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Bürgermeister für den Frieden

Globale Allianz gegen Atomwaffen will nicht aufgeben

75 Jahre nach dem Atomangriff auf Hiroshima und Nagasaki setzen sich mehr als 7.900 Städte im globalen Netzwerk „Bürgermeister für den Frieden” für den Verbot aller Nuklearwaffen ein. Auch Karlsruhe und andere Städte der Region sind dabei.

Protest gegen Atomwaffen: Am 8. Juli hisste Karlsruhe vor dem Neuen Ständehaus die Fahne des globalen Netzwerks „Mayors for Peace”, um ein Zeichen für eine friedliche Welt zu setzen. Foto: Stadt Karlsruhe

Im Jahr der Corona-Pandemie hat der Bürgermeister von Hiroshima eine besondere Hoffnung. „Wir erleben gerade, dass wir gemeinsame Bedrohungen in solidarischer Zusammenarbeit beseitigen können”, sagte im Juli Kazumi Matsui in einem Interview. „Diese Erfahrung müssen wir nutzen, um eine globale Koalition von Bürgern aufzubauen, um das Problem der Atomwaffen zu lösen”.

Ihr Kampf erinnert bislang an die Geschichte von David und Goliath: Seit Jahrzehnten versuchen die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, die Gefahr eines neuen nuklearen Infernos in der Welt zu reduzieren.

Die strategischen Interessen der Atommächte, die gemeinsam rund 13.000 Nuklearwaffen besitzen und im UN-Sicherheitsrat das Geschehen bestimmen, machen bislang alle Hoffnungen der japanischen „Hibakusha” (Überlebenden) zunichte. Doch die Zahl derer Verbündeten wächst.

680 Städte und Gemeinden in Deutschland machen Front gegen die Atombombe

1982 gründeten die beiden Städte die globale Organisation „Mayors for Peace” (Bürgermeister für den Frieden), um ihren Mahnungen für eine nukleare Abrüstung mehr Gewicht zu verleihen. Mehr als 7.900 Städte und Gemeinden in 164 Ländern gehören mittlerweile diesem Netzwerk an.

In Deutschland machen etwa 680 Bürgermeister mit, darunter die von Pforzheim, Rastatt, Baden-Baden und Bretten. Auch Karlsruhe hat sich der Bewegung im Jahr 2014 angeschlossen.

Karlsruhe setze auf die „Kraft des Schwarms”, erklärt Eberhard Fischer, bei der Stadtverwaltung unter anderem für Außenbeziehungen zuständig.

Obwohl Karlsruhe formaljuristisch keine außenpolitische Kompetenz besitze, wolle die Stadt als Teil des Netzwerks ein grundlegendes sicherheitspolitisches Anliegen zum Ausdruck bringen: „Einzelne Stimmen werden nicht gehört, viele dagegen schon. Wenn auch mehr amerikanische, russische und chinesische Städte mitmachen, wird der Druck auf die Regierungen dieser drei entscheidenden Atommächte steigen.”

Viel Unwissen über Einsätze von Atomwaffen

Fischer nennt die Atomwaffen neben dem Klimawandel eine der größten Bedrohungen für die Menschheit. „Besonders gefährdet sind die Städte, die im Fall eines Atomkriegs am meisten leiden würden.” 75 Jahre nach Hiroshima gebe es viel Unwissen über die Geschichte der Atomwaffen und ihre Einsätze: „Da gilt es, die Menschen aufzuklären und die Erinnerung wachzuhalten.”

Wie die anderen Teilnehmer des „Mayors”-Netzwerks unterstützt Karlsruhe die Friedensinitiativen gegen Atomwaffen aus der Zivilgesellschaft. Zudem hisst die Stadt jedes Jahr am 8. Juli die weißgrüne Fahne der Atomwaffengegner, um ein Zeichen für die Abrüstung zu setzen.

In diesem Jahr engagieren sich die Bürgermeister für die Verlängerung des New-Start-Vertrages. Das vor neuen Jahren in Kraft getretene Abkommen zwischen USA und Russland ist die letzte noch gültige Vereinbarung zur Begrenzung von Atomwaffen. Der Vertrag läuft im Februar 2021 aus, die Gespräche über dessen Verlängerung gestalten sich als sehr schwierig.

Gedenkveranstaltung an die Bombenopfer im Tollhaus

„Wir fordern die Atommächte eindringlich dazu auf, ernsthafte Verhandlungen zur Abschaffung der Nuklearwaffen zu führen”, sagte im Juli Oberbürgermeister Frank Mentrup. In der Vergangenheit hatte der Karlsruher OB in einem offenen Brief des Friedensbündnisses Karlsruhe die Bundesregierung zu einem Verbot und der Vernichtung aller Atomwaffen aufgerufen.

Zum 75 Jahrestag des Atombombenabwurfs in Japan übernimmt Mentrup die Schirmherrschaft über eine Gedenkveranstaltung für die Opfer am 9. August im Tollhaus.

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