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KARLE-Illustratorin Maria Karipidou

Interview: „Ein Bild kann eine ganze Geschichte erzählen”

Maria Karipidou ist mit Leib und Seele Illustratorin. Schon als Krabbelkind umgab sie sich Ende der 70er Jahre mit Papier und Wachsmalstiften, heute zeichnet und malt sie vorwiegend digital, aber nicht weniger bunt.

Flotter Strich: Die Karlsruher Illustratorin Maria Karipidou mit den Entwürfen für „KARLE“. Foto: Andrea Fabry

Maria Karipidou liebt es, Geschichten in Bildern zu erzählen und setzt ihr Talent in allen Bereichen ein, die ihr Spaß machen. So illustriert Maria Karipidou heute für Verlage in mehreren Ländern Kinderbücher, außerdem gibt sie Kreativ-Workshops für Kinder und Erwachsene und lehrt an der Pforzheimer Hochschule für Gestaltung freies Zeichnen. Ein weiteres Standbein ist der Bereich „Graphic Recording” ( www.thinkanddraw.de ).

Hierbei begleitet die Illustratorin beispielsweise im Auftrag von Unternehmen Workshops oder Vorträge und visualisiert die Inhalte live und vor Ort in Bildern und Zitaten. Die Kreative ist überzeugt, dass sich alle Inhalte in Bilder umsetzen lassen - seien sie auch noch so komplex.

Für die BNN hat die Karlsruherin den Familien-Wegweiser „KARLE“ illustriert, ein Magazin, das Familien Orientierung bieten will, wenn es um Themen wie Freizeit, Betreuung, Beratung und Gesundheit geht. Was sie an dem Produkt interessiert hat, wie sie ihre Figuren entwickelt und was sie antreibt - darüber unterhielt sich Maria Karipidou mit BNN-Redakteurin Angela Wiedemann.

Was ist das Wichtigste, das es über dich zu sagen gibt?
Maria Karipidou

Ich bin quirlig und liebe es, mich zu bewegen. Ich bin in Stuttgart geboren und lebe in Karlsruhe. Ich zeichne, seit ich denken kann und ich habe einen Hund, der mich seit 13 Jahren begleitet. Außerdem reise ich sehr gerne und bin ein großer Trickfilm-Fan.

Welche Trickfilme magst du am meisten?
Maria Karipidou

Jetzt muss ich das sagen, was 90 Prozent der Frauen in meinem Alter sagen würden: „Arielle, die Meerjungfrau” hat mich sehr geprägt. Künstlerisch finde ich „Dornröschen” und „101 Dalmatiner” unglaublich stark, besonders die Figuren und wie ihre Charaktere herausgearbeitet wurden. Ähnlich beeindruckt hat mich der Animationsfilm „Die Unglaublichen”, weil hier der Zeichenstil aus der Werbung der 50er- und 60er Jahre sehr konsequent umgesetzt wurde. Dieser Stil nennt sich „Cartoon modern”, und prägnante Beispiele dafür sind der Pink Panther und das HB-Männchen. Mit diesen Figuren bin ich aufgewachsen, die haben mich stark geprägt. Bei diesem Zeichenstil werden Charaktereigenschaften stark überspitzt dargestellt, sowohl bei Tieren als auch bei Menschen. Das liebe ich, das macht Spaß.

Hat dich das in deinem Stil beeinflusst?
Maria Karipidou

Als ich angefangen habe, Kinderbücher zu illustrieren , haben alle gesagt „Dein Stil ist aber französisch.” Was sie gemeint haben, war: „Dein Stil erinnert an einen Cartoon.” Genau die Elemente in meinen Arbeiten, die an die 50er und 60er Jahre erinnern, gefielen den Leuten. Da habe ich erst festgestellt, wie stark der Einfluss von Pink Panther auf meine Figuren war.

Sind diese Figuren zeitlos oder entsprechen sie gerade aktuell wieder dem Zeitgeist?
Maria Karipidou

Diese Figuren haben etwas Verspieltes an sich, darin steckt etwas von der Lebenslust, die sich nach dem Krieg Bahn gebrochen hat. Es ging um Konsum, Glamour und Lifestyle, wenn diese Figuren genutzt wurden, und ich denke, das hat sich inzwischen zu etwas Zeitlosem entwickelt.

Uns hat dieser Stil ja auch sehr gut gefallen, deshalb wollten wir dich als Illustratorin für unseren Familien-Guide KARLE gewinnen. Warum hast du ja gesagt?
Maria Karipidou

Weil ich es unglaublich mutig finde, ein Magazin mit Illustrationen zu bebildern, sogar auf der Titelseite. Mit Illustrationen in dieser Art kann man sehr leicht Emotionen wecken. In anderen Ländern wird dieses Stilmittel seit langem genutzt, auch in der Werbung. In Deutschland aber wurde kulturell bedingt lange nur mit einem pädagogischen Schwerpunkt im Bilderbuch gearbeitet.

Ist es dir schwer gefallen, Figuren für ein Familien-Magazin zu entwickeln?
Maria Karipidou

Die Idee hat bei mir sofort ins Schwarze getroffen, denn Characterdesign ist eine meiner Stärken. Ich war sehr glücklich, als ich hörte, es geht um Dinge, die man in Karlsruhe machen kann. Da war bei mir sofort die Figur im Mittelpunkt. Im Endeffekt waren das lauter kleine und große Karlsruher, die ich gezeichnet habe.

Wie groß ist die Chance, dass sich Freunde oder Familienmitglieder in deinen Figuren für KARLE wiedererkennen?
Maria Karipidou

Eigentlich nicht groß. Natürlich fallen mir Kinder aus dem Freundeskreis ein oder meine Nichten, wenn ich über Kinder nachdenke. Aber bei mir sind auch viele Archetypen im Spiel, die ich dann abwandle. Ich beobachte, wie sich die Menschen anziehen, schaue mich viel um. Ich überlege mir, wie sieht ein Kind aus, das gerne malt, wie eins, das lieber Skateboard fährt. Irgendwann gibt es einen Output von dem ganzen Input, den ich so sammle.

Denkst du viel in Bildern?
Maria Karipidou

Ja, das war bei mir schon immer so. Wenn jemand etwas erzählt hat, ist bei mir innerlich ein Trickfilm abgelaufen. Meine Mutter erzählt, ich konnte kaum laufen, da habe ich schon Papiere um mich herum verteilt und mit Wachsmalstiften meine Welt gezeichnet. Mit vier oder fünf Jahren habe ich die ersten Comics gezeichnet. Die habe ich teilweise heute noch.

Gibt es Figuren, die dich schon immer begleiten?
Maria Karipidou

Die erste Comicfigur, die ich gezeichnet habe, war der Pink Panther. Diese Zeichnungen habe ich auch aufgehoben. Später kam Disney, dann Mangas und schließlich franko-belgische Comics mit Figuren wie „Gaston” oder „Spirou und Fantasio”. Außerdem mag ich „Graphic Novels”. Ich habe als Kind aber auch eigene Figuren entwickelt. Eine davon hieß Lotti, und die hat lauter Alltagssituationen erlebt, die in meiner Familie und mit meinen Geschwistern abgelaufen sind.

Gibt es Dinge, die schwer darstellbar sind?
Maria Karipidou

Es gibt Themen, bei denen man sehr viel Feingefühl mitbringen muss. Wenn es um sensible Themen geht, muss man sich oft entscheiden, welchen Strich setze ich, welchen lasse ich lieber weg. Alles beinhaltet eine Aussage. Komplexe Themen oder gesellschaftliche Entwicklungen sind außerdem immer schwierig darzustellen, aber meistens geht es ja genau darum, einen bestimmten Aspekt zu beleuchten oder einen Standpunkt zu beziehen. Eine Illustration kann das alles: Sie kann etwas erzählen, etwas ergänzen, etwas emotionalisieren oder auch entdramatisieren. Ein Bild kann eine ganze Geschichte erzählen.

Ist es schwer, etwas Negatives darzustellen?
Maria Karipidou

Nein. Alles ist emotional. Es gibt ja auch viele Kinderbücher über den Tod, über Trennung, über Schmerz. Das sind natürlich alles Dinge, die negativ sind, aber die zum Leben gehören. Das können für einen Illustratoren dann sogar die interessantesten Arbeiten sein.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?
Maria Karipidou

Ich liebe es, eine Idee zu haben. Wenn ich außerdem in Zusammenarbeit mit Autoren, Auftraggebern oder einem Verlag über Geschichten und Characterdesign reden kann und mithelfen kann, ein Projekt zum Leben zu erwecken, macht mich das glücklich.

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