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Lockerungen nutzen

Ab zum Corona-Schnelltest: Wie oft darf man sich kostenlos testen lassen?

Mittlerweile gibt es viele Orte, an denen sich Menschen mittels Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen können. Doch wie oft darf man so eine Teststation überhaupt besuchen? Oftmals heißt es: einmal pro Woche. Doch das ist ein Irrglaube.

Viele Lockerungen erfordern einen negativen Corona-Schnelltest. Personenbezogene Daten werden nach dem Test wieder gelöscht. Foto: Bernd Kamleitner

Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass sich Bürger nur einmal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus mittels Schnelltest testen lassen können. Doch jedem Bürger stehen bei ausreichend Testkapazitäten mehrere kostenlose Schnelltests pro Woche zu.

Heißt konkret: Wer sich regelmäßig in der Apotheke oder im Schnelltestzentrum testen lassen möchte, der kann das tun. Selbst tägliche kostenlose Tests sind möglich.

„Man kann sich so oft testen lassen, wie es notwendig ist. Es kontrolliert keiner und es ist durch die Verordnung abgedeckt“, bestätigt Swantje Middeldorff, die Pressereferentin der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Die KVBW ist die Abrechnungsstelle für Anbieter der Schnelltests, sie bekommt das Geld dann vom Bund erstattet.

Rund um die Lockerungen im Stadtkreis Baden-Baden, dem Ortenaukreis, dem Landkreis Rastatt sowie Stadt- und Landkreis Karlsruhe würden sich die Menschen gerne häufiger testen lassen. Denn um ein Restaurant zu besuchen, im Freibad ein paar Bahnen zu ziehen, ohne Termin Shoppen zu gehen oder einen Friseurtermin wahrzunehmen, sind tagesaktuelle Schnelltests nötig.

Irrglaube zu Corona-Schnelltests: Nur ein Test pro Woche ist erlaubt

Doch die Menschen sind verunsichert. Wie sollen regelmäßige Tests vorgelegt werden, wenn nur ein Test pro Woche kostenlos erlaubt ist? Auf dem Instagram-Kanal der BNN ist deshalb auf einem Info-Post zu den anstehenden Lockerungen folgende Frage zu lesen: „Gibt es bezüglich der Anzahl an freien Tests auch eine Neuerung? Schließlich lässt sich ein volles soziales Leben mit ‘mindestens einem’ Test pro Woche auf Dauer nicht so ausleben wie das einer geimpften/genesenen Person?“

Auch dieser Kommentar ist auf Instagram zu lesen: „Bei genau einem kostenlosen Bürgertest pro Woche muss man sich genau überlegen, was man machen will.“

Nur ein Test pro Woche ist kostenlos – wie soll das von den Familien gestemmt werden?
BNN-Leserin auf Facebook

Die Freibadöffnungen in Karlsruhe kommentiert eine BNN-Leserin auf dem BNN-Facebook-Kanal mit einem Verweis auf soziale Ungerechtigkeiten durch eine begrenzte Schnelltest-Anzahl: „Wer bezahlt das Familien mit Kindern, die in den Pfingstferien vielleicht täglich ins Bad möchten (als Urlaubsersatz)? Nur ein Test pro Woche ist kostenlos – wie soll das von den Familien gestemmt werden? Da entsteht ganz schnell ein soziales Ungleichgewicht...“

In die Kommentare fließt auch ein, wie sich die BNN-Leser um andere Branchen sorgen: „Mir tut auch meine Friseurin leid, aber wenn man für jeden Spaß täglich nur mit Test überall hingehen kann, ist das zeitintensiv und auch teuer, da ja pro Woche nur ein Bürgertest umsonst ist.“

Nur ein Schnelltest pro Woche – woher kommt dieser Irrglaube?

Eine kleine Feinheit hat diesen Irrglauben wohl entstehen lassen. In der ersten Verordnung zu den Schnelltests hieß es, dass sich Menschen einmal die Woche kostenlos testen lassen können. Das wurde als Begrenzung nach oben ausgelegt. Wer die Testverordnung des Bundes jetzt liest, bemerkt, dass dort das Wort „mindestens“ ergänzt wurde. Dort steht nun, das Testangebot könne „im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche in Anspruch genommen werden“.

Die Corona-Testverordnung des Bundes

Die Regeln können Interessierte in der Corona-Testverordnung des Bundes nachlesen.

Wer also mehrmals die Woche in einem Testzentrum oder in einer Apotheke das Angebot der kostenlosen Bürgertests wahrnehmen möchte, muss die Schnelltests nicht selbst bezahlen.

Fragen rund um Schnelltests: Corona-Testverordnung wird falsch interpretiert

Doch auch die Anbieter der Schnelltests schüren den Irrglauben, dass nur ein Corona-Schnelltest pro Woche möglich sei. So war zunächst auf der Webseite des Anbieters „Corona Schnelltest Karlsruhe“, der unter anderem im Hotel Aviva in der Nordstadt Tests durchführt, ebenfalls von einer Begrenzung auf einen Test pro Woche die Rede: „Kostenfreier Test: Bei uns können Sie, einen Wohnsitz in Deutschland vorausgesetzt, einmal pro Woche einen kostenlosen Corona Schnelltest machen lassen.“

Nach BNN-Rückfrage wurde eine Anpassung durchgeführt, auch hier hatte man die erste Verordnung als Basis.

Wenn ein Betreiber sagt, dass das nicht geht, dann ist dieser falsch informiert.
Swantje Middeldorff, Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg

Theoretisch kann man sich täglich sogar mehrmals beim gleichen Anbieter testen lassen. Das bestätigt auch Middeldorff von der KVBW: „Wer sich testen lassen möchte, kann auch mehrmals in die gleiche Teststation. Wenn ein Betreiber sagt, dass das nicht geht, dann ist dieser falsch informiert.“

Dass die Verordnung falsch interpretiert wird, darauf verwies schon Sachsens Ministerpräsident in einem Tweet im April. Doch der Irrglaube ist immer noch verbreitet.

Die KVBW verweist darauf, dass das einzige Limit die Schnelltesttest-Stationen seien. Wer aber einen Ort findet, an dem er sich testen lassen kann, etwa weil es noch Termine gibt oder weil spontan Plätze frei sind, wie an Container-Schnelltest-Centern für Spontanbesucher, der kann sich dort kostenlos testen lassen.

Vor einer Rechnung nach einem Schnelltest braucht sich keiner zu fürchten

„Wenn ich jeden zweiten Tag zum Testen gehe, verstoße ich gegen kein Gesetz, deshalb passiert mir auch nichts“, betont auch Frank Eickmann vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg. „Es gibt keine Kontrollen, wer wie oft zu einem Test geht.“

Dass am Ende Getestete auch wirklich keine Rechnung wegen zu häufigen Tests bekommen, dafür sorgt schon der deutsche Datenschutz, denn es gibt keine Aufbewahrungspflicht für solche Daten. Und Testanbieter müssen angeben, wofür sie die Daten verwenden. Wer sich dafür interessiert, kann das in den Datenschutzerklärungen der Anbieter, etwa bei der Online-Terminvergabe, nachlesen.

„Der Kunde will in der Regel eine Bescheinigung für seinen negativen Test. Die personenbezogenen Daten erfassen wir, um dieses Zertifikat ausstellen zu können. Wir löschen die Daten wieder, wenn der Test negativ ist.“ Wer einen Test macht, stimmt lediglich zu, dass er symptomfrei ist und dass seine Daten bei einem positiven Befund weitergegeben werden dürfen. Ist ein Schnelltest positiv, wird das Testergebnis an das zuständige Gesundheitsamt übermittelt.

Wir wollen viel testen, um Ansteckungen aufzudecken und zu vermeiden.
Frank Eickmann, Landesapothekerverband Baden-Württemberg

Auch für die Abrechnung der Tests werden keine personenbezogenen Daten weitergegeben. Laut Apothekerverband werden hierfür nur die Uhrzeiten und Tage der Tests übermittelt. Eickmann betont, wie wichtig die Corona-Schnelltests sind und unterstützt, dass Menschen sich testen lassen: „Das ist ja auch die Idee: Wir wollen viel testen, um Ansteckungen aufzudecken und zu vermeiden.“

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