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Empfang im Rathaus

Alles Gute zum 90. Geburtstag: Weggefährten würdigen Karlsruhes Ex-Oberbürgermeister Seiler

Anlässlich seines 90. Geburtstag ist Alt-Oberbürgermeister Gerhard Seiler an seine langjährige Wirkungsstätte zurückgekehrt. Im Rathaus begrüßte er Weggefährten und Freunde. Gemeinsam erinnerte man sich an bewegende Erlebnisse eines langen Lebens.

Geburtstagsempfang: Vor 90 Jahren kam Gerhard Seiler auf die Welt. Im Rathaus ließ sich der Alt-OB mit Ehefrau Gertrud von Weggefährten und Freunden feiern. Oberbürgermeister Frank Mentrup gratulierte. Foto: Jörg Donecker

Ganz am Schluss des Empfangs setzt Gerhard Seiler noch einmal sein verschmitztes Lächeln auf, dann blickt er selbstironisch-triumphierend in den luftig bestuhlten Bürgersaal und gibt seine Erkenntnis aus eingehender Lektüre lokalhistorischer Werke zum Besten: „In den vergangenen 200 Jahren bin ich der erste Oberbürgermeister, der den 90. Geburtstag erreicht hat.“

Zur Würdigung dieses Jubiläums sind enge Weggefährten ins Rathaus gekommen; man sieht maskiert Seilers langjährigen guten Geist Eduard Jüngert, man sieht Badens Streiter Robert Mürb, Alt-Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle, Ex-Minister Horst Rehberger und die einstigen Gemeinderats-Strategen Heinrich Maul und Marianne Krug sowie eine ganze Phalanx früherer Dezernenten und heutiger Würdenträger. Und denen, die da die Wehmut packt angesichts schwindender finanzieller Spielräume und galoppierender Kombilösungs-Kosten, ruft Gerhard Seiler mit seiner ganzen Lebenserfahrung zu: „Auch das wird Karlsruhe überstehen!“

Sie haben der Stadt im besten Sinn des Wortes gedient.
Frank Mentrup / amtierender Oberbürgermeister Karlsruhes

Oberbürgermeister Frank Mentrup würdigt seinen Vor-Vorgänger mit launigen Worten. Er verrät, dass ihn die Aktiven im Rathaus ehrfurchtsvoll den „Obir“ nennen – was ein bisschen nach Emir klingt, aber für „Oberbürgermeister im Ruhestand“ steht. Mentrup bittet um Verständnis, wenn sich das Wirken des Marathonläufers nicht in einen Hundertmeter-Sprint pressen lasse. Seiler, sagt der amtierende OB, habe harte Arbeit nie gescheut.

Er preist den „besonderen Humor“ des nun 90-Jährigen und spart auch dessen mitunter „bruddlige“ Präsenz nicht aus. Mentrups Fazit an die Adresse des Altersjubilars: „Sie haben der Stadt im besten Sinn des Wortes gedient.“ Unmerklich nicken an dieser Stelle der Angesprochene und die ihn flankierende Ehefrau Gertrud.

Aufregung beim DDR-Sicherheitspersonal: Seiler joggte vor der Wende durch Halle

Seine Replik beginnt Seiler stehend, um sich sodann hinter der Bürgermeisterbank niederzulassen. Der Professor zeigt sich „froh, dass ich nicht mehr die Verantwortung für eine Stadt tragen muss“ und verdeutlicht den Nachgeborenen die Marathonstrecke seines politischen Wirkens: Stadtkämmerer bereits unter Günther Klotz, OB zur Wendezeit und oberster Repräsentant der Stadt bei der 50. Wiederkehr der Reichspogromnacht – Gerhard Seiler hat bedeutende Etappen der Karlsruher Nachkriegsgeschichte mitgestaltet und die „kommunale Außenpolitik“ entscheidend geprägt.

Er hat als Städtetagspräsident Helmut Kohl in Strickjacke und Pantoffeln erlebt, hat mit Teddy Kollek in Jerusalem geplaudert und den DDR-Sicherheitsleuten den Schweiß auf die Stirn getrieben, als er noch vor der Wende ausführlich durch Halle joggte.

Es ging ihm immer um Karlsruhe, sagt der Ehrenbürger der Stadt. Besonders in sein Gedächtnis eingeprägt hat sich Gerhard Seiler jener Samstag, als in seinen vier Wänden in der Heidenstückersiedlung vor 18 Jahren das Telefon schrillte und sich Heinrich Maul zu erkennen gab. „Gerhard, wir brauchen dich“, machte der Sozialdemokrat dem CDU-Mann deutlich.

Der ließ sich nicht lange bitten und setzte zu einem neuerlichen, in diesem Fall achtmonatigen Marathonlauf an als Übergangspräsident des KSC. Einen Ratschlag noch hat der Alt-OB an seinem 90. Geburtstag für die Generation der heute politisch Handelnden parat: Wenn man das aktive Geschäft beendet habe, sollte man nicht noch versuchen mitzusprechen und Einfluss zu nehmen. Das müssen dann die Jüngeren machen. Er sei damit gut gefahren, sagt Gerhard Seiler.

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