 76131 Karlsruhe

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