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Zehn Jahre Kinder- und Jugendtheater

Junges Staatstheater Karlsruhe: Geburtstagsfeier mit Schatten der Spuhler-Ära

Mit einem Festakt hat das Junge Staatstheater Karlsruhe sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Weitgehend verschwiegen und dann doch genannt wurde der Initiator und Gründer: Peter Spuhler.

Publikum und Profis agieren gemeinsam auf der Bühne: In der Jubiläumsproduktion „Zehn“ am Jungen Staatstheater Karlsruhe treten Karlsruher Kinder und Jugendliche mit den Darstellerinnen Lodi Doumit (hinten links mit Mikrofon) und Laura Teiwes (hinten rechts) auf. Foto: Arno Kohlem

Wie wird die Welt in zehn Jahren aussehen? Eine schwer zu beantwortende Frage, mit der sich das Junge Staatstheater Karlsruhe dennoch in seiner neuen Produktion „Zehn“ auseinandersetzt.

Der Anlass hierfür: Die Kinder- und Jugendsparte des Badischen Staatstheaters feiert an diesem Wochenende zehnjähriges Bestehen. Und statt zurückzuschauen, wird in der Jubiläumsproduktion nach vorne geblickt.

Und zwar mit etlichen Vertreterinnen und Vertretern der Zielgruppe, die in der Inszenierung von Bjørn de Wildt gemeinsam mit den Profi-Darstellerinnen Lodi Doumit und Laura Teiwes auf der Bühne stehen.

Kinder sind für uns nicht das Publikum von morgen, sondern das Publikum von heute.
Stefanie Heiner, Leiterin Junges Staatstheater

Mit Laien auf der Bühne hat die aktuelle Leiterin des Jungen Staatstheaters schon Erfahrung: Stefanie Heiner, seit Sommer 2020 für das Kinder- und Jugendtheater zuständig, leitet bereits seit 2018 die partizipative Sparte Volkstheater. Die unterscheidet sich zwar grundlegend vom Jungen Staatstheater, das nach wie vor eher Angebote zum Zuschauen macht als zum Selbermachen.

Austausch mit dem Publikum ist wichtig

Doch „der direkte Austausch“ zwischen Theaterleuten und ihrem Publikum „ist bei diesen Zielgruppen sehr wichtig“, befindet Heiner. Man müsse die jungen Zuschauer und ihre Wünsche kennen: „Für uns sind Kinder nicht, wie es oft im Theater heißt, das Publikum von morgen, sondern das Publikum von heute.“

Deshalb sei es auch besonders erfreulich, nach langen Monaten der Corona-Zwangspause nun wieder vor Publikum spielen zu können. „Wir merken das auch an der Nachfrage der Schulen“, sagt Heiner. Denn das Junge Staatstheater pflegt nicht nur Kooperationen mit rund 30 Schulen, die regelmäßig zu Vorstellungen kommen.

Klassenzimmer-Stücke stark nachgefragt

Es hat auch mehrere Klassenzimmer-Stücke im Angebot, mit denen das Theater seinerseits in die Schulen geht. „Das wird derzeit besonders stark nachgefragt, weil viele Schulen signalisieren, dass sie angesichts der Corona-Situation nur ungern mit der Klasse per Bahn anreisen wollen“, hat Leiterin Stefanie Heiner beobachtet. In dieser Saison stehen hier die Stücke „Plan(et) B“, „Schwalbenkönig“ und „Peter Pan“ im Angebot.

Als Einstieg in die Theaterwelt fungiere nach wie vor das klassische Weihnachtsmärchen, sagt Heiner: „Das ist in vielen Familien einfach fest verankert.“

Zudem lerne das junge Publikum hierbei auch das „große Theater“ kennen (ab 14. November steht „1001 Nacht“ auf dem Programm), während sich die kleine Hauptspielstätte „Insel“ als Ort für junges Publikum etabliert habe.

Festwochenende in der „Insel“

Dort wird nun mit einem Festwochenende gefeiert. So gab es vor der Premiere von „Zehn“ einen Festakt mit Grußworten von hochrangigen Gästen. Kunststaatssekretärin Petra Olschowski erinnerte an die Anfänge mit einem nur zweiköpfigen Ensemble und verwies auf die seither verzeichneten Erfolge.

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup betonte den Stellenwert einer eigenen Bühne für Kinder und Jugendliche, und Intendant Ulrich Peters lobte die besondere Atmosphäre in der Insel.

„Bauchweh“ durch den Schatten Spuhlers

Geprägt worden war diese in den ersten sechs Jahren durch Ulrike Stöck, die erste Leiterin der Sparte, die seit vier Jahren als Intendantin der Kinder- und Jugendsparte am Nationaltheater Mannheim arbeitet.

Ihr bemerkenswertes Grußwort erinnerte inmitten der ganzen Gratulationen an einen ansonsten ungenannten Schatten über dem runden Geburtstag: Sie habe Bauchweh, bekannte Stöck, dass dieser Anlass ohne den Initiator Peter Spuhler gefeiert werde. Und sie hätte Bauchweh, wenn er dabei wäre, fügte sie hinzu, und dankte in ihrer Rede jenen ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, „ohne die ich es hier keinen Tag ausgehalten hätte“.

Es sei in Karlsruhe „besonders großartig und schrecklich zugleich“ gewesen, sagte Ulrike Stöck, hörbar den Tränen nahe, und appellierte: „Lasst uns dafür sorgen, dass Menschen, die am Theater arbeiten, Kinder bekommen können, Freizeit und Familie haben dürfen und keine Angst haben müssen, ihre E-Mails zu öffnen.“

Programm

Festwochenende in der Insel, Karlstraße 49b: 23. Oktober, 15 bis 18 Uhr: Workshop-Tag, 19 Uhr: Vorstellung „Just gewusst – das Quiz“ / 24. Oktober, 14 Uhr: Vorstellung „Zehn“, 15 bis 18 Uhr: Familiennachmittag. www.staatstheater.karlsruhe.

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