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Sommerrätsel 2021 - Auflösung 2

Ein Anstecksträußchen mit Seidenbändern gab es als Andenken an die Hochzeit

Im zweiten Teil des Sommerrätsels 2021 ging es um die Hochzeit von Prinzessin Victoria von Baden und Kronprinz Gustav von Schweden im Jahr 1881. Es gab damals in Karlsruhe einen Festzug in Tracht. Und ein Blumengebinde als Souvenir.

Ein Festzug zur Hochzeit von Prinzessin Victoria 1881: Johann Baptist Tuttiné bannte den Tag auf Leinwand. Das Bild hängt im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Foto: Rake Hora /BNN

Was ist eine Tracht? „Ursprünglich meinte das Wort Tracht einfach nur die getragene Kleidung eines Standes“, erklärt Brigitte Heck vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Dort hängt der Gemäldezyklus „Festzug der badischen Landesbevölkerung in den Landestrachten aufgeführt am 22. September 1881 Nachmittag 3 Uhr in der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe“.

In jenem September vermählte sich Prinzessin Victoria von Baden mit Kronprinz Gustav von Schweden. Und 100.000 Badener kamen, um das zu feiern. Alle in Tracht.

Tracht - die Festtagskleidung auf dem Land

Im 18. Jahrhundert wurde die Tracht zum Begriff für die Sonn- und Feiertagskleidung der Landbevölkerung. „Der wohlhabenden“, betont Heck. Denn das feine Tuch oder der kunstvoll hergestellte Kopfschmuck waren teuer. Aber im 19. Jahrhundert begann man auf dem Land plötzlich, sich im Zuge der industriellen Revolution und ihrer Errungenschaften bürgerlich zu kleiden.

„Kleidung ist im Fluss. Das ist eigentlich ein ganz normaler historischer Prozess“, sagt Volkskundlerin Heck. Doch vor allem die Städter waren alarmiert. Sie sahen das idyllische Bild von so adrett zurechtgemachten Männern und Frauen auf dem Feld in Gefahr. Dabei war dieses Bild ein schiefes, denn gearbeitet wurde natürlich nicht in der Festtagskleidung. Vereine begannen, die „Volkstracht“ zu konservieren. In Baden wurde sie bei Festzügen präsentiert. Sie fand überall begeisterte Anhänger. Etwa das badische Großherzogpaar selbst.

Großherzogin schwärmt für Bollenhüte

Der Großherzogin Luise, Mutter der Braut, hatte es vor allem die Gutacher Tracht angetan, die mit den Bollenhüten. Schwarze Bollen für die verheirateten Frauen, leuchtend rote für die unverheirateten. Luise setzte sogar hin und wieder selbst einen dieser Hüte auf.

Mit dieser Vorliebe war sie freilich nicht allein. Auch die Maler ihrer Zeit fanden besonderen Gefallenen an der Kleidung aus dem Gutachtal. Und heute werden Rock, Mieder und Bollenhut als die badische Tracht schlechthin angesehen. Sie prägten das Bild vom Schwarzwaldmädel – sogar im Ausland.

Großherzogin Luise und ihrem Gemahl aber war daran gelegen, die ganze große Trachtenvielfalt ihres Landes zu betonten. Im noch recht jungen Großherzogtum waren schließlich unter einer Flagge viele verschiedene Regionen mit ihren unterschiedlichen Sitten und Bräuchen vereint worden, die sich nun als eins fühlen sollten. Also warum nicht aus der Not eine Tugend machen und die Vielfalt zur badischen Besonderheit erklären?

Tuttiné dokumentiert den Festzug in Karlsruhe

So wundert es nicht, dass die Brauteltern 1881 eigens einen Maler engagierten, den Festzug zu Ehren der Vermählung ihrer Tochter im Nachhinein auf Leinwand zu bannen. Auf der einen Seite war das in etwa so, wie heutzutage einen Hochzeitsfotografen zu beauftragen. Eine persönliche Entscheidung. Auf der anderen Seite war es aber auch der Wunsch der Herrschenden, zu zeigen, wie vielfältig das Volk war, das sie regierten. Eine politische Entscheidung.

Der Festzug war ein Geschenk der Stadt Karlsruhe an das großherzogliche Haus. Zum Organisator dieses Großereignisses wurde ein Maler bestimmt: Johann Baptist Tuttiné. Das war keine ungewöhnliche Entscheidung, erklärt Brigitte Heck. „Es war die besondere Begabung der Maler, etwas in Szene zu setzen.“ Historienbilder etwa waren sehr szenografisch aufgebaut. „Heute würde man einen Filmemacher beauftragen“, sagt Heck.

Tuttiné organisierte also einen Festzug, zu dem die Menschen in Scharen kamen. 50.000 lebten in Karlsruhe, doppelt so viele nahmen an dem Umzug teil. Festwagen rollten mit. Etwa der zum Thema „Goldene Hochzeit“. Da saß ein Ehepaar, das wirklich in diesem Jahr, also 1881, seine goldene Hochzeit beging vor einer eigens nachgebauten Kapelle. Das Paar machte Tuttiné ausfindig, die Tracht, aus dem Hotzenwald, ließ er den beiden schneidern. Sie hatten nämlich kein Geld dafür.

Ein Bild wie ein Film

Die Kleidung der Eheleute und der anderen Hotzenwälder ist im Bild detailgetreu dargestellt, bis in die letzte Falte der Kniebundhosen der Männer und bis zum Ziersaum am Mieder der Frauen. Wie gelang Tuttiné das? Er reiste nach der Hochzeit Victorias immer wieder zu den Menschen und fertigte Studie um Studie von ihnen an. Im Profil. In der Rückenansicht. Von vorne.

Als er verschied und Heinrich Issel die Aufgabe übernahm, den Zyklus fertigzustellen und die letzten beiden Bilder zu malen, hatte Tuttiné sie schon geplant. Und so sind die auf den drei Gemälden dargestellten Trachten aus allen Perspektiven zu sehen, quasi in Rundumsicht. Besser könnte es ein Filmemacher von heute auch nicht machen.

Der Hochzeitsbitter, der neben dem Festwagen läuft, ist stilecht ausgestattet mit Schriftrolle und Blumenstab. Überhaupt die Blumen: So wie es Tradition war, an Festtagen Tracht zu tragen, war es Brauch, dass alle Teilnehmer einer Hochzeit das gleiche Blumengebinde ansteckten, um zu kennzeichnen: Wir gehören dazu.

Auch zu Prinzessin Victorias Vermählung gab es kleine Sträußchen zu kaufen „als Hochzeitssouvenir“, erzählt Brigitte Heck. Mit Seidenbändern in den badischen und schwedischen Landesfarben gebunden, rot und gelb, blau und gelb. „Das mit den Sträußchen macht man doch heute immer noch so ähnlich“, sagt Heck. Ein paar Blümchen ans Revers der Herren oder ans Kleid der Damen. Das ist eine Tradition, die überdauert hat.

Das sind die Gewinner von Teil 2 des BNN-Sommerrätsels

„Ich habe mich auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt Margitta Häfele. Und sie hatte damit recht: Die Gondelsheimerin tippte, dass bei der großen Hochzeit 1881 in Karlsruhe einem alten Brauch gefolgt wurde und es als Souvenir Anstecksträußchen gab.

Glückliche Gewinnerin: Margitta Häfele freut sich über den Hauptpreis. Foto: privat

Ihre richtige Einsendung hat die Glücksfee aus dem Lostopf gezogen, sodass sich Margitta Häfele nun auf den Hauptpreis des BNN-Sommerrätsels Teil zwei, einen Workshop in der Mitmach-Werkstatt der Gläsernen Manufaktur der Schmuckwelten Pforzheim, freuen kann. Die BNN-Leserin und eine Begleitperson lernen dort, wie sich mit verschiedenen Techniken ein Silberring bearbeiten lässt.

Das BNN-Sommerrätsel Teil zwei war recht kniffelig, so mancher lag mit seiner Antwort daneben. Die richtige Lösung wussten dennoch sehr viele der zahlreichen Teilnehmer. Auch Klaus Lorenz aus Bühl, der das Kaffee-Abo von Ettli gewonnen hat. Er kann in den nächsten Monaten verschiedene Kaffeespezialitäten probieren. Der 30-Euro-Gutschein für den BNN-Lesershop geht an Birgit Buck aus Karlsruhe. Je eine Picknickdecke erhalten Sabine Heer-Seiler aus Lauf, Sigrid Klausmann aus Waldbronn und Susanne Kuntz aus Rheinstetten.

Das BNN-Sommerrätsel besteht aus sechs Teilen. Wer dieses Mal kein Glück hatte, gewinnt vielleicht in den nächsten Wochen. Die Frage stellen wir jeweils montags, das letzte Mal am 6. September. Bei jeder Runde verlosen die BNN attraktive Preise. Mitzuraten lohnt sich also. Hier können Sie teilnehmen.

Das sind die Teilnahmebedingungen.

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