Skip to main content

Interview mit Kreisverbandsarzt Sascha Tantzky

DRK-Kreisverband Karlsruhe verzichtet wegen Corona auf Einsatzkräfte

Viele wollen helfen, dürfen aber nicht: Wegen der Corona-Pandemie sind in der DRK-Notfallhilfe weniger Ehrenamtliche im Einsatz als zuvor.

Direkter Kontakt: Wegen des erhöhten Corona-Infektionsrisikos setzt der DRK-Kreisverband Karlsruhe keine Angehörigen der Risikogruppen in der ehrenamtlichen Notfallhilfe ein. Foto: Boris Roessler picture alliance/dpa

Der DRK-Kreisverband Karlsruhe setzt auch im Notfall keine ehrenamtlichen Helfer ein, die zu den Corona-Risikogruppen zählen.

Nach BNN-Informationen kam es dadurch zuletzt zu mindestens einer kritischen Situation, die indes glimpflich endete.

Ein DRK-Mitglied wurde aus Altersgründen nicht zum Einsatz gerufen, obwohl ein Geschädigter in seiner Nachbarschaft dringend Hilfe benötigte.

Sascha Tantzky, Karlsruher DRK-Kreisverbandsarzt Foto: DRK-Kreisverband Karlsruhe

Warum das Deutsche Rote Kreuz (DRK) dennoch an der Regel festhalten will, erklärt Kreisverbandsarzt Sascha Tantzky im Gespräch mit BNN-Redakteur Dominic Körner.

Herr Tantzky, weshalb dürfen Angehörige der Risikogruppen nicht in der Notfallhilfe eingesetzt werden?
Tantzky

Sie ist eine ehrenamtliche Ergänzung zum Regel-Rettungsdienst, um die Rettungskette zu optimieren, also nice to have and good to have. Wir haben die Verpflichtung, unsere ehrenamtlichen Helfer zu schützen. Die vorgeschriebene Hilfsfrist (15 Minuten, Anm. der Redaktion) bleibt davon allerdings unberührt.

Im Ernstfall kann es um wenige Minuten gehen…
Tantzky

Das ist richtig. Für uns ist das ein Spagat. Wir müssen abwägen zwischen dem Schutz unserer Mitbürger und der Fürsorgepflicht für unsere freiwilligen Helfer. Im Gegensatz zum professionellen Rettungsdienst kann ich von ihnen nicht verlangen, im Einsatz ihre Gesundheit zu riskieren. Der Eigenschutz steht über allem. Der DRK-Landesverband Baden-Württemberg empfiehlt sogar eine komplette Einstellung der ehrenamtlichen Notfallhilfe in der Corona-Pandemie.

Was macht die Einsätze für Risikopatienten besonders gefährlich?
Tantzky

In den meisten Fällen müssen unsere Helfer direkt mit den Menschen in Kontakt treten. Eine Wiederbelebung etwa ist zwar mit einem Beatmungsbeutel möglich. Dabei liegt der Kopf des Patienten aber im Schoß des Sanitäters und der Aerosolausstoß kann sehr hoch sein. Weil die Mundstücke nicht immer 100-prozentig dicht sind, sitzt der Helfer so direkt in einer Aerosolwolke.

Sind die Betroffenen einsichtig oder werden sie langsam ungeduldig?
Tantzky

Viele Helfer wollen wieder arbeiten. Sie sitzen seit einem Jahr zu Hause und sind frustriert. Wir lassen aber aktuell niemanden aus den Risikogruppen zum Einsatz, auch wenn er noch so sehr will. Falls dabei etwas passiert, kommen wir nicht aus der Haftung. Außerdem werden wir dann nicht mehr glücklich.

Können Angehörige der Risikogruppen nicht in anderen Bereichen helfen?
Tantzky

Das ist möglich, zum Beispiel bei ehrenamtlichen Arbeiten in Corona-Testzentren oder bei Blutspende-Terminen. Diese Einsätze sind für uns besser planbar. Die Helfer können dort auch administrative Arbeiten ohne persönlichen Kontakt erledigen. Im Notfall befindet man sich dagegen oft in engen Räumen und muss sofort reagieren.

Welche Auswirkungen hat das Einsatzverbot von Risikogruppen auf das Hilfsangebot im Landkreis Karlsruhe?
Tantzky

Wir haben uns mit den anderen Notfalldiensten wie ASB, DLRG, Maltesern und Johannitern auf diese Regelung verständigt. Dennoch musste sich bislang nur eine von insgesamt 75 Ortsstellen im Kreis aus Infektionsschutzgründen abmelden.

Wie schützen sich Ihre verbliebenen Sanitäter im Einsatz?
Tantzky

Sie tragen immer ihre persönliche Schutzausrüstung, Handschuhe, eine FFP2-Maske und eine Schutzbrille oder ein Visier sowie situativ angepasst einen Schutzanzug. Wir hatten das Glück, dass wir schon in der ersten Infektionswelle sehr schnell über den Landkreis ausgestattet wurden. Wichtig ist darüber hinaus, dass sich die Helfer nach ihrer Arbeit vorsichtig ausziehen, um sich nicht zu infizieren.

Sind Ihre ehrenamtlichen Einsatzkräfte mittlerweile durchgeimpft?
Tantzky

Hauptberufliche Notfallhelfer wurden zurecht priorisiert, die müssen schließlich zum Patienten. Da wollten wir uns nicht vordrängen. Nachdem die erste Gruppe versorgt war, wurden auch einige unserer Helfer geimpft.

Dürfen nun auch wieder geimpfte Risikopatienten zum Einsatz?
Tantzky

Für Geimpfte und Genesene gibt es bislang noch keine Ausnahme. Wir warten auf eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts.

nach oben Zurück zum Seitenanfang