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Hilfe im Netz

Auf einen Klick: Wie zwei Bankerinnen Alleinerziehenden in Karlsruhe helfen

Von Fördergeldern bis Schwimmkursen: Es gibt viele Angebote für Alleinerziehende – sie müssen nur wissen, wo sie die Hilfe finden. Die Karlsruher Plattform „Amuvee“ weist den Weg.

Gründerinnen von Amuvee: Annett-Katrin Wohlgemuth und Sigrid Egner.
Annett-Katrin Wohlgemuth und Sigrid Egner wissen aus eigener Erfahrung wie mühsam die Informationsbeschaffung sein kann. Foto: Anni Jurcec

Karla ist Yoga-Lehrerin, frisch getrennt und hat drei kleine Kinder. Im Moment besteht ihr Leben fast ausschließlich aus Fragezeichen. Die meisten davon drehen sich ums Geld.

Sie weiß, dass es für Alleinerziehende eine Menge Hilfsangebote gibt. Dinge wie Wohngeld, den Landes-Familienpass und sogar kostenlose Rechtsberatungen für frisch Getrennte.

Nur weiß Karla nicht, wo es das Angebot gibt, ob sie dafür infrage kommt und bei wem sie sich informieren kann. Bei Google? Beim Jugendamt? Bei Freundinnen?

Es gibt zwar viele Angebote für Alleinerziehende, aber sie sind nur schwer online zu finden.
Annett-Katrin Wohlgemuth, Gründerin

Annett-Katrin Wohlgemuth und Sigrid Egner – beide waren oder sind alleinerziehend – kennen das Problem nur zu gut. „Es gibt zwar viele Angebote für Alleinerziehende, aber sie sind nur schwer online zu finden oder fokussieren sich auf Freizeitthemen“, sagt Erstere.

Deshalb haben die beiden Karlsruherinnen die Internet-Plattform „Amuvee“ (sprich: a-mu-wie) gegründet. Sie will Müttern und Vätern ohne Partner ein Wegweiser im Dschungel der Möglichkeiten sein.

Die Internetseite bündelt Angebote aller Art – von Stellen, die kostenlose Rechtsberatungen geben, über Ämter und Stiftungen, die Unterstützungsgelder zahlen, bis hin zu Adressen für Kinderbetreuung oder Alleinerziehenden-Stammtische.

Die Plattform gibt es schon für Karlsruhe, Stuttgart und München

Die Frauen, die beide in Führungspositionen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) tätig sind, haben ihre Idee konsequent verfolgt. Vor knapp einem Jahr ist die Plattform in Karlsruhe an den Start gegangen.

Inzwischen sind auch Stuttgart und München dazu gekommen. Freiburg, Mannheim und Tübingen sollen in Kürze folgen. 50.000 Nutzerinnen haben die Seite bereits wahrgenommen.

„Amuvee“ ist überregional, regional und lokal zugleich. Es listet Angebote auf, die bundesweit verfügbar sind, andere, die es nur in bestimmten Bundesländern gibt und wieder andere, die kommunale Besonderheiten sind, wie beispielsweise städtische Stiftungen, die ausschließlich Alleinerziehenden helfen.

Wer sucht, der findet: vom Unterhaltsrechner bis Second-Hand-Möbel

Von Second-Hand-Möbeln bis psychologischer Beratung – wer sucht, der findet. Auf der Homepage muss der Nutzer zunächst ein paar Fragen über sich beantworten.

Anzahl der Kinder, Einkommen und Wohnort zum Beispiel. Die Seite fragt auch, ob man sich gerade in einer Trennung befindet oder bereits alleine ist, um gleich auf den richtigen Pfad zu führen.

Unterhaltsrechner oder Infos über die Rechtslage sind für die einen wichtiger als für die anderen. Die eine sucht Auswege aus einer finanziellen Notlage, der andere braucht nur eine Leih-Oma für die Kinderbetreuung.

Wer alle Daten – völlig anonym übrigens – eingegeben hat, erhält in Sekundenschnelle eine lange Liste mit Kategorien. Unter dem Reiter „Geld“ gibt es Informationen zum Familiengeld, wann, wie und wo man es mit welchen Unterlagen beantragen kann. Links führen direkt zu Anträgen. Der Reiter „Gesundheit“ listet Angebote für Kuren oder spezielle Krankenkassenprogramme auf.

Gründerinnen sind für Preis nominiert

Wie relevant das Angebot ist, zeigen die Zahlen. Im Jahr 2019 waren laut dem Statistischen Bundesamt 22,6 Prozent aller Familien in Deutschland alleinerziehend.

Mit einem Anteil von 84 Prozent sind es vor allem Frauen, die ihre Kinder alleine groß ziehen. Baden-Württemberg hatte mit 19,4 Prozent im Vergleich den geringsten Anteil an Einelternfamilien. In Berlin sind es 27,6 Prozent.

Mit ihrer Plattform sind die beiden Amuvee-Gründerinnen für den Digital Female Leader Award 2022 nominiert. Der Preis von Frauen für Frauen ist von der gebürtigen Karlsruherin Tijen Onaran ins Leben gerufen worden. Seit Jahren setzt sie sich dafür ein, dass Frauen in der Gesellschaft sichtbarer gemacht werden.

Annett-Katrin Wohlgemuth und Sigrid Egner sind nur zwei von über 48 Nominierten, die am 1. Oktober während einer feierlichen Gala in der Karlsruhe Gartenhalle mit dem Preis ausgezeichnet werden könnten.

Wenn es nicht klappen sollte, ist das für die beiden Unternehmerinnen nicht so schlimm. Denn ihr gemeinnütziges Start-up, das sie ehrenamtlich betreiben, ist gerade auf Erfolgskurs.

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