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Kölner Büro gewinnt Architektenwettbewerb

70-Meter-Projekt für Karlsruher Skyline: Ein Hochhaus kommt hinter den Hauptbahnhof

Jahrzehnte lang ist nichts passiert mit dem Stadteingang Süd hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof. Inzwischen hat der Mulitmedia-Milliardär Dommermuth dort einen Bürohaus-Doppelriegel hochgezogen. Und jetzt gewinnt ein Kölner Büro den Hochhauswettbewerb eines Kölner Investors.

Hochhaus-Planung: Der Entwurf des Kölner Büros Astoc für einen Wohn- und Büroturm (links) hat den Wettbewerb gewonnen. Rechts daneben der neue Bürohausriegel von 1&1 hinter dem Hauptbahnhof. Ganz rechts der von Dommermuth noch geplante Büroturm. Foto: Jörg Donecker

Hinter dem Hauptbahnhof kann um 2025 ein Hochhaus von 73 Meter Höhe stehen. Das Kölner Büro Astoc hat den Architektenwettbewerb von 17 Konkurrenten mit seinem Entwurf „Schwarzwaldtrio“ für den Westzipfel des Geländes im Bogen der Schwarzwaldstraße gewonnen.

Investor ist der Kölner Projektentwickler Kreer. Er hat das Vorhaben im Auftrag der Stadt vorangetrieben und strebt nun den Kauf des städtischen Geländes an. Die Jury hat am Freitagabend das Konzept von Astoc auch deshalb ausgewählt, weil es überzeugend ein Ensemble aus drei ganz unterschiedlichen Elementen bilde: dem Hochhaus mit Mischnutzung , einem flachen Büroriegel und als dem kleinsten Element ein unter Denkmalschutz stehendes Bahnarbeiterwohnhaus für eine kulturelle Nutzung.

Dieses „Schwarzwaldtrio“ wird direkt neben dem sanierten historischen Kesselhaus, inzwischen die Kantine von 1&1, stehen.

Entwicklungssprünge hinter dem Hauptbahnhof

An der Stelle des Hochhauses, das dann neben drei anderen Bürotürmen von über 70 Metern Höhe die Karlsruher Skyline erweitert, stand bis zum Abriss vor 15 Jahren das Bahnhaus des autonomen Zentrums Ex-Steffi.

Das künftige Kulturhaus des „Schwarzwaldtrios“ war Teil der vor fünf Jahren von der Stadt aufgelösten „Künstlerkolonie hinter dem Hauptbahnhof“. Ein weiteres Hochhaus von über 70 Metern ist auf der Ostseite des Geländes hinter dem Hauptbahnhof, das die Stadt 25 Jahre vergeblich versucht hatte zu vermarkten, geplant: Der Investor Ralph Dommermuth, der Herr des Konzerns United Internet, zu dem 1&1 gehört, plant diesen Hochpunkt nahe der Bahnunterführung der Ettlinger Straße. Es wird der zweite Bauabschnitt des Großinvestors auf dem „Filetstück der Stadt“.

Im Mittelteil hat Dommermuth zwei symmetrisch beiderseits des Plätzchens am Hintereingang des Hauptbahnhofs angeordnete Bürohausriegel für 1&1 und die DB seit 2017 hochgezogen. Dieser Komplex mit zwei 48 Meter hohen Portalbauten am kleinen Bahnhofsplatz wurde im Sommer 2020 fertig.

Weitere 70-Meter-Bauten in Karlsruhe sind das Hochhaus der LVA bei Weinbrennerhaus und das Landratsamt an der Kriegsstraße beim Ettlinger Tor. Das Landratsamt soll abgerissen werden und wird dann durch einen Neubau von maximal 90 Meter Höhe die Stadt überragen.

Der Wettbewerbsgewinner Astoc ist in Karlsruhe kein Unbekannter. Sein Gründer und Geschäftsführer ist Markus Neppl, Architekturdekan des KIT. Neppl kam schon bei mehreren Aufträgen in Karlsruhe zum Zuge, beispielsweise bei der KIT-Campus-Eweiterung am Adenauerring oder mit der Planung „Goldengate“ für ein Geschäftszentrum an Stelle des Postamts am Mühlburger Entenfang.

Nutzungsmix unter der Skylodge

Für das Hochhaus ist ein Mix aus kurz- und langfristig mietbaren Appartements, Boardinghouse-Zimmern und Büros vorgesehen. Für das Erdgeschoss sind Gastronomie und Läden geplant. Kreer Development will hinter dem Hauptbahnhof 75 Millionen Euro investieren. Jury-Vorsitzender Markus Müller, der Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, billigt den Wettbewerbsentwürfen eine „hohe Qualität“ zu.

Schließlich hätten sie eine städtebaulich schwierige Situation mit „den Maßstabssprüngen der drei Gebäude“ meistern müssen. Dem Sieger Astoc sei es dabei gelungen, dass das kleine denkmalgeschützte Bahnhaus nicht zugebaut werde, sonder sich am Platz behaupte. Dazu komme „die hohe Nutzungsmischung“ in dem Turm mit einer „Skylodge“ aus Pergolen auf dem Dach.

Investor Florian Kreer betont, dass mit den öffentlichen Angeboten im Erdgeschoss das ganze Quartier belebt werde. Baubürgermeister Daniel Fluhrer freut sich, dass die Stadt mehr in die Höhe baue. „Karlsruhe bekommt eine qualitativ hochwertige Erweiterung seiner Skyline“, meint Fluhrer.

Zudem gelinge mit dem Hochpunkt im Westen die städtebauliche Fassung der Bebauung des südlichen Stadteingangs hinter dem Hauptbahnhof. Kreer will jetzt die Verhandlungen mit der Stadt vorantreiben und noch in diesem Jahr den Bauplatz kaufen. Nach rund neun Monaten Planung steuert er „den Bauantrag Mitte 2022“ an. Kommt dann rasch die Baugenehmigung rechnet er anschließend mit 30 Monaten Bauzeit für das Hochhaus.

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