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Karlsruher Schloss im Jahr 1838

Badisches Landesmuseum eröffnet neue Ausstellung „Schloss und Hof“

Das Badische Landesmuseum hat umgeräumt. Im Erdgeschoss führt nun der neu eingerichtete Thronsaal in alte Zeiten, als das Schloss noch Residenz eines Staates war, der deutlich von den Gebietsbereinigungen Napoleons profitiert hatte.

Das Karlsruher Schloss hat wieder ein fürstliches Entrée: Von diesem Dienstag an ist dort der nach historischer Vorlage rekonstruierte frühere Thronsaal zu sehen. Am 8. Juni will das Museum die Schau „Schloss und Hof: Der Thronsaal – neu präsentiert“ erstmalig für die Besucher öffnen. Foto: Uli Deck/dpa

„Wir wollten die Spuren der Zeit erfahrbar machen und trotzdem den Thronsaal zelebrieren“, umschreibt Jutta Dresch, die Kuratorin der neuen Sammlungsausstellung „Schloss und Hof“ im Badischen Landesmuseum ihre Intention. Mit der Ausstellung erlaubt sich das Museum den Rückgriff auf die Zeit vor 1918, jene Phase also, bevor die Monarchie als Staatsform in Deutschland, und damit auch in Baden, nach Ende des Ersten Weltkriegs ihr Ende fand.

An jenem Ort, an dem die badischen Markgrafen und Großherzöge seit 1715 residierten, wird das Herzstück ihrer Regentschaft mit dem Thron und den Herrschaftsinsignien nach längerer Restaurierungsphase inszeniert.

Da der Thronsaal mit jedem neuen Regenten innerhalb des Karlsruher Schlosses einen neuen Platz erhielt, war er nicht festgeschrieben aufs erste Obergeschoss, wo er früher das Entree zur Türkenbeute gebildet hatte. Mit der Erweiterung der Sonderausstellungsfläche und dem Wunsch, einen zugegeben sehr herrschaftlichen Blick auf die Stadt zu ermöglichen, musste er weichen – und findet jetzt im Erdgeschoss einen würdigen Platz.

35 Exponate, im Mittelpunkt der Thron von 1838 und die zur Beerdigung Karl Friedrichs 1811 angefertigten Insignien – Krone, Zepter und Schwert – erzählen von der Zeit, bevor das Schloss Museum wurde, als es Residenz eines Staates war, der deutlich von den Gebietsbereinigungen Napoleons profitiert hatte.

Stadtmodell präsentiert „Karlsruhe als Planstadt“

Hinzu kommt das Thema „Karlsruhe als Planstadt“, das durch das Stadtmodell repräsentiert wird, das vor etlichen Jahren auf der Grundlage eines Stichs aus dem 19. Jahrhundert angefertigt worden war und nun zu neuer Geltung kommt. Natürlich dürfen auch die Baden seit 1715 regierenden Fürsten nicht fehlen; sie sind einerseits im übersichtlich gestalteten Stammbaum zu finden und werden andererseits über mehr oder minder bekannte Porträts greifbar.

Viel Zeit haben die Restauratoren darauf verwandt, möglichst viel Originalsubstanz zu präsentieren, und dabei ein stimmiges Gesamtensemble zu kreieren. Beispielhaft lässt sich dies nachvollziehen am mit Metallfäden gestickten Wappen, das hinter dem Thron hängt, eingebunden in eine Textilfläche, die Hermelin imitiert.

Zunächst: Früher glänzten sowohl Wappenschild wie auch Greifen, Krone und die drei Orden, die über die Jahre oxidiert und deshalb heute schwarz angelaufen sind. Diese Zeitschicht wurde belassen, aber insgesamt war die große Herausforderung, das Wappen so zu präsentieren, dass sein Eigengewicht den es umgebenden Originalstoff nicht zerreißt. Eine leicht schräge Montage, von vorn nicht zu erkennen, nimmt das Gewicht vom Stoff und bindet es in den umgebenden, mit modernen Materialien im alten Design ergänzten Baldachin.

Ausstellung sowohl analog wie auch digital

Ähnliches ließe sich für die Bekrönung des Throns, für ihn selbst, die beiden Hocker und die Leuchter ebenso berichten. Die Ausstellung sollte, so Jutta Dresch, „analog funktionieren, wir haben sie aber digital angereichert mit weiteren Objekten aus der Sammlung des Badischen Landesmuseums.“

Herausgekommen ist eine Ausstellung, die wohltuend übersichtlich ist, die würdevoll den ehemaligen Schlossherren gedenkt und die dennoch auf der Höhe ihrer Zeit ist, indem sie auf der Klaviatur moderner Medien in einer Leichtigkeit spielt, die den Besucher in seinen je eigenen Bedürfnissen nach Information und Informationstiefe abholt.

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