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Bunte Friedhofskultur

Auf dem Karlsruher Hauptfriedhof gibt es mehr Platz für Sternenkinder

Drei Mal im Jahr werden auf dem Karlsruher Hauptfriedhof Sternenkinder beerdigt. Damit die Eltern weiterhin Platz zum Trauern haben, wird das Gräberfeld für die totgeborenen und fehlgeborenen Kinder nun erweitert.

Bunt ist die Trauer: Auf dem Sternenkinder-Gräberfeld des Hauptfriedhofs werden totgeborene und fehlgeborene Kinder bestattet. Foto: Jörg Donecker

Die roten, blauen und gelben Vögel an der Spitze einer Beton-Stele sind der Blickfang auf dem kleinen Gräberfeld des Karlsruher Hauptfriedhofs. Und auf der Stele lädt die Aufschrift „Leichte Flügel sind wir – Wirklichkeit für immer. Im Traumschlaf wach trösten wir Euch“ zum Innehalten und Trauern um die sogenannten Sternenkinder ein – Kinder, die tot geboren werden oder als Fehlgeburt auf die Welt kommen.

Wie um diese Kinder getrauert wird, zeigen auch die zahlreichen Blumensträuße und Nachrichten, die von Eltern und Geschwistern auf den Gräbern um die Stele drapiert wurden.

„Wer sich auf diesem Gräberfeld umsieht, merkt sehr schnell, wie die Familien über den Verlust ihrer Kinder hinwegkommen wollen“, sagt Matthäus Vogel. Der Leiter des Karlsruhes Friedhofsamt weiß, wie wichtig die Trauer um die totgeborenen und fehlgeborenen Kinder für die Eltern ist. Weil sich immer mehr Familien für die Bestattung ihrer Sternenkinder entscheiden und die Gräber auch noch nach mehreren Jahren besuchen, wird das Gräberfeld nun ausgebaut.

Dreimal im Jahr werden gemeinsam mit den Seelsorgern der Karlsruher Geburtskrankenhäuser und dem Verein Regenbogen Beerdigungen für jeweils etwa 30 bis 50 Sternenkinder organisiert. Die nächste Beerdigung findet am 8. März um 14 Uhr statt, zwei weitere folgen am 12. Juli und am 15. November. Die Termine vor Ostern, den Sommerferien und Weihnachten sind bewusst gewählt. „Dann können die Familien vor den Familienfesten und dem Urlaub Abschied nehmen. Das nimmt doch viel Last von den Schultern der Eltern“, so Vogel.

Seit 20 Jahren gibt es Feiern für Sternenkinder

Auf dem Hauptfriedhof gibt es schon seit rund 20 Jahren Abschiedsfeiern für die Sternenkinder. Die Idee dafür kam vom damaligen Klinikseelsorger Klaus Schäfer. Der als „Bruder Klaus“ bekannte katholische Theologe hatte sich intensiv mit den psychischen Folgen einer Stillgeburt, der Geburt eines toten Kindes, auseinandergesetzt und bessere Möglichkeiten für die Bestattung dieser Kinder gefordert.

„Vorher war die Bestattung von totgeborenen Kindern ein Tabu“, wirft Vogel einen Blick zurück in die Geschichte. Weil es auch keinen Rechtsanspruch auf die Beerdigung von fehlgeborenen oder totgeborenen Kindern gab und die Sternenkinder meist anonym bestattet wurden, waren die Eltern mit ihrer Trauer oft alleine gelassen.

Symbol für lebendige Friedhofskultur

Seit einigen Jahren ist die Beerdigung der Sternenkinder fester Bestandteil in der Bestattungskultur zahlreicher Friedhöfe. Den Familien geben die gemeinsamen Trauerfeiern ein Gefühl der Verbundenheit, so Vogel. Außerdem könne beim regelmäßigen Gang auf den Friedhof die Nähe zu den ungeborenen Kindern wiederhergestellt werden. „Wenn Kinder vor ihren Eltern sterben, ist es immer ganz besonders schlimm“, sagt Vogel. „Denn das ist eigentlich nicht normal und wirft viele Fragen auf.“

Mit den bunten Vögeln und den vielen farbenfrohen Abschiedsbotschaften ist das Sternengräberfeld für Vogel mittlerweile sogar das Symbol einer zeitgemäßen Friedhofskultur. „Ein Friedhof ist kein Ort für die Toten, sondern für die Lebenden. Und die Sternenkinder leben hier weiter.“

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