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Völkerverständigung

Jugendliche aus fünf Ländern pflegen Kriegsgräber in Karlsruhe

Ferien auf dem Friedhof? Was sich nach Vampiren oder Grufties anhört, ist eine politische Arbeit: Jugendliche aus fünf Nationen pflegen die Kriegsgräber auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. 

Zwei Wochen im Einsatz: Zwischen 16 und 23 Jahre alt sind die Teilnehmer, die die Gräber auf dem Hauptfriedhof pflegen. In ihrer Freizeit erkunden sie die Stadt und Region. Foto: Jörg Donecker

Dafür opfern sie ihre Freizeit, werden von Freiwilligen der Kriegsgräberfürsorge betreut, die sonst auch im Urlaub wären. Zwei Wochen sind die siebzehn Jugendlichen zwischen 16 und 23 Jahren in Baden-Württemberg, zupfen Unkraut bei Regen und seit Mittwoch auch bei brennender Sonne. Wenn sie frei haben, erkunden sie die Stadt, waren schon im Waldseilpark in Durlach und bei Regen in Heidelberg, und in ein paar Tagen geht es weiter an den Bodensee.

Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) lobte am Mittwoch das Engagement der Teilnehmer aus der Ukraine, Rumänien, Polen, Bulgarien und Deutschland. „Es ist ja sowohl sinnbildlich als auch real, dass sie grade die Kriegsgräber pflegen und damit auch ihren Teil für die Völkerverständigung beitragen. Grade weil hier Menschen liegen, die die Feinde ihrer Großväter gewesen sein können. Ich finde das einen sehr anrührenden Gedanken.“

Es gehe darum, die Vergangenheit zu akzeptieren, zu analysieren und dann daraus zu lernen. Und das tun die Jugendlichen mit einer sehr großen Geste.

Ein deutliches Zeichen für Frieden

Tatsächlich berichtet Olha aus der Ukraine, dass sie sich in einem Camp mit einem Russen angefreundet hat, der all seine Vorurteile über die Ukraine am Schluss abgelegt hatte. Auch für Lenya aus Speyer ist die Arbeit mit den anderen Jugendlichen ein deutliches Zeichen für den Frieden, ihr Urgroßvater sei im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Während ihrer Arbeit auf dem Friedhof wird ihr immer wieder klar, wie viele Menschen gestorben sind. Und der ehrenamtliche Betreuer Uwe Reinisch ergänzt: „Es kann ja durchaus sein, dass hier Menschen liegen, die auch Verbrecher waren – für uns sind sie nur noch Menschen. Und die meisten sind einfach unschuldige Opfer.“

Am Ende eines Krieges gibt es sowieso nur noch Verlierer, sagte Mentrup und schließt mit einem Hinweis auf seine eigene Arbeit als Präsident im Rat der Gemeinden und Regionen Europas: „Wir diskutieren dort immer wieder, wie wir Jugendliche an die Idee von Europa heranführen können, hier wird es einfach gemacht.“

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