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Kreative Lösungen gefragt

Beim Bauen wird die Entsorgung immer teurer

Deutschlandweit wird es immer schwieriger, Bauschutt und Bodenaushub los zu werden. Schuld sind schrumpfende Deponie-Kapazitäten. Auf den Karlsruher Großbaustellen verhindern teils kreative Lösungen millionenschwere Kostensteigerungen.

Boden in Bewegung: Für den Bau des Kriegsstraßentunnels holen die Arbeiter rund 300.000 Kubikmeter Material aus dem Boden. Da die Entsorgung immer teurer und aufwendiger wird, hat die Kasig ein Verwertungskonzept entwickelt. Foto: jodo

Als die Angebote für den Bau des neuen Wildparkstadions Ende 2017 teurer ausfallen als erwartet, liegt das nicht in erster Linie am Bau. Es ist unklar, was in den Wällen schlummert. Also rechnen die Bieter einen kräftigen Risikozuschlag mit ein.

Ein Sonderfall, keine Frage. Trotzdem zeigt das Beispiel, dass die Entsorgung von Erdaushub oder gar im Boden befindlichen Altlasten längst zu einem relevanten Kostentreiber für kleinere und größere Bauprojekte vom Einfamilienhaus bis zur Kombilösung geworden ist.

In den vergangenen Jahren sind die Kosten regelrecht explodiert, ein Ende der Spirale ist nicht in Sicht. Einerseits gibt es immer weniger Deponien, speziell für belasteten Aushub oder Bauschutt.

Viele noch geöffnete erreichen in den nächsten Jahren ihre Kapazitätsgrenze. Auf der anderen Seite wurden die Anforderungen an die Entsorgung seit 2005 mehrfach verschärft. Das fördert die Suche nach kreativen Lösungen.

Preise haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht

„In den vergangenen fünf, sechs Jahren haben sich die Preise für kontaminiertes Material sicher verdreifacht”, berichtet Olaf Backhaus, der Leiter des Karlsruher Amts für Abfallwirtschaft (AfA).

Dazu kommen längere Transportwege zu den noch offenen Deponien und ein erhöhter Verwaltungsaufwand, weil der Verbleib des Abfalls nachgewiesen werden muss, bestätigt das Tiefbauamt der Stadt. Alternativen vor der eigenen Haustür oder im näheren Umland gibt es nicht.

Das AfA betreibt seit der Schließung der beiden Hausmülldeponien im Osten und Westen Karlsruhes vor 15 Jahren keine mehr. Belastete Abfälle konnten dort ohnehin nicht entsorgt werden. Das wird sich voraussichtlich auch nicht ändern.

„In den Stadtkreisen ist das Land knapp. Außerdem ist es extrem schwierig, Behandlungsanlagen für Abfall zu planen und durchzubekommen”, sagt Backhaus. Belastete Abfälle kommen auf die Deponie Hamberg im Enzkreis, mit der das Amt eine entsprechende Vereinbarung hat.

Deshalb nimmt das AfA nur kleine Mengen mineralischen Abfalls an, beispielsweise wenn ein Fundament für einen Carport ausgehoben wird. In spätestens acht bis zehn Jahren ist allerdings auch in Hamberg die Aufnahmegrenze erreicht.

Alternatives Konzept spart beim Bau des Kriegsstraßentunnels Millionen

In anderen Dimensionen als private Häuslebauer muss man hingegen bei der Tunnel-Bauherrin Kasig denken. Knapp eine Million Kubikmeter Aushub werden für das Jahrhundertprojekt Kombilösung bewegt, oder anders gesagt gut 80.000 Lkw-Ladungen.

Längst nicht alles landet auf Deponien, trotzdem summieren sich die Entsorgungskosten schnell auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Beim ersten Abschnitt, dem Bau des Stadtbahntunnels, hatte die Kasig das Risiko wie bei solchen Projekten oft üblich ausgelagert.

Laut Vertrag war die beauftragte Arbeitsgemeinschaft (Arge) für die Entsorgung oder Verwertung des Materials zuständig und ließ sich das natürlich entsprechend bezahlen. „Das hat immer wieder zu Diskussionen und Problemen geführt”, sagt Lothar Lorenz. Er kümmert sich seit 2012 bei der Kasig um das sogenannte Massenmanagement.

Schon das Vorhandensein dieser Stelle unterstreicht die erhöhte Aufmerksamkeit für Entsorgung und Verwertung von Aushubmaterial. Für den Bau des Autotunnels unter der Kriegsstraße hat Lorenz ein eigenes Konzept entwickelt.

Ohne die gute Vorbereitung und die interne Lösung hätten wir in der Kriegsstraße manchmal nicht weitermachen können.
Lothar Lorenz, Kasig

Durch einen rechtlichen Kniff hat Lorenz in einem aufwendigen Genehmigungsverfahren die beiden Karlsruher Mülldeponien „reaktivieren” lassen. Das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe erlaubte die Nutzung des aus dem Boden geholten Kiessandes als Profilierungsschicht für die bevorstehende Endabdichtung der Deponien.

„Das Material hätte man sonst teuer einkaufen müssen”, erklärt Lorenz. „Unter dem Strich haben wir so sicher Millionen gespart.” Zwei Fliegen mit einer Klappe also – doch die Strategie hat sich auch an anderen Stellen bewährt.

Geschlossene Deponien können für Stillstand auf Baustellen sorgen

Immer häufiger entwickeln sich die verknappten Deponie-Kapazitäten zu einem Nadelöhr, das im schlimmsten Fall zum Stillstand auf der Baustelle und entsprechenden Mehrkosten führt. In der Kriegsstraße ließ sich das durch das Kasig-Konzept bisher verhindern.

Die Begrenzung von Anliefermengen auf einige Hundert Tonnen pro Baustelle, die einige Deponiebetreiber zeitweise eingeführt hatten, hat sich ebenso wenig ausgewirkt, wie witterungsbedingte Winter-Schließtage. „Ohne die gute Vorbereitung und die interne Lösung hätten wir in der Kriegsstraße manchmal nicht weitermachen können”, ist sich Lorenz sicher.

Die Kapazitäten werden in den nächsten Jahren weiter schrumpfen.
Olaf Backhaus, Leiter Amt für Abfallwirtschaft Karlsruhe

Dass die Entsorgung nach den aktuellen Vorschriften Zeit in Anspruch nimmt, zeigt das Beispiel Stuttgarter Straße. Weil in den Kleingartenhütten im Osten des Geländes viel schadstoffbelastetes Material verbaut wurde, hat das Tiefbauamt zunächst nur Abriss und Abfallsortierung ausgeschrieben.

Danach standen die Abfälle verpackt über Wochen auf dem Gelände. Erst nach einer umfangreichen Laboranalyse folgte die Ausschreibung für die eigentliche Entsorgung. In diesem Fall der erforderliche Bauablauf, teilt das Amt mit.

Kein Ende der Preisspirale in Sicht

Auch auf der Wildpark-Baustelle hat die Stadt schließlich Bauabschnitte getrennt und das Risiko selbst getragen. Man griff auf die Erfahrungen der Kasig zurück und kümmerte sich vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten um die Wälle. Auch hier lohnte sich der Schritt.

Das im Wall verbaute Material stellte sich als nicht so belastet heraus wie befürchtet. Auf die Deponie musste nichts, die aufbereitete Erde wurde direkt wieder eingebaut. „Mit guten Konzepten lässt sich ohne großen Aufwand viel sparen”, so Lorenz.

In den nächsten Jahren wird sich die Lage weiter verschärfen, da sind sich die Experten einig. „Die Kapazitäten werden in den nächsten Jahren weiter schrumpfen”, sagt Backhaus. „Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus.”

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