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Attacke auf Fahrausweisprüfer

Bierflaschenwurf auf Kontrolleur in Karlsruhe hat Folgen

Auf barsche Reaktionen und verbale Ausfälle sind Fahrkartenkontrolleure vorbereitet. In Karlsruhe wurde nun aber eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Wurfgeschoss: Mit einer Bierflasche wurde ein Fahrscheinprüfer des KVV am Freitagabend im Gesicht verletzt. Foto: Mario Hösel/Imago Images

Das Opfer ist mit einer Platzwunde auf der Stirn noch krankgeschrieben, der Täter weiterhin unbekannt: Auch drei Tage nach einem Flaschenwurf mit Folgen ist die Attacke auf einen Fahrkartenkontrolleur in einer Karlsruher Straßenbahn noch nicht komplett aufgearbeitet.

„Es war eine Verkettung von unglücklichen Umständen“, sagt Pressesprecher Nicolas Lutterbach vom Karlsruher Verkehrsverbund (KVV).

Der 27-jährige Kontrolleur war in Begleitung eines Kollegen in einer Straßenbahn in der Innenstadt im Einsatz. Dabei fiel den beiden Fahrausweisprüfern ein Mann ohne Mund-Nasen-Schutz ins Auge. Die KVV-Mitarbeiter hätten den Mann mehrfach freundlich zum Tragen einer Maske aufgefordert, so Lutterbach weiter.

Und als der Mann dieser Aufforderung nicht folgte, hätten sie ihn ebenso freundlich gebeten, die Bahn zu verlassen. Gegen 23.50 Uhr sei der Mann an der Haltestelle Entenfang aus der Bahn ausgestiegen.

Flasche gezielt Richtung Gesicht geschleudert

„Eigentlich war die Situation zu diesem Zeitpunkt bereits geklärt“, so Lutterbach. Doch der Maskenverweigerer wollte es damit offenbar nicht auf sich beruhen lassen, hob vom Bahnsteig eine leere Bierflasche auf, schleuderte diese mit Wucht gezielt Richtung Kontrolleure und traf einen davon im Gesicht.

Direkt nach der Attacke flüchtete der Flaschenwerfer über Lameystraße und Hardtstraße in die Nacht. Das 27-jährige Opfer musste im Krankenhaus behandelt werden.

„Flaschenwürfe oder andere körperliche Angriffe auf unsere Fahrausweisprüfer kommen glücklicherweise nicht alltäglich vor“, betont Lutterbach. Aber Diskussionen mit Fahrgästen über den Sinn und Zweck von gewissen Vorgaben gebe es leider immer wieder.

In den vergangenen Jahren sei der Ton bei den Kontrollen zudem deutlich rauer geworden, so Lutterbach, dazu seien mit den Themenfeldern Corona und Maskenpflicht weitere mögliche Konfliktfelder hinzugekommen.

Umgangston wird immer rauer

„Das macht die Arbeit nicht leichter. Denn sowohl verbale als auch körperliche Angriffe auf unsere Mitarbeitenden haben zugenommen“, so Lutterbach.

Dabei folge die steigende Aggressivität gegenüber Fahrscheinkontrolleuren oder Straßenbahnschaffnern wohl einem Trend: Auch Rettungskräfte, Feuerwehr oder Polizei würden von derselben beunruhigenden gesellschaftlichen Entwicklung berichten.

Beim KVV werden Mitarbeitende mit speziellen Schulungen und regelmäßigem Deeskalationstraining auf das Verhalten in solchen Extremsituationen vorbereitet. Dazu sind gerade Kontrolleure immer mindestens zu zweit unterwegs.

In dem speziellen Fall habe der 27-Jährige schlichtweg nicht mehr mit einer Attacke gerechnet. „Wenn man in der Bahn jemanden mit einer Flasche antrifft, ist man dagegen gleich auf einen Angriff vorbereitet“, so Lutterbach.

Videobilder könnten neue Erkenntnisse liefern

Bei der Polizei gibt es noch keine Hinweise auf den Täter. „Es war eine sehr unübersichtliche Situation und bis jetzt haben wir noch keine richtige Beschreibung“, sagt Polizeisprecherin Heike Umminger.

Neue Erkenntnisse können nun aber die Bilder der in der Bahn installierten Überwachungskameras liefern, die von der Polizei bereits angefordert wurden. „Der Täter ist wahrscheinlich gut zu erkennen“, so Lutterbach. „Denn er hat ja keine Maske getragen.“

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