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Samira, Lara und Vanessa Böß

Achtung, Verwechslungsgefahr: Eineiige Drillinge bei der Polizei

Das ist bundesweit wohl einmalig: Samira, Lara und Vanessa Böß sind eineiige Drillinge und alle bei der Polizei. Nur gut, dass die 24-Jährigen nicht auf derselben Dienststelle tätig sind. Dann nämlich könnten Kollegen, Vorgesetzte und Bevölkerung sie kaum auseinander halten.

Frauenpower: Samira, Lara und Vanessa Böß sind nicht nur eineiige Drillinge sondern alle bei der Polizei tätig. Das ist weithin einmalig. Foto: Jörg Donecker

Die drei hätten wahrscheinlich auch andernorts einigen Staub aufgewirbelt. Sagen wir: in Las Vegas. Oder irgendwo als Nationalpark-Ranger. Oder als Urlaubs-Animateurinnen unter südlicher Sonne. Eben dort, wo es Sympathieträger braucht. Also eigentlich überall. Aber sie sind zur Polizei gegangen. Nicht gleichzeitig, obwohl sie doch annähernd gleichzeitig auf die Welt gekommen sind.

Zur Polizei – das ist schon deshalb bemerkenswert, weil das dort obligatorische uniforme Outfit die sowieso schon verblüffende Ähnlichkeit dieser jungen Frauen fast bis ins Verstörende steigert: Samira, Lara und Vanessa Böß sind eineiige Drillinge.

Unterschiedliche Dienstgrade

Sie sind 24 Jahre alt, sie haben blonde, zum Pferdeschwanz gebundene Haare, sie haben ein ansteckendes Lachen, und auf jeder der blauen Jacken steht der Name Böß. Allein wer sie genauer kennt, weiß um ihre Unterschiede. Wer sie hingegen das erste Mal trifft, heftet seinen Blick zur Unterscheidung auf die polizeilichen Schulterstücke. Dort weist ein Stern Vanessa Böß als Polizeimeister-Anwärterin aus, ihre Schwester Lara trägt bereits die zwei Sterne der Polizeimeisterin. Und Samira hat drei Sterne: Sie ist Polizei-Obermeisterin.

„Klar“, sagt Vanessa, „wenn wir gemeinsam unterwegs sind, gucken uns ganz viele Leute an.“ Im Dienst ist das – sehr zu ihrer Erleichterung – nicht so oft der Fall. Denn sie selbst ist derzeit in Bruchsal in der Ausbildung, während Samira bereits vor fünf Jahren und Lara vor drei Jahren zur Polizei gekommen sind. Da könnte man eigentlich auf die Idee kommen, dass Samira die älteste ist. Doch das ist Vanessa. Aber was heißt überhaupt älteste: Bei den Böß-Geschwistern geht es allenfalls um Minuten.

Jede von uns ist auf die jeweils anderen stolz.
Lara Böß, Polizeimeisterin

Wenn man mit den drei sehr freundlichen Nordbadenerinnen plaudert, sollte man tunlichst nicht übermüdet sein. Denn die Antworten kommen nicht nur schnell und treffsicher. Sie kommen stets auch von jemand anderem – und das, ohne dass auch nur einmal eine von ihnen der anderen ins Wort fällt. Die Böß-Drillinge sind erkennbar ein eingespieltes Team. „Jede von uns ist auf die jeweils anderen stolz“, sagt Lara.

Und obwohl alle mindestens zum Teil einen gemeinsamen Freundeskreis haben und sie auch die Liebe zu Hunden verbindet, gibt es doch auch bei eineiigen Drillingen markante Unterschiede. Wenn schon kaum optisch, so doch beim Temperament. Vanessa eilt der Ruf voraus, stets offen und ehrlich zu sein, Samira gilt als ruhig, besonnen und hilfsbereit, und Lara finden viele besonders empathisch, sodass es wohl niemanden gibt, der sich nicht gut mit ihr versteht.

Ehrlich und kommunikativ sind sie aber eigentlich alle drei, besonnen – schon wegen ihres anspruchsvollen Jobs – sowieso. Und dass sie irgendwo nicht gut ankommen – lichtscheue Gestalten ausdrücklich ausgenommen – ist eh kaum vorstellbar.

Traumjob gefunden

Aber zur Polizei? Ja, unbedingt, geben die Drillinge zu verstehen. Polizei, das ist es. Von dieser Berufswahl sind die Böß-Drillinge sehr überzeugt. Vanessa – das ist die Älteste und Dienstjüngste – war immer total fasziniert, wenn ihre Schwester Samira beim gemeinsamen Frühstück von ihrer Arbeit erzählt hat. Statt Dienstuniform trug Vanessa damals noch Bluse und Blazer, denn in ihrer früheren ersten Ausbildung nahm sie regelmäßig hinter einem Schreibtisch Platz. Der Drang, auch zur Polizei zu gehen, war irgendwann aber stärker.

Natürlich hat der Polizeiberuf im Tagesgeschäft auch Facetten, die nicht immer schön sind.
Samira Böß, Polizei-Obermeisterin

Wo es sie alle dort letztlich hin verschlägt, steht freilich noch in den Sternen. Hundestaffel wäre für die eine klasse. Streifendienst für die andere. Studium an der Hochschule in Villingen-Schwenningen für die dritte. Es kommt halt, wie es kommt. Jedenfalls gehen die Drillinge mit den blauen Augen nicht blauäugig an die Sache ran: „Natürlich hat der Polizeiberuf im Tagesgeschäft auch Facetten, die nicht immer schön sind“, räumt Samira ein.

Einsätze an der Unfallstelle, Großdemos, wo es schon mal robust zur Sache geht, solche Dinge. Es komme eben darauf an, wie man damit umgeht, sagen sie und unterstreichen ihre Absicht, das auf jeden Fall positiv zu tun. Die Eltern der Drillinge sind jedenfalls ziemlich stolz auf ihre Töchter und ihren Einsatz für die Allgemeinheit. Vater und Mutter.

Schlagstock, Pfefferspray, Dienstwaffe, Uniform – in der Freizeit legen sie ihr Polizei-Equipment natürlich ab. Was sie schon jetzt nicht mehr ablegen, ist der geschulte Blick, den jede der 24-Jährigen längst entwickelt hat. „Wenn wir gemeinsam spazieren gehen, fällt einer von uns garantiert an irgendeinem Auto die abgelaufene Plakette der Hauptuntersuchung auf“, meint Lara. Samira und Vanessa müssen lachen.

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