Skip to main content

Awards in der Schauburg

Preisgala bestätigt Vielfalt des Karlsruher Filmfestivals „Independent Days“

Mit Preisträgern aus Pakistan, Moldau, Brasilien und Albanien hat das Karlsruher Filmfestival „Independent Days“ seinen internationalen Ruf bestätigt.

Aktuelle Streitthemen lassen sich auch mit Humor verhandeln. Das zeigt der Kurzfilm „Mother Nature“ der moldawischen Regisseurin Natalia Shaufert. Foto: IDIF21

Einer der Vorteile von Independent-Filmen ist, dass man die Darsteller meistens noch nicht kennt. Daher nimmt man ihnen ihre Rollen noch mehr ab als, sagen wir mal, Leonardo DiCaprio das oscarreife Überleben in der Wildnis.

Und deshalb ist es wiederum eine Erleichterung, bei einer Preisverleihung zu erleben, dass die Gesichter aus sehr ernsten Filmen privat doch ganz fröhlich daherkommen können.

Bei der Award-Gala der „Independent Days“ in der Schauburg Karlsruhe war dies der Fall bei Anil Fastenau. Für seine Leistung in dem pakistanischen Langfilm „Qazi“ wurde er als bester Schauspieler des Festivals ausgezeichnet.

In dem Film zeigt er mit beklemmend authentischer Darstellung die emotionale Talfahrt eines jungen Pakistani, der sich vergeblich um Asyl in Deutschland bemüht und an einen Gangster gerät, der seine Geldnot brutal ausnutzt.

Hauptpreis geht an den Film „Wild Lea“ über eine Wildkatze

Auch die als beste Darstellerin gekürte Melodie Wakivuamina bot gewissermaßen das Gegenstück zu ihrer Rolle in Jerry Hoffmanns Film „I Am“. Auf der Leinwand faszinierte sie in dem Kammerspiel über Künstliche Intelligenz als überzeugend emotionsloser Androide, bei der Übergabe des Preises (wie jener für den besten Darsteller gestiftet von der Vollack Group) sprudelte sie schier über vor Freude.

Der Hauptpreis, der mit 2.500 Euro dotierte Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe, ging an ein rundum herzerwärmendes Werk: „Wild Lea“ von der kolumbianischen Filmemacherin María Teresa Salcedo Montero bezaubert mit Stop-Motion-Animation und der Geschichte einer Wildkatze, die bei einer Stoffpuppe und deren Schützlingen lernt, dass man gemeinsam durch Krisen kommt. Ein nur scheinbar einfacher Film mit einer zeitlos aktuellen Botschaft.

Im großen Saal der Schauburg fand die Preisgala der 21. Independent Days in Karlsruhe statt. Foto: IDIF21

Oberbürgermeister Frank Mentrup als Schirmherr des Festivals sagte, das große Interesse an diesen Preisen zeige auch die Bedeutung des Festivals.

Die ist international, trotz der erschwerten Bedingungen durch Corona: Rund 1.200 Einreichungen aus 90 Ländern sichtete das Team um Festivalleiter Oliver Langewitz, um daraus ein Programm mit 140 Beiträgen aus 45 Ländern zusammenzustellen.

Auch dies eine Leistung, die Mentrup ausdrücklich würdigte, ebenso wie das Durchhaltevermögen des Teams, das bereits im vergangenen Jahr seine 20. Ausgabe nur unter äußerst erschwerten Umständen gestemmt hatte.

BNN stiften Preis für den besten Kurzfilm, der an „Pripiat“ geht

Lohn der Mühen war ein Programm, dessen Vielfalt sich auch in der Endrunde des Publikumspreises spiegelte. Hier ging die von der Stadt Karlsruhe mit 1.500 Euro dotierte Auszeichnung an „Ba ham – Together“ von Shahab Habibi über die Situation eines politischen Flüchtlings, der seine Frau in Sicherheit bringen will.

Wie sich gesellschaftspolitische Themen mit Humor erzählen lassen, zeigt „Mother Nature“ von Natalia Shaufert aus Moldau, ausgezeichnet mit dem ebenfalls von der Stadt gestifteten „Female Award“ (1.000 Euro) für die beste weibliche Regiearbeit. Hier wird ein familiäres Abendessen zum Clash der Generationen, als Onkel und Tante üppige Fleischgerichte auffahren, die Nichte und ihr Mann aber strikte Veganer sind.

Der Preis für die beste Filmmusik ging an Dascha Dauenhauer für „Have a nice dog“, der Underground-Award an das sehr persönliche Stadtporträt „Kopacabana“. Den „Best Newbie Award“ für das beste Erstlingswerk (von der Messe Karlsruhe gestiftet) vergab die Festivaljury an „Soyka“, eine US-Produktion der aus Belarus stammenden Regisseurin Anastasiya Sergienya.

In der Kategorie „Best Short Short Film“ für Beiträge mit weniger als fünf Minuten Dauer ging der von den BNN gestiftete Preis an „Pripiat“ von Stéphane Ryter. Der auf radioaktiv belastetem Super-8-Material gedrehte Film trägt die Narben der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 ebenso in sich wie die Protagonistin, die den Ort der Katastrophe aufsucht.

Bei den Langfilmen ging die Auszeichnung „Best Indie Award“ (gestiftet von der IAVF GmbH) an den albanischen Regisseur Namik Ajazi für sein Drama „The Unfinished Portrait of Klara Bellini“, das von der unterdrückten Liebe zwischen einem albanischen Kunststudenten und einer italienischen Diplomatentochter in den 80er Jahren erzählt.

nach oben Zurück zum Seitenanfang