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BNN zeigen acht Kandidaten

Junge Menschen wollen in die Kommunalpolitik: Ratssitzung statt Party

Junge Kandidaten bei den Kommunalwahlen am 26. Mai sind selten - aber es gibt sie! BNN-Redakteurin Julia Falk hat mit acht von ihnen aus der Region von der Ortenau bis Bruchsal über politische Hintergründe, Pläne und Wünsche gesprochen.

Sie sind jung, engagiert – und wollen Lokalpolitik machen (o. v. l. n. r.): Mathilde Göttel, Jan Elskamp, Till Ohnesorg und Patrick Diebold sowie (u. v. l. n. r.) Dennis Seiter, Enes Aydin, Marc Sebastian Neff und Marcel Kehrwecker. Foto: Falk, Gestaltung: Bodamer

Während ihre Freunde und Bekannten dieser Tage den Frühsommer genießen und das Wochenende im Biergarten verbringen, stehen sie auf den großen Plätzen in ihrer Stadt und machen Wahlkampf. Die Rede ist von jungen Kandidaten bei den Kommunalwahlen am 26. Mai. Die BNN haben mit acht von ihnen aus der Region von der Ortenau bis Bruchsal über politische Hintergründe, Pläne und Wünsche gesprochen.

Mathilde Göttel, Die Linke Karlsruhe Foto: Falk

Für Mathilde Göttel war die Bundestagswahl 2017 der ausschlaggebende Grund, sich selbst politisch engagieren zu wollen. Nachdem die AfD bei der Wahl stark abgeschnitten hatte, "wollte ich nicht mehr zur schweigenden Masse gehören". Zunächst bei "Solid", der Jugendorganisation der Linken, aktiv, ist die 20-Jährige nun festes Mitglied der Partei und kandidiert am 26. Mai auf Listenplatz drei für den Karlsruher Gemeinderat. Ihr guter Listenplatz habe erst einmal auch Selbstzweifel mit sich gebracht, erzählt die Studentin: "Es war erst einmal so etwas Großes." Inzwischen habe sie aber "total Lust auf den Gemeinderat" und viele Ideen.

Marcel Kehrwecker, CDU Bruchsal Foto: Falk

"Ich bin da irgendwie reingestolpert", sagt Marcel Kehrwecker aus Bruchsal über die Anfänge seiner politischen Aktivität. 2014 sei er vom CDU-Ortsverband Obergrombach gefragt worden, ob er nicht für den Ortschaftsrat kandidieren möge. Gesagt, getan. Zunächst parteilos, sitzt der 24-Jährige inzwischen für die CDU im Obergrombacher Ortschaftsrat und kandidiert zudem auf Listenplatz 24 für einen Sitz im Bruchsaler Gemeinderat. An der neuen Aufgabe würde ihn vor allem eines reizen: "Ich will wissen, was der Gemeinderat kann, was der Ortschaftsrat nicht kann", sagt der Rechtsreferendar.

Enes Aydin, Junge Liste Pforzheim Foto: Falk

Enes Aydin

Jan Elskamp, FDP Bretten Foto: Falk

Jan Elskamp Im Video: So laufen die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg am 26. Mai ab.

Marc Sebastian Neff, AfD Ortenaukreis Foto: Falk

Kritisch gegenüber der EU sei Marc Sebastian Neff schon länger gewesen. Bei seiner Arbeit als Security-Mann in Asylbewerber-Heimen habe er mitbekommen, wie wenige Straftaten dort polizeilich verfolgt würden. Seine Welt sei zusammengebrochen: "Ich habe gemerkt, dass unser Rechtsstaat nicht mehr funktioniert." Er stieß auf die AfD, ging zu Partei-Stammtischen und trat 2018 ein, ist heute im Kreisverband Ortenau Beisitzer. "Irgendwann kam der Entschluss, dass das die richtige Partei ist", sagt er. Nun möchte der 22-Jährige jeweils auf Listenplatz eins in den Ortenauer Kreistag und den Gemeinderat in Biberach im Kinzigtal.

Patrick Diebold, SPD Ettlingen Foto: Falk

Patrick Diebold

Till Ohnesorg, Freie Wähler Bühl Foto: Falk

Till Ohnesorg

Dennis Seiter, Bündnis 90/ Die Grünen Baden-Baden Foto: Falk

Dennis Seiter Interaktive Grafik: In diesen Städten und Kreisen möchten die jungen Kandidaten Lokalpolitik machen (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren).

Die in diesem Beitrag bereits vorgestellten Kandidaten vertreten alle großen Parteien im Land sowie eine Liste. Sie sind nach dem Ergebnis, das ihre Partei bei der Bundestagswahl 2017 erzielte, absteigend geordnet.

Interaktive Grafik: Steckbrief Marcel Kehrwecker, CDU Bruchsal (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

Bruchsals zentrale Lage zwischen Karlsruhe und Heidelberg schätzt Marcel Kehrwecker. Sein Heimatort Obergrombach sei zwar sehr ländlich, trotzdem biete Bruchsal eine gute Mischung.

Marcel Kehrwecker, CDU Bruchsal Foto: Falk

Die Nahversorgung aller Stadtteile muss gesichert sein.

Die stetig weiter zu verbessernde Infrastruktur ist dem CDU- Kandidaten wichtig, auch wenn vieles schon gemacht werde. Bruchsal sei beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gut aufgestellt, nur manchmal werde das Angebot nicht so gut angenommen. Der Rechtsreferendar würde das Car-Sharing gerne für alle Teile der Stadt weiter ausbauen und die Bürger dafür sensibilisieren. Zudem müsse der demographische Wandel immer im Blick behalten werden. Insgesamt habe Bruchsal die gleichen Probleme und Themen wie andere Städte auch.

*Das Video wurde auf Wunsch des Kandidaten gelöscht.* Interaktive Grafik: Steckbrief Patrick Diebold, SPD Ettlingen (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

"Das lebenswerte Gefühl in Ettlingen ist unschlagbar", sagt Patrick Diebold. Die Innenstadt sei unglaublich attraktiv, der Anschluss nach Karlsruhe gut und es gebe alles. "Ettlingen hat den Charme eines großen Dorfes", so der 31-Jährige. Das merke man an den Menschen und im Gemeinderat: "Wir arbeiten gut zusammen." Auch jungen Menschen biete die Stadt etwas.

Patrick Diebold, SPD Ettlingen Foto: Falk

Ettlingen hat den Charme eines großen Dorfes.

Besserung wünscht sich der SPD-Kandidat bei der Anbindung der Höhenstadtteile an den ÖPNV. Sonst könnte Ettlingen überaltern. Das sollen auch bezahlbarer Wohnraum und kostenlose Kitas verhindern. "Die Innenstadt muss für Autos unattraktiv werden", so Diebold. Stattdessen gelte es, Rad- und Fußwege besser zu kennzeichnen.

Interaktive Grafik: Steckbrief Marc Sebastian Neff, AfD Ortenaukreis (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

Für Marc Sebastian Neff ist die Ortenau eine wunderschöne Region. "Wir haben eine wunderbare Umwelt", meint der Biberacher, "vor allem in den Tälern und ländlichen Regionen." Dem AfD-Kandidaten, der selbst Guggenmusik in einem Verein spielt, gefällt zudem die hohe Brauchtumspflege in der Ortenau.

Marc Sebastian Neff, AfD Ortenaukreis Foto: Falk

Ich möchte mich für ein Bürger- begehren auf Kreisebene einsetzen.

Was der AfD-Kandidat verbessern möchte, ist die Bürgerbeteiligung. "Dem Bürger muss mehr Entscheidungskraft gegeben werden", so der 22-Jährige. Er möchte sich im Kreistag für ein Bürgerbegehren auf Kreisebene stark machen, das in Baden-Württemberg bisher so nicht möglich ist.

Interaktive Grafik: Steckbrief Jan Elskamp, FDP Bretten (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

Das jährliche Peter- und Paul-Fest in Bretten ist für Jan Elskamp das absolute Highlight in der Melanchthon-Stadt. Ein "Paradebeispiel für die Stadt" nennt es der 24-Jährige, wenn 3000 Ehrenamtliche dabei den Zusammenhalt Brettens zeigen würden. Der FDP-Kandidat schätzt außerdem die Vereine in der Stadt und den idyllischen Marktplatz.

Jan Elskamp, FDP Bretten Foto: Falk

Junge Menschen sollten sich in allen Lebensbereichen engagieren.

Eine Südwestumgehung für Bretten sieht der FDP-Spitzenkandidat als absolutes Muss. Bis es soweit sei, müsse mit kurzfristigen Maßnahmen für Entlastung gesorgt werden. Die Bundesstraßen 35 und 294 laufen mitten durch Bretten. Vom Gemeinderat wünscht sich Elskamp mehr Mut.

Interaktive Grafik: Steckbrief Mathilde Göttel, Die Linke Karlsruhe (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

An Karlsruhe gefällt Mathilde Göttel, dass es so eine grüne Stadt ist. "Von der Fußgängerzone ist man in wenigen Minuten am Schloss oder im Wald", sagt sie. Sie selbst sei in der Karlsruher Nordstadt eher ländlich aufgewachsen, gleichzeitig gebe es in der Innenstadt alles, was man brauche.

Mathilde Göttel, Die Linke Karlsruhe Foto: Falk

Ohne Fahrrad würde ich mich wie amputiert fühlen.

Luft nach oben sieht die 20-Jährige beim Thema fahrradfreundliche Stadt. Die Linken-Kandidatin würde gerne Autos aus der Innenstadt verbannen - aus Öko-, Lärm- und Platzgründen. Dazu sollten ihrer Meinung nach Bus und Bahn längerfristig für alle kostenlos werden, vor allem aber für Schüler und Studenten.

Interaktive Grafik: Steckbrief Dennis Seiter, Bündnis 90/Die Grünen Baden-Baden (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

"Baden-Baden ist eine Kleinstadt mit Weltcharakter", sagt Dennis Seiter über seinen Heimatort. Er schätzt das Flair im Kleinen mit direkter Anbindung an die Natur, das es seit mittlerweile 150 Jahren so gebe. "Leute, die zum ersten Mal nach Baden-Baden kommen, sind erstaunt, wie grün es ist", so der Grünen-Kandidat. Auch das kulturelle Angebot in der Bäderstadt begeistert den Lehramtsstudenten.

Dennis Seiter, Bündnis 90/ Die Grünen Baden-Baden Foto: Falk

Baden-Baden ist eine Kleinstadt mit Weltcharakter.

"Ich bin ein sehr optimistischer Mensch", so Seiter über sich selbst. Luft nach oben sieht er in der Kommunikation von Maßnahmen, etwa bei Straßensanierungen. Außerdem wünscht er sich mehr Bürgernähe.

Interaktive Grafik: Steckbrief Till Ohnesorg, Freie Wähler Bühl (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

Till Ohnesorg findet, dass Bühl eine schöne Stadt ist mit vielen Plätzen. "Es ist alles da, was man braucht", so der Freie-Wähler-Kandidat über die Stadt, in der er in den Gemeinderat möchte.

Till Ohnesorg, Freie Wähler Bühl Foto: Falk

Mir ist die Förderung ehrenamtlicher Hilfsorganisationen wichtig.

Radwege sind für den 22-Jährigen ein Punkt, bei dem es in Bühl noch Luft nach oben gibt. Allgemein sollten die Menschen weniger mit dem Auto und mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. "Die Preise des ÖPNV könnte man einmal hinterfragen", so der Auszubildende. Ein anderes Anliegen Ohnesorgs ist das Thema Bauen: Er würde gerne die Richtlinien für private Häuslebauer lockern. "Die Menschen bauen nur einmal in ihrem Leben", so Ohnesorg, "ich möchte ihnen die Chance geben, ihr Haus frei zu gestalten, wie sie es möchten."

Die Junge Liste Pforzheim versteht sich als Abbild der Gesellschaft in der Goldstadt. Die Hälfte der Kandidaten ist weiblich, jeder Zweite hat Migrationshintergrund und alle sind jünger als 27 Jahre. Die Liste ist parteiübergreifend.

Interaktive Grafik: Steckbrief Enes Aydin, Junge Liste Pforzheim (für mehr Informationen mit der Maus über das Bild fahren)

"Pforzheim ist ziemlich übersichtlich", meint Enes Aydin über die Goldstadt. "Meine Freunde und Familie sind hier", so der Junge-Liste-Kandidat, "es gibt alles, was man braucht, um glücklich zu sein." Jede Stadt habe ihre hässlichen Ecken, meint der Auszubildende: "Ich bin stolz darauf, Pforzheimer zu sein." Die Stadt an Enz, Würm und Nagold habe zudem eine sehr gute Lage zwischen Stuttgart und Karlsruhe.

Enes Aydin, Junge Liste Pforzheim Foto: Falk

Ich bin stolz darauf, Pforzheimer zu sein.

Dem 21-Jährigen wurde in den vergangenen Jahren in Pforzheim zu wenig gemacht. Gleichzeitig gebe es zu viel "politisches Klein-Klein", so Aydin. Er wünscht sich schnellere und bessere Entscheidungen für die Stadt.

Die Streitthemen

Zu fünf aktuellen Themen, die lokal wie überregional wichtig sind, haben die acht Kandidaten unterschiedliche Meinungen.

Fridays for Future

Bei den Demos gehen jeden Freitag weltweit Schüler und Studenten auf die Straße, um während der Schulzeit für den Klimaschutz zu streiken. Die Initiatorin der Bewegung ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg.

Kein Planet B: Viele Schüler haben sich in Pforzheim den Protesten zum weltweiten Streiktag der Aktion Fridays for Future angeschlossen. Unter ihnen die Mitorganisatoren Robin Schaletzki (dritter von links) und Jamila Hatlapatka (rechts). Lorenz Hornung macht am Megafon Stimmung. Foto: Herbert Ehmann

Die hätte, wenn es nach Patrick Diebold (SPD) ginge, dafür den Friedensnobelpreis verdient. Er findet die Demos großartig und würde am liebsten selbst noch zur Schule gehen, um dabei sein zu können. Ganz anders sieht das AfD-Kandidat Marc Sebastian Neff. "Greta ist eine Marionette ihrer Eltern", sagt er: "Sie setzen sie ein, um die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken."

Marcel Kehrwecker von der CDU findet es grundsätzlich gut, dass Jugendliche für das Thema Umweltschutz sensibilisiert werden, hält es aber für fraglich, ob die Proteste immer während der Schulzeit stattfinden müssten. Ähnlich sieht es Dennis Seiter (Bündnis 90/Die Grünen), der es als angehender Lehrer nicht gut findet, dass der Unterricht unter den "Fridays for Future" leidet. Das Engagement der Schüler sei jedoch hervorzuheben. Auch Jan Elskamp von der FDP sieht die zwei Seiten der Medaille. "Die Jugendlichen haben das Thema adressiert, jetzt liegt es an den Gremien", meint er. Freie-Wähler-Kandidat Till Ohnesorg sieht ein ganz anderes Problem: Schüler, die die Demonstrationen nur zum Schwänzen nutzten. Für Jugendliche, die für die Sache einstünden, sei es eine gute Sache.

Keine Bedenken hat Mathilde Göttel von den Linken: "Ich finde es super, dass sich junge Menschen positionieren und etwas für ihre Zukunft tun." Auch Erwachsene sollten die Arbeit niederlegen und sich beteiligen. Dass die Demos am Freitag stattfinden, hätte ihnen gutgetan, so Göttel. Auch Enes Aydin von der Jungen Liste versteht das Problem nicht: "Es heißt immer, junge Leute würden nichts machen." Wenn dann etwas getan werde, sei das auch wieder nicht recht: "Die Schüler stehen nicht ohne Grund auf", meint Aydin.

Impfpflicht

Nachdem deutschlandweit, auch in der Region Baden, die Masern wieder auf dem Vormarsch sind, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Impfpflicht einführen.

Die klare Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland ist für eine Impfpflicht. Foto: Marius Becker

Dass die Masern auch in Karlsruhe und Umgebung wieder auftreten, wäre vermeidbar gewesen, meint Ohnesorg. Er hält eine Impfpflicht für dringend notwendig. Genauso sieht es Elskamp: "Unwissenschaftliche Vorurteile einiger Weniger dürfen nicht zur Gefahr für alle werden." Auch Diebold ist "definitiv" für eine Impfpflicht. Er findet Eltern verantwortungslos, die ihre Kinder etwa gegen Masern nicht impften.

Die Wichtigkeit sinnvoller Impfungen sieht auch Seiter, aber: "Man kann niemanden gegen seinen Willen impfen." Die Panik mancher Menschen baue nur auf Angst, "und Angst ist ein furchtbar schlechter Berater". Mit Zwang erreiche man das Gegenteil. Eine bessere Aufklärung statt der Pflicht fordert auch Kehrwecker. "Jeder muss selbst entscheiden", meint Neff. Ebenso sieht das Aydin: "Jeder muss mit den Konsequenzen seiner Entscheidung leben." Göttel ist unentschlossen: "Ich kann beide Seiten nachvollziehen." Sie sei keine Gegnerin, würde so manche Impfung aber gerne hinterfragen.

Tempolimit

Seit Jahren heiß diskutiert wird das Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Die Befürworter erhoffen sich dabei einen verringerten CO2-Ausstoß sowie weniger Verkehrstote.

Am Freitag waren Überlegungen einer der Kommissions-Arbeitsgruppen bekannt geworden - darunter ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen. Foto: Armin Weigel

Kein Befürworter ist AfD-Kandidat Neff. Die meisten Verkehrstoten gehen seiner Meinung nach auf das Konto unerfahrener Fahrer. "Wer viel fährt, beherrscht sein Fahrzeug", so der 22-Jährige. "Es gibt derzeit Wichtigeres", meint Junge-Liste-Kandidat Aydin. Er findet es in Ordnung, dass an manchen Stellen schnell gefahren werden darf: "Wir haben gute Autos in Deutschland."

Ein Tempolimit könnte eine Lösung sein, glaubt CDU-Mann Kehrwecker: "Aber es muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein." Er würde Autofahrer eher durch hohe Strafen zu einer Verhaltensänderung bewegen. So sieht es auch Elskamp von der FDP: Er fordert saftige Strafen für Raser, wie es sie etwa in der Schweiz gibt. Ohnesorg von den Freien Wählern ist unschlüssig: Käme es zum Tempolimit, müssten auch keine Autos mehr gebaut werden, die gute Leistung bringen. Seiter ist dafür. Er fahre selbst kein Auto, verweist aber auf andere Länder, in denen Tempolimits bereits funktionieren würden. Das sagt auch Diebold: Er führt das Nachbarland Frankreich an, in dem man viel stressfreier fahren könne. "Da unsere Autobahnen gut ausgebaut sind, könnte ich mich auch mit einem Limit von 150 Kilometern pro Stunde anfreunden", so der SPD-Kandidat.

Linken-Kandidatin Göttel hält es für "irrsinnig", dass ein Tempolimit noch nicht selbstverständlich sei. "Ich bin absolut dafür", so die 20-Jährige und verweist auf weniger Gedrängel und Verkehrstote sowie den ökologischen Fußabdruck.

Kita-Gebühren

Für Kinder ist der Besuch des Kindergartens wichtig, für manche Eltern kann der Beitrag aber ein ziemliches Loch in die Haushaltskasse reißen. Während die Grünen fordern, Kita-Gebühren anhand des Gehalts der Eltern zu staffeln, würde die SPD die Kinderbetreuung gerne komplett kostenfrei machen.

Die Grünen würden die Kita-Gebühren gerne nach dem Einkommen der Eltern staffeln, die SPD die Beiträge ganz abschaffen. Foto: N/A

Diebold befürwortet das Konzept seiner Parteigenossen auf Bundesebene und spricht sich für gebührenfreie Kitas aus: "Diese staatliche Dienstleistung sollte allen frei zur Verfügung stehen." Eine Staffelung, wie von den Grünen vorgeschlagen, würde nur noch mehr Verwaltungsaufwand bedeuten: "Die Kommunen müssen entlastet werden." So sieht es auch Göttel. In manchen Bundesländern funktioniere es bereits, so die Linken-Kandidatin: "Es ist einfacher und unbürokratischer, wenn es allen zusteht."

Gebührenfrei, wenn es möglich ist, fordert Aydin. "Kinder sind die Zukunft", so der Kandidat der Jungen Liste: "Wir leben in einem Sozialstaat. Der Staat muss mehr investieren." Jedes Kind habe das Recht, gut aufzuwachsen. Auch Seiter fände es schön, wenn keiner Gebühren zahlen müsste. Er hat aber auch den Erhalt der Kitas im Blick und spricht sich wie seine Parteikollegen für die Staffelung aus: "Wenn jemand sehr gut verdient, warum nicht etwas mehr zahlen?" Neff stimmt "ausnahmsweise" mit den Grünen überein und fordert, dass sozial Schwachen unter die Arme gegriffen wird. Der AfDler hält die Kita-Gebühren aber insgesamt für zu hoch. Auch Ohnesorg meint, dass der Staat die Gebühren für alle niedriger machen sollte und wenn möglich, ganz abschaffen. Bis dahin sollten aber alle das Gleiche zahlen.

Für Kehrwecker steht der Erhalt der Einrichtungen an erster Stelle: "Solange die Kitas auf das Geld angewiesen sind, sind die Gebühren wichtig." Wenn es ginge, würde auch der CDUler gerne die Bürger entlasten und die Beiträge abschaffen. FDP-Kandidat Elskamp sieht die Bürger in der Verantwortung, spricht sich aber für eine leistungsorientierte Staffelung aus.

Lehrermangel

An vielen deutschen Schulen herrscht Lehrermangel. In der Not werden Quereinsteiger eingestellt, viele Stellen bleiben unbesetzt.

In Deutschland mangelt es an Lehrern. Doch was ist falsch gemacht worden und wie kann der Zustand verbessert werden? Foto: N/A

"Es braucht eine vorausschauende Politik", sagt Göttel. Die Rente von Lehrern sei abzusehen, so die Linken-Kandidatin. Gleichzeitig werde die digitale Bildung immer wichtiger. Auch Kehrwecker verweist auf Statistiken und eine bessere Planung. Außerdem müsse laut dem CDU-Kandidaten die Ausbildung attraktiver werden. Das sieht auch Elskamp so. "Es muss einen Grund geben, dass weniger Menschen Lehrer werden wollen", meint er. Verdienstmöglichkeiten, Arbeitszeiten und -bedingungen – der FDP-Kandidat sieht einige Hebel, an denen man ansetzen könnte. Ohnesorg von den Freien Wählern würde zudem besser für den Beruf werben, um ihn attraktiver zu machen. Dennoch gebe es Berufe, die noch ärmer dran seien.

Für Seiter von den Grünen, selbst angehender Lehrer, liegt das Problem im Schulsystem. Die Eltern kümmerten sich überbordend, um jede Note werde gekämpft. Und: "Es macht den Beruf nicht attraktiver, dass Lehrer über die Sommerferien entlassen werden." Die Attraktivität der Ausbildung hänge auch von den Schulen ab. Aydin von der Jungen Liste sieht den Staat in der Investitionspflicht. Die Arbeit mit Kindern werde schwieriger, aber Kinder seien die Zukunft und müssten gefördert werden. Für Neff, AfD, ist auch politisches Versagen schuld an der Situation: "Einerseits werden zu wenige Stellen ausgeschrieben, andererseits hat der Lehrerberuf kein gutes Image." Dieses müsse aber dringend aufgebessert werden.

Für SPD-Kandidat Diebold sind in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden. "Ein Umdenken muss her", meint er: "Wir müssen aufpassen, was im Schulsystem passiert." Der Lehrer müsse wieder die Autorität im Klassenzimmer und das Niveau des Unterrichts besser werden, bei trotzdem gleichbleibenden Chancen für alle: "Hier müssen mehrere Zahnräder gedreht werden."

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