Skip to main content

ADFC sieht Planungen kritisch

Ist ein kreuzungsfreier Radschnellweg von Karlsruhe nach Rastatt möglich?

Die geplante Streckenführung entlang der B36 stößt bei Moritz Dekorsky vom ADFC nicht unbedingt auf Gegenliebe. Und auch über die Route von Bulach zum Epplesee ist er nicht wirklich glücklich.

Freie Bahn: Fast komplett kreuzungsfrei verläuft dieser von Radfahrern häufig genutzte Weg zwischen dem Bahnhof Forchheim (Silberstreifen) und Bulach. Foto: Martin Dekorsy

Er träumt von einem asphaltierten Radweg: Von den Karlsruher Stadtteilen Beiertheim und Bulach durch den Wald entlang der Bahnlinie zum Bahnhof Forchheim/Silberstreifen weiter über den Kutschenweg bei der früheren Anstalt für Schweinezucht bis zum Epplesee.

Moritz Dekorsy ist begeisterter Fahrradfahrer aus Karlsruhe und dazu noch Experte fürs regionale Radwegenetz beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Karlsruhe. Wenn er sich den gerade neu mit einer geschotterten, als wasserbindenden Oberfläche hergestellten Kutschenweg ansieht, schüttelt er nur mit dem Kopf.

Die falsche Oberfläche fürs Rad

„Autostraßen haben schließlich auch keine wassergebundene Oberfläche. Ein solcher Belag erzeugt für die Fahrradreifen zu viel Reibung. Außerdem werden Radfahrer bei Regenwetter ganz schön dreckig.” Im Übrigen koste der Unterhalt einer wassergebundenen Oberfläche pro Kilometer das Fünf- bis Zehnfache pro Jahr im Vergleich zum Unterhalt einer asphaltierten Decke.

Eine asphaltierte Strecke sei zwar in der Herstellung doppelt so teuer, aber dies rechne sich langfristig. „Auf längere Sicht also auch der günstigere Weg”, sagt Moritz Dekorsy an der Ecke Schwimmschul-/Kutschenweg direkt neben dem Segelflugplatz in Forchheim.

Neu gemacht von Land: Radfahrer hätten sich über eine Asphaltierung des Kutschenwegs gefreut. Er verbindet Karlsruhe mit dem Epplesee Foto: Werner Bentz

Er befürchtet, dass der Weg aufgrund der Beschaffenheit der neuen Oberfläche bald wieder in einem Zustand ist, dass viele Fahrradfahrer keine Lust mehr hätten, ihn zu nutzen. Die Bürgervereine Bulach und Oberreut seien selbstverständlich an guten Radverbindungen interessiert.

Kreuzungsfrei von Grünwinkel bis nach Rastatt?

Ein anderes Thema für Dekorsy ist der Radschnellweg Karlsruhe - Rastatt. Jüngst gab es dazu einen Besprechungstermin mit ADFC-Vertretern im Rathaus von Rheinstetten. Ihr Wunsch: Die Straße soll kreuzungsfrei von Grünwinkel bis zum Rastatter Hauptbahnhof laufen. Überlegungen in einem Papier des Regionalverbands Mittler Oberrhein (RMVO), den Radschnellweg durch die Kommunen entlang der B 36 zu führen, hält der ADFC nicht für zielführend.

Wenn sich da Radfahrer begegnen, ist es brandgefährlich.
Martin Dekorsy, regionaler Radweg-Experte des ADFC Karlsruhe

„Der bisherige regionale Verbindungsweg entlang der B 36 ist zwar asphaltiert, aber sehr schmal und dazu noch im Zwei-Richtungsverkehr eingerichtet. Wenn sich da Radfahrer begegnen, ist es brandgefährlich. Das Grün am Rand wird auch nicht regelmäßig geschnitten, so dass alles mögliche an Pflanzen hineinhängt”, erläutert Moritz Dekorsy bei einem Vororttermin in Rheinstetten.

Macht sich viele Gedanken über Radwege: Moritz Dekorsy vom ADFC in Karlsruhe Foto: Johannes-Christoph Weis

Es gebe auf der Radverbindung am östlichen Rand der Forchheimer und Mörscher Bebauung viele gefährliche Einmündungen in die B 36. „Mit Schnellweg hat dies nichts zu tun”, so der Fahrrad-Experte. Jeder Radfahrer, der zwischen Rastatt und Karlsruhe unterwegs sei, habe lange Wartezeiten beim Überqueren von Kreuzungen in Kauf zu nehmen.

Zudem ärgert Dekorsy bei der angedachten Linienführung ein „Zick-Zack”-Weg, der an der östlichen Seite der Messe Karlsruhe vorbei um das dortige Golf-Gelände führe. Da müsse es andere Lösungen geben. Ein Radschnellweg soll laut Standard nicht nur kreuzungsfrei, sondern auch „knickfrei” sein und möglichst eine komplett eigene Fahrbahn haben.

Radschnellweg muss kerzengerade sein

Der bisherige Entwurf des RVMO beinhalte, dass 40 Prozent des Weges auch von anderen Verkehrsmitteln mitgenutzt werden können. Das sei untragbar. Der Vorschlag des ADFC bleibe, von Karlsruhe 200 bis 300 Meter hinter der Messe auf Rheinstettener Gemarkung „kerzengerade” nach Süden einen eigenen Fahrradweg anzulegen und dann den vorhandenen Weg (Baustraße) auf der neuen Schnellbahntrasse bis zum Bahnhof Rastatt zu verwenden: „Das wäre ein Fahrradweg, der den Namen Radschnellweg verdient.”

Bei einer solchen Wegführung sei auch der Anschluss im Norden an das Karlsruher Radwegnetz in Grünwinkel optimal. Das wäre zukunftsweisend für den Radverkehr im nächsten halben Jahrhundert, findet Dekorsy.

Der sachkundige Radfahrer könnte sich zwischen Epplesee und Messe Karlsruhe eine Flurneuordnung durchaus vorstellen, um die gewünschte Radschnellverbindung zu erhalten. „Dies ist bei solchen Projekten im Straßenbau immer Standard”, betont Dekorsy. Er wünscht sich eine Politik der Gleichrangigkeit von Auto, ÖPNV, Fahrrad und Fußwegen.

Übergang am Kutschenweg „lebensgefährlich”

Und schließlich stimmt er auch dem Kritikpunkt einer Leserin zu. Sie schrieb an die BNN wegen des Übergangs am Kutschenweg über die am Epplesee vorbeiführende Kreisstraße 3581 beim Ährenweg: „Den Übergang vom Kutschenweg zum Radweg an der Kreisstraße halte ich für eine unzumutbare Gefährdung für Fußgänger und Radfahrer. Besonders für Familien mit Kindern auf dem Fahrrad ist es lebensgefährlich, die Straße zu überqueren.

Die Fahrzeuge aus dem Tunnel sieht man relativ spät und viele fahren zu schnell. Direkt nach dem Überweg ist Tempo 70 ausgeschildert, was dazu führt, dass die Fahrer aufs Gas drücken. Hier sollte es eine Veränderung geben. Beispielsweise eine Bedarfsampel oder zumindest Tempo 30 im Bereich des Überwegs und Tempo 50 bis zum Kreisel, der nur wenige 100 Meter entfernt ist”.

Dekorsy sagt dazu: Wenn diese Gefahrenstelle an der Herrenalber Straße beseitigt würde, könnten Radler kreuzungsfrei von Bulach bis zum Epplesee kommen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang