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Erfolgreiche Kombination aus Fortbildung und Wissenschaft

100 Jahre Akademie für zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe: Als Dentisten noch in der Mehrheit waren

Die „Akademie für zahnärztliche Fortbildung“ existiert seit 100 Jahren in Karlsruhe. Ihre Geschichte ist eng verknüpft mit der Überwindung der Zweiteilung des zahnheilkundlichen Berufs, die bis in die 60er-Jahre hinein bestand.

Modernes Gebäude: In der Lorenzstraße befindet sich der mittlerweile dritte Standort der Akademie in ihrer 100 Jahre dauernden Geschichte in Karlsruhe. Foto: Jörg Donecker

„In der Vereinigung von praktischer Zahnheilkunde, internationaler Fortbildung und wissenschaftlicher Tätigkeit sind wir einzigartig in der Welt“, so Akademie-Direktor Winfried Walther über die „Akademie für zahnärztliche Fortbildung“ in Karlsruhe, die am 6. November ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Das große Ereignis wird coronabedingt online stattfinden: Referenten, Themen und Zeitplan - alles wird durchgeführt wie geplant, – allerdings über den Bildschirm. Bereits am 5. November findet der „Karlsruher Vortrag-Mund auf“ statt, diesmal mit Verfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth.

Zu Beginn ein Institut für Dentisten

Die Genese der Akademie, heute eines von zwei Fortbildungsinstituten der Landeszahnärztekammer, ist eng verknüpft mit der zweigeteilten Geschichte der Zahnärzteschaft in Deutschland: 1909 gab es über 6.000 Dentisten, während nur 2.600 Zahnärzte gezählt wurden.

Der Heilberuf der Dentisten war sehr daran interessiert, sich auch gesellschaftlich zu etablieren. Bereits 1903 beschloss er eine eigene Prüfungsordnung, die jedoch nicht staatlich anerkannt war. Erst 1920, zeitgleich mit der Gründung des Karlsruher Instituts unter Emil Kimmich, kam es zum Erlass einer staatlichen Zulassungsprüfung für Dentisten. Sie hieß „Die staatliche Prüfung von Dentisten“ im Lande Baden.

Zahnarzt-Zweiteilung erst 1960 aufgehoben

Das Dokument umfasst 17 Paragraphen. Es bildete den Hintergrund für die Schaffung des neuen Lehr- und Ausbildungsinstitutes in Karlsruhe. Der erste Standort des Institutes existiert heute nicht mehr. In den 80er Jahren wurde das Haus im Hinterhof der Carl-Hofer-Schule in der Steinstraße im Rahmen der Altstadtsanierung abgerissen. Das ehemalige Prinzessin-Wilhelm-Stift in der Sophienstraße diente ab 1929 für die kommenden 85 Jahre als Aus- und Fortbildungsinstitut.

Übung macht den Meister: Das Bild aus dem Jahr 1930 zeigt angehende Dentisten bei der Ausbildung in Karlsruhe im sogenannten Plombiersaal in der Sophienstraße. Foto: Archiv Akademie für zahnärztliche Fortbildung

Nachdem am 1. April 1953 das Zahnheilkundegesetz in Kraft getreten war, galt für die Ausbildungsinstitute der Dentisten ein Übergangsintervall von sieben Jahren, in dem begonnene nicht-universitäre Ausbildungen zum Zahnarzt abgeschlossen wurden. Danach schlossen andere Ausbildungsinstitute, denn das Gesetz legte fest, dass zur Ausübung der Zahnheilkunde ab 1960 die über ein Studium der Zahnmedizin zu erlangende Approbation Voraussetzung ist. Damit war ein fast 80 Jahre dauernden Dualismus von Zahnärzten und Dentisten beendet.

Von der Ausbildungs- zur Fortbildungsstätte

Die Jahre zwischen dem Erscheinen des Zahnheilkundegesetzes und der absehbaren Schließung des Lehrinstituts nutzte der damalige Direktor Walter Engel, um seinen Plan zu verwirklichen, aus der Einrichtung eine Fortbildungsstätte zu machen. Die Wende vom Lehr- zum Fortbildungsinstitut leitete eine neue Epoche ein. Es entstand eine Institution die ausschließlich der zahnärztlichen Fortbildung gewidmet war. Das hatte es bisher noch nicht gegeben

Es ist heute nicht mehr mit Sicherheit feststellbar, wer als Erster auf die Idee kam.
Direktor Winfried Walther über die Umwandlung des Dentisten-Instituts

Der seit 2007 amtierende Direktor Winfried Walther resümiert in der digitalen Festschrift: „Es ist heute nicht mehr mit Sicherheit feststellbar, wer als Erster auf die Idee kam, ein Dentistisches Ausbildungsinstitut zu einem Fortbildungsinstitut umzuwandeln. Als Absichtserklärung taucht dieser Gedanke erstmals am 6. September 1954 auf“.

Walter verweist auf ein Schreiben Engels an den Karlsruher Bürgermeister Franz Gurk, in dem es unter anderem heißt: „Meine bisherigen Besprechungen mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Zahnärzte mündeten in dem beiderseitigen Wunsch, aus dem Karlsruher Lehrinstitut eine großzügige Fortbildungsstätte für die deutschen Zahnärzte zu schaffen“.

Eine Einrichtung mit Weltformat

1976 erhielt das Fortbildungsinstitut den Namen „Akademie für Zahnärztliche Fortbildung“. Nach drei Jahren Bauzeit von 1978 bis 1981 hatte man aus dem jahrzehntelangen Standort Sophienstraße eine moderne Fortbildungseinrichtung gemacht.

Über 2.000 Quadratmeter standen nun für Behandlung und Fortbildung zur Verfügung und die Akademie wurde als Weiterbildungsstätte für Kieferorthopädie zugelassen. Michael Heners trat 1981 in der runderneuerten Akademie seinen Dienst als Direktor an. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Akademie zum weltweit renommierten zahnärztlichen Fortbildungszentrum.

Renommierte Redner bei „Mund auf“

Außerhalb der Zahnärzteschaft setzten die Akademie und Heners aber seit den 80er Jahren einen öffentlichkeitswirksamen gesellschaftlich-politischen Punkt. Seit 1983 bittet sie Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise verdient gemacht haben, zum „Karlsruher Vortrag - Mund auf“.

Die Liste ist so lang wie hochkarätig: Es sprachen unter anderem Chefanklägerin Carla Del Ponte, der UN-Atomwaffeninspekteur Mohamed el-Baradei, die Witwe von Anwar as-Sadat, Jehan Sadat, der einstige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Ralf Dahrendorf oder die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maatha.

In der Sophienstraße wäre die anstehende Sanierung plus Dienstbetrieb nicht aufrecht zu erhalten gewesen
Direktor Winfried Walther über den Umzug in die Lorenzstraße

Unter Walther kam der nächste Sprung nach vorne, nämlich 2014 der Umzug der Akademie samt ihrer 60 Mitarbeiter in einen Neubau in der Lorenzstraße. „In der Sophienstraße wäre die anstehende Sanierung plus Dienstbetrieb nicht aufrecht zu erhalten gewesen,“ resümiert Walther gegenüber den BNN.

Er scheidet demnächst aus dem Amt, sieht dies mit einer Mischung aus „Erleichterung und Wehmut“. Da sei einmal die „Schwere des Loslassens“, doch auch die Erkenntnis, „dass es nun Zeit für Jüngere ist“. Zum 1. Februar übernimmt Daniel Hellmann als neuer Direktor die Akademie.

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