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Fünfer-Gruppen sind erlaubt

Karlsruhe prescht vor und bietet trotz Bundes-Notbremse Sportgruppen für Kinder an

Psychologen schlagen Alarm: Kinderseelen leiden im Lockdown sehr. Bewegung würde helfen – und die bietet Karlsruhe jetzt an. Die Bundes-Notbremse verhindert den Sport nicht, das soll genutzt werden.

Karlsruhe möchte Kindern nicht nur in den Pfingstferien Sportangebote machen. Maximal fünf Jungen und Mädchen sind pro Gruppe erlaubt. Foto: Kay Nietfeld/dpa

2021 soll in Karlsruhe ein Sportjahr werden – in das der zuständige Bürgermeister Martin Lenz (SPD) jetzt trotz Bundes-Notbremse kräftig Schwung bringen möchte. Schon im Mai soll es in der Stadt Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche bis 13 Jahren geben.

Genau das lässt die Vorgabe aus Berlin nämlich zu. In dieser Altersgruppe darf bei jeder Inzidenz über 100 in maximal Fünfer-Gruppen im Freien kontaktlos trainiert werden.

Zu wenig, heißt es vielerorts. Bürgermeister Lenz sieht es anders. „Wir müssen die Zahl der Fünfer-Gruppen vervielfachen.“ Der Sportbürgermeister geht mit dem Arbeitstitel „100 mal Fünf“ ins Rennen: Es soll demzufolge in nächster Zeit mindestens 100 Angebote für jeweils fünf Kinder geben.

Stadt Karlsruhe plant Sporttage für Kinder in den Pfingstferien

„Wir haben 200 Vereine in der Stadt, es können sich auch Hochschulen beteiligen – insofern gehe ich davon aus, dass wir diese Zahl erreichen.“ In den Pfingstferien setzt Lenz gleich auf ganze Kindersporttage.

Einen Punkt gilt es jedoch noch zu klären: Die Bundes-Notbremse schreibt vor, dass der Übungsleiter einen Corona-Test macht – und zwar einen offiziell bestätigten. Einmal pro Woche hat jeder Anspruch auf eine kostenlose Testung. „Das wird absehbar nicht ausreichen“, so Lenz. Deshalb hofft er, dass sich Apotheken oder andere Schnellteststationen melden und das Projekt unterstützen. Dieses ist Lenz eine Herzensangelegenheit.

Wir brauchen ein stadtgesellschaftliches Bündnis, um schnell Sportangebote für viele Kinder zu ermöglichen.
Martin Lenz, Sportbürgermeister

Der Sportbürgermeister verweist auf Alarmrufe von Psychologen: Die Kinderseele leidet im Lockdown sehr, Bewegung könnte Abhilfe bringen und Druck aus den Familien nehmen. „Deshalb brauchen wir jetzt ein stadtgesellschaftliches Bündnis, um schnell Sportangebote für viele Kinder zu ermöglichen“, betont Lenz. Die Stadt selbst bezahle Zuschüsse für die Übungsleiter. „Und weil etwas Geld in diesem Topf übrig ist, steuern wir das übergangsweise auch für Schnelltests bei.“

Kinder sollen sich in der Corona-Pandemie auf Sport freuen können

Wie die praktische Umsetzung aussehen kann, macht der Sportkreisvorsitzende Andreas Ramin mit seinem Männerturnverein (MTV) vor: Im Umgang mit den Schnelltests schult eine Apotheke eine Übungsleiterin des Vereins, die im Hauptberuf Arzthelferin ist. „Das ist unser Pilotprojekt“, sagt Lenz. Den Kindern wird hier Leichtathletik angeboten. Der Sportbürgermeister kann sich aber bis hin zum Judotraining mit Puppen alles vorstellen.

Da ist jetzt Kreativität gefragt, wir müssen mit dem Infektionsschutzgesetz umgehen.
Martin Lenz, Sportbürgermeister

„Es geht eher um spielerische Momente und psychosoziale Aspekte.“ Er wünscht sich, dass die Kinder wieder Sport im Kalender stehen haben, auf den sie sich freuen. „Da ist jetzt Kreativität gefragt, wir müssen mit dem Infektionsschutzgesetz umgehen.“ Lenz kann sich vorstellen, dass eine Fünfer-Gruppe morgens und eine mittags trainiert. Dagegen könne man selbst ein riesiges Feld nicht aufteilen und gleichzeitig von vier Gruppen bespielen lassen.

Der Karlsruher Sportbürgermeister hätte nichts dagegen, wenn sein Motto „100 mal 5“ übertroffen wird und zu 200 Gruppen führt. „Und wenn die Inzidenz unter 100 liegt, können 20 Kinder gleichzeitig trainieren.“ Bei einem solchen 7-Tage-Wert hat das Land Karlsruhe auch zugesagt, über die angestrebten Kompaktkurse für das Kinderschwimmen zu entscheiden.

Eigentlich wollte Bäderchef Oliver Sternagel bereits in den Pfingstferien kleine Schwimmanfänger unterrichten lassen. „Das lassen die aktuellen Zahlen nicht zu“, so Lenz. Dennoch will er in Stuttgart prüfen lassen, ob auch ein Bad als Sportanlage gilt – und damit von Fünfer-Gruppen belegt werden kann. „In jedem Fall starten wir bei den Schwimmkursen eine Aufholjagd, sobald es möglich ist. Beim Schwimmen geht es um das Erlernen einer Grundfähigkeit, die lebenswichtig ist.“

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