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Lockdown im Advent

Ansturm vor dem Lockdown: So sieht es am Montag in der Karlsruher City aus

Der Lockdown mitten im Adventsgeschäft trifft den Handel hart. Am Montag füllt sich die Karlsruher City früh. Vor einigen Läden standen die Geschenkekäufer schon kurz nach Ladenöffnung Schlange.

Frühstart: Am Montag herrscht in der Kaiserstraße schon reger Betrieb. Weil ab Mittwoch die meisten Betriebe schließen müssen, gehen viele jetzt Geschenke kaufen. Foto: Tina Givoni

Vor zahlreichen Friseursalons bilden sich am Montagmorgen Schlangen. „Wer weiß, wann ich wieder die Chance habe, mir die Haare schneiden zu lassen“, sagt ein Rentner. Stand jetzt sind ab Mitte dieser Woche die meisten Geschäfte bis 10. Januar geschlossen - eine Verlängerung des Lockdowns nicht ausgeschlossen. Und die neuerliche Zwangsschließung trifft die Geschäftsleute hart.

„Diese Wochen vor und nach Weihnachten sind die umsatzstärksten des Jahres“, sagt der Geschäftsführer von Papier Fischer, Constantin Hatz. Die bevorstehende Schließung sei zwar nicht existenzgefährdend, aber es bedeute einen erheblichen Einbruch. Man sei froh, über einen eigenen Onlineshop zu verfügen und einen Lieferservice. „Wir gehen über diesen Weg.“

Und auch den Kunden stehe dieser Weg bereit – und „eben nicht über Amazon“, betont Hatz. Beim Modehaus Schöpf hat Inhaberin Melitta Büchner-Schöpf einen kurzen Kommentar angesichts der Lage, die auch die Schließung für ihr Geschäft bedeutet. „Ich war schon glücklicher“, sagt sie den BNN. Mehr will sie in diesem Moment gar nicht sagen.

Nicht alle Geschäfte machen zu

Anne Klausmann, Centermanagerin des Einkaufszentrums Ettlinger Tor, hat alle Hände voll zu tun, das Telefon klingelt ständig. „Wir bereiten gerade die Schließung vor.“ Allerdings bleiben auch einige Geschäfte auf, nämlich die systemrelevanten wie Drogerien, Apotheken und der Supermarkt. Ihre Stimmung? „Wir machen das Beste daraus.“ Die Entscheidung sei sicherlich richtig, um die Pandemie zu bekämpfen, aber sie führe natürlich zu Umsatzverlusten bei den Geschäften. „Das ist eine Herausforderung für sie, gut durch den Winter zu kommen.“ Längere Öffnungszeiten rund um die Uhr die letzten beiden Tage bis Mittwoch anzubieten, wie von einigen Politikern gefordert, hält Klausmann für nicht machbar.

Andreas Thielemeier, der Centerleiter der Postgalerie, eilte schon am Sonntag ins Büro, um die Schließung vorzubereiten. „Wir fragen jetzt unter anderem ab, wer von unseren Mietern weiter auflassen möchte.“ 15 bis 18 von insgesamt 45 Anbietern kommen dafür in Frage. „Es geht vor allem darum, für welchen Gastronomiebetrieb sich To-Go-Angebote lohnen, wenn ab Mittwoch weniger Menschen in der Stadt sind“, erklärt Thielemeier. Er ist in Anbetracht der neuerlichen Zwangsschließung zwiegespalten: „Das ist unheimlich traurig für die Geschäfte, den die Zeit jetzt ist die stärkste im Jahr.“

Wenn der Lockdown aber die Lösung ist, die Zahlen zu senken, dann müssen wir da durch
Andreas Thielemeier, Centerleiter der Postgalerie

Zwischen den Jahren und bis Drei König sei eben klassisch nicht die stille Zeit für den Handel. „Da wäre es abgegangen ohne Ende.“ Und nun säßen die Händler auf der von ihnen bestellten Weihnachtsware. „Wenn der Lockdown aber die Lösung ist, die Zahlen zu senken, dann müssen wir da durch“, versichert Thielemeier.

Die erneute Schließung des Handels war aus Sicht von Citymanager Frank Theurer alternativlos. „Aber es trifft die Unternehmer hart.“ Dennoch hofft Theurer, dass „das ganz große Sterben“ der Geschäfte abgewandt werden kann: „Ich setze auf die Zähigkeit, die Beweglichkeit und den Ideenreichtum unserer Geschäftsleute.“

Die Cityinitiative biete Onlineseminare an, in denen die Händler vermittelt bekommen, wie man beispielsweise Internetauftritte verbessert und Lieferangebote macht. Zudem bietet Karlsruhe bis 31. Dezember für die Kunden kostenlose Lieferungen von Bestellungen per Radkurier. „Das wurde in den vergangenen Wochen verhalten angenommen. Ich rechne damit, dass die Zahlen nach Mittwoch deutlich steigen“, sagt Theurer. Bezahlt wird dieser Service zu zwei Dritteln von der Stadt und zu einem Drittel vom Händler selbst.

Am Montag eilen indessen einige schon um 10 Uhr in die Fußgängerzone, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Die Parkhäuser füllen sich. Es ist deutlich voller als an normalen Wochenstarts - auch als an solchen im Advent. In der Buchhandlung Thalia stöbern viele nach Geschenken, auch in den Parfümerien ist der Andrang groß.

Beim Schokoexperten Läderach in der Kaiserstraße stehen zahlreiche Menschen Schlange. In den Schaufenstern verkünden Händler zum Teil deutliche Rabatte - wobei Reduzierungen schon die gesamte Adventszeit vorgenommen wurden. Bei Peek und Cloppenburg kleben am Morgen Mitarbeiter neue Hinweise auf niedrigere Preise in die Auslagen.

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