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Neue Vorwürfe

Badisches Staatstheater: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Vergewaltigung

Vergewaltigung und Veruntreuung öffentlicher Gelder: Gegen Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters werden derzeit zwei weitere gewichtige Anschuldigungen erhoben.

Neue Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Badischens Staatstheaters. Wegen des Verdachts der Vergewaltigung hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben. Foto: Uli Deck/dpa

Der Vorwurf, der nun bei Gericht liegt, lautet: Ein Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters soll nach einer Premiere einen Statisten vergewaltigt haben. Der andere Fall, dem die Staatsanwaltschaft nachgeht, lautet grob zusammengefasst Amtsmissbrauch. Oder wie deren Pressesprecher Mirko Heim gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten erklärte: „Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, einen leitenden Mitarbeiter frühzeitig seiner Pflichten entbunden zu haben, so dass dieser für sein Gehalt keine angemessenen Leistungen mehr erbringen konnte.“

Namen nennt die Staatsanwaltschaft bei laufenden Verfahren prinzipiell keine. In Sachen Veruntreuung legt die Verteilung der Befugnisse nahe, dass sich die Ermittlungen auf Peter Spuhler, den Generalintendanten des Hauses, konzentrieren. Der Erste Staatsanwalt Heim weist darauf hin, dass seine Behörde nicht von sich aus, sondern aufgrund einer Anzeige tätig wurde. Gegenwärtig werde geprüft, ob überhaupt der Tatbestand der Untreue vorliegt.

Selbst wenn sich der Sachverhalt bestätige, folge daraus nicht zwangsläufig eine Anklage, erklärt Heim. Es müsste dann erst eine rechtliche Bewertung vorgenommen werden, die darüber entscheidet, ob es zu einer Anklage kommt oder ob das Verfahren eingestellt wird. Generell gilt erst einmal die Unschuldsvermutung.

Besteht hinreichender Tatverdacht?

Das ist auch der aktuelle Stand in dem Vergewaltigungsfall, der gegenwärtig beim Amtsgericht Karlsruhe liegt. Die von der Staatsanwaltschaft eingereichte Anklage befinde sich im so genannten Zwischenverfahren, erläuterte Julia Kürz, Vizepräsidentin des Gerichts und dessen Pressereferentin. Wie bei jeder Anklage werde jetzt geprüft, ob ein hinreichender Tatverdacht besteht, um das Hauptverfahren zu eröffnen. Wie lang dieser Vorgang dauert, dazu konnte die Sprecherin akut nichts sagen.

Die beiden juristischen Vorgänge bilden den vorläufigen Höhepunkt einer Krise, die schon seit längerem am Badischen Staatstheater schwelt und zunehmend dessen Ansehen ramponiert. Ruchbar wurde sie im Juni mit dem Weggang von Boris Kehrmann. Der Operndramaturg hatte seinen vorzeitigen Abschied damit begründet, dass sich unter dem aktuellen Generalintendanten nicht sinnvoll arbeiten lasse.

Der Sprung an die Öffentlichkeit kam für viele ehemalige und gegenwärtige Mitarbeiter wie ein Befreiungsschlag . Klagen über das Führungsverhalten Spuhlers hatte es schon vorher gegeben – aber immer unter der Hand. Der Grund: Furcht vor Repressalien. Kehrmanns Aussagen ermutigten etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich an die Badischen Neuesten Nachrichten zu wenden, um über ihre Erfahrungen zu berichten.

Zusammen mit BNN-Recherchen entstand eine Dynamik, die dazu führte, dass nun nicht mehr nur Fragen des Arbeitsklimas im Fokus stehen, sondern auch strafrechtlich relevante Sachverhalte ans Tageslicht gekommen sind. Vier Komplexe werden aktuell juristisch aufgearbeitet, erklärt Mirko Heim: Da ist zum einen der Tatvorwurf der Vergewaltigung, der auch sexuelle Belästigung und Körperverletzung beinhaltet und gegen einen Arbeiter des Theaters gerichtet ist.

Dann geht es um den Vorwurf der Verbreitung pornografischer Schriften; hier ist ein anderer leitender, mittlerweile entlassener Mitarbeiter des Hauses ins Visier der Justiz geraten. Der dritte Beschuldigte ist der Betreiber eines Instagram-Profils, der seinen Pornografie-Verdacht publik gemacht hat; hier wird wegen versuchter Nötigung und übler Nachrede ermittelt. Das vierte Verfahren schließlich konzentriere sich auf den Verdacht der Untreue.

Peter Spuhler, der Generalintendant des Badischen Staatstheaters hüllt sich seit Wochen in Schweigen. In einer Sitzung Mitte Juli hat ihn der Verwaltungsrat in seinem Amt bestätigt. Damals wurden die Einsetzung eines Vertrauensanwalts und regelmäßige Befragungen der Mitarbeiter beschlossen. Diese Schritte würden jetzt trotz Sommerpause abgearbeitet, hieß es auf Anfrage aus dem Stuttgarter Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

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